Letzte Drahtmeldungen

Nachrichten ohne Agentur vor über 80 Jahren.

Aus aktuellem Anlass:

Gerade las ich, wie die Norag (der Vorläufer des NDR) Mitte der 1920er-Jahre ihre einzige Nachrichtensendung „Letzte Drahtmeldungen“ kostengünstig und ganz ohne Drahtmeldungen produzierte:

„Um die Kosten einer Nachrichtenagentur einzusparen, besorgten sich die verantwortlichen Programmredakteure in aller Frühe die Morgenausgabe des Hamburger Fremdenblattes, einer angesehenen liberalen Zeitung der Stadt, und werteten sie für ihre Zwecke aus.“

(Quelle: Ulrich Heitger, Auf der Suche nach einem Programm. Die Nordische Rundfunk AG 1924-1932, in: Wolfram Köhler, Der NDR: Zwischen Programm und Politik, Hannover: Schlütersche 1991, Seite 25.)

Mehr Buchpiraten

Adrian Hon über den Niedergang des Lesens.

Game-Designer, die den Verlegern per Blog Ratschläge geben, wie sie den Niedergang des Lesens abwenden sollen? Selbstverständlich eine skandalöse Unverschämtheit — bis man Adrian Hons Überlegungen bei Mssv.net gelesen hat: Für The Long Decline of Reading hat er sich viel Zeit genommen, über Belohnungsmechanismen nachgedacht und über die Lesepausen, die nach dem Griff zum falschen Buch oft folgen. Selbst wenn es einen Vortrag online als Video gibt: Lesen ist besser, sagt Hon und hat die entsprechende Forschung parat. Als Leseanreiz nur ein Satz aus dem langen Blogeintrag:

„Book piracy will almost certainly increase the amount of time people spend reading, and may turn out to be the biggest boost that the writing industry (but not the publishing industry) will ever receive.“

(Fast das Beste daran ist, dass er einem Monat später einen kurzen Nachtrag geschrieben hat: The Quick Rise of Reading. Die Neuauflage der Studie, auf der Hons erster Eintrag unter anderem beruht, zeigt, dass von 2002 bis 2008 das Lesen in den USA plötzlich wieder zugenommen hat, ausgerechnet bei den 18- bis 24-Jährigen. Und bevor irgendjemand über die USA lästert: Jeder vierte Deutsche liest überhaupt keine Bücher.)

Zeitungsstudie 3

Die deutschen Tageszeitungen im Netