Push it

BBC experimentiert mit On-Demand-TV.

Die BBC probiert mal wieder etwas aus: 300 Leute bekommen eine Box neben den Fernseher. Die Tester können den Festplattenrekorder mit 50 Stunden eigenen Wunschprogrammierungen füllen, weitere 50 Stunden sind BBC-Inhalte, die automatisch für sieben Tage auf der Box landen. Damit findet die Auswahl, was man schaut, nicht mehr wie beim traditionellen programmierten Rekorder vor der Sendung statt, sondern bis zu eine Woche danach, allerdings mit Vorauswahl des Anbieters. (Via MediaGuardian, Pressemitteilungen dazu von der BBC und Cabot Communications.)

Feeds für BBC-Nachrichten

Gezielt Suchworte abonnieren.

RSS-Feeds (zum Abonnieren von Inhalten) sind inzwischen Alltag, aber es gibt immer noch Anbieter, die den anderen etwas voraus haben. Beispielsweise die BBC: Suche ich nach Hamburg, bekomme ich dafür einen RSS-Feed angeboten. Wann immer das Wort „Hamburg“ in den BBC-Nachrichten auftaucht, erscheinen diese Meldungen also in meinem Feed-Reader. Lösche ich das „+sport“ aus der URL, werde ich zudem von Sportmeldungen über den HSV verschont.

(Ein Tropfen Wermut: Auch McDonald’s-Berichterstattung fällt in das Raster, wegen der vielen Hamburger.)

Persönlich gemeint

Startseiten-Lokalisierung bei der BBC.

Wer die Großbritannien-Version (und nicht die internationale) der BBC-News-Website besucht, findet dort neuerdings ein kleines Kästchen:

BBC-Eingabefeld

Zum Ausprobieren: E1 6PU (Brick Lane, London), M16 0RA (Old Trafford, Manchester), BT1 3FG (Queen’s Square, Belfast), EH2 3AA (Princes Street, Edinburgh), LL61 5EX (Llanfairpwllgwyngyll, Wales).

Lokalnachrichten und Lokalwetter für London

Bislang werden nur Schlagzeilen und ein Wetterbericht aus der Region angezeigt — eigentlich nicht sonderlich aufregend. Obendrein noch weit entfernt von BBC Malkovich, dem web2.0igen Gewinner des BBC-Redesign-Wettbewerbs. Aber dass sich ein großes Nachrichtenportal einfach mal merkt, welches Wetter den Nutzer interessiert, ist eben keine Selbstverständlichkeit.

Wenn es um Sport geht, ist das mit der Personalisierung nicht so leicht: Auch in London SW1A 2AA kann ein Fan von Newcastle United wohnen. Dafür gibt es die Möglichkeit, per Checkbox weitere Nachrichten und Sportmeldungen hinzuzufügen.

Die BBC bezeichnet den Dienst aber ausdrücklich als Beta und bittet um Rückmeldungen. Gefällt mir gut: Die Prioritäten werden nicht grotesk ins Lokale verschoben. Auch in Nordwest-Wales ist der Nahost-Konflikt die Topmeldung, nicht der Mangel an Teilzeit-Feuerwehrleuten in Nordwest-Wales.

Future Media and Technology

Ein erster Blick auf die BBC-Umstrukturierung.

Eine Weile wurde gerätselt, was bei der BBC-Umstrukturierung aus der Direktion „New Media and Technology“ wird. Der Spagat: Einerseits ist das Internet ja schon kein Neues Medium mehr und soll ja gerade Teil des Alltag der BBC sein. Das spräche dafür, die Onliner in die normalen Redaktionen zu setzen. Andererseits hat diese Direktion in den letzten Jahren einfach Erstaunliches geleistet. Die BBC, mit 25.000 Beschäftigten nicht gerade ein kleines Start-up, gehört in der Verlagsbranche (laut Deloitte) zu den am meisten bewunderten „digitalen Unternehmen“. Früher als andere große Medienhäuser hat die BBC auf RSS-Feeds und Podcasts gesetzt; sehr vorzeigbar sind beispielsweise das Entwicklernetzwerk backstage.bbc.co.uk, die echten Blogs, die Pläne für persönliches Radio und vor allem die Überlegungen, wie die Medienrevolution zurückschlägt auf die Inhalte. Und diese NM&T-Abteilung soll zerschlagen werden?

Nun also doch nicht, im Gegenteil. Vorher gab es „New Media and Technology“ mit einem Budget von 250 Millionen Pfund (!), also etwa 360 Millionen Euro, und 650 Beschäftigten. Stattdessen gibt es nun „Future Media and Technology“ (FM&T) mit einem Budget von etwa 390 Millionen Pfund (!!), also 570 Millionen Euro, und bis zu 1.500 Mitarbeitern. Damit will die BBC unter anderem die Digitalisierung ihrer riesigen Archive vorantreiben: Die entsprechende Abteilung mit 450 Leuten ist nun Teil von „Future Media and Technology“.

Die Budget-Zahlen stammen aus einem Guardian-Artikel, in dem auch das bisherige Neue-Medien-Budget aufgeschlüsselt wird: Von den 360 Millionen Euro gehen über 100 Millionen Euro in die Website bbc.co.uk, gut 50 Millionen Euro in mobile Dienste und interaktives Fernsehen und gut 200 Millionen Euro in den Bereich Technologie. Nach dem neuen Modell soll FM&T zentral für die technologische Entwicklung bei der BBC zuständig sein. Im Pressemitteilungs-Jargon heißt das dann: „FM&T will manage all new media platforms and gateways like bbc.co.uk, the emerging i-player and web 2.0, as well as metadata, search and navigation and BBC Information & Archives which is vital to opening up the BBC’s archives.“

Die Zuständigkeit (und das Budget) für die Online-Sendungsbegleitung im engeren Sinne geht an die Produzenten der jeweiligen Programme. Aber auch dort hat BBC-Generaldirektor Mark Thompson die Strukturen kräftig verändert: Sport- und Nachrichten-Direktion kommen unter das gemeinsame Dach „Journalism“. Aus den drei Direktionen BBC Television, Factual & Learning sowie Drama, Entertainment & Children wird die Gruppe „BBC Vision“. Für Radio und Podcasts zuständig ist künftig „Audio & Music“.

So fernöstlich-harmonisch wie in diesem offiziellen Diagramm wird es natürlich niemals zugehen:

Offizielles BBC-Struktur-Diagramm

(Kommentare zum Diagramm bei Flickr.)

Kleiner Clou zum Schluss: „Future Media and Technology“ schickt in die drei neuen Gruppen Journalism, BBC Vision und Audio & Music jeweils einen Controller „who will make sure that each group gets the talent and support it needs, and who will help make sure that our key future media technology projects work in tandem with our editorial vision and plans“ (Thompson). Der BBC-Generaldirektor lädt übrigens am Ende seiner Ansprache an die Beschäftigten alle, die der Creative-Future-Vision nichts abgewinnen können, zum Gehen ein.

Nachtrag: Tom Coates, der eine Weile an spannenden BBC-Onlineprojekten (aber außerhalb der Neue-Medien-Abteilung) gearbeitet hat, ist sehr skeptisch — von großen Ankündigungen sei wenig geblieben. Jeff Jarvis fordert dagegen, Thompsons Rede in jeder Zeitungsredaktion in den USA zu halten.

Mehr zum Thema:
Guardian: Highfield’s spending power soars at BBC
Guardian: New BBC divisions at a glance
BBC News: BBC restructures for digital age
BBC-Pressestelle: BBC reorganises for an on-demand Creative Future
BBC-Generaldirektor Mark Thompson: Delivering Creative Future

Fantasy Radio

BBC-Radioprogramm zum Selbermixen.

Molekül Radio ist schwierig, und das liegt an den Wort- und den Musik-Molekülen. Ein paar Oldie-Atome zu viel, und schon sind jüngere Hörer verschwunden. Etwas weniger Wort, zum Beispiel weniger Service-Atome? Findet der staugeplagte Pendler nicht gut, und haut ab. Langkettige Feature-Moleküle findet der eine großartig, schaltet aber trotzdem ab, weil sich ein anorganisches Pop-Molekül daran angedockt hat. Und Kultur-mit-Klassik-Moleküle mag auch nicht jeder.

Ein mögliches Gegenmittel ist die Substitution: Automatisch WDR 2 nehmen, Celentano, Furtado und Keating entfernen und durch Bach, Satie und Mendelssohn Bartholdy ersetzen. Fertig ist das DAB-Programm WDR 2 Klassik.

Ein anderes Gegenmittel ist die Analyse: Sendungen einzeln als Podcast anbieten (und die Musik-Moleküle aus GEMA-Gründen weitgehend entfernen).

Ein drittes Gegenmittel, auf das die BBC setzt: Der Hörer bekommt den Chemiebaukasten einfach selbst in die Hand gedrückt. Die BBC-Plattform iPlayer (ehemals iMP) soll dem Nutzer ermöglichen, seinen persönlichen Radiosender zu gestalten (via ojour.de). Damit wird die Rundfunkanstalt zum Anbieter Tausender, wenn nicht Millionen von Radiostationen, „all of them based on the extraordinary wealth of existing BBC content, but as relevant to individual users as the playlists they assemble for their iPods“, sagt BBC-Generaldirektor Mark Thompson in einer Rede. Das klingt zumindest wie eine brauchbare Antwort auf last.fm und Pandora.

Hat eigentlich schon jemand ein W-LAN-Radio?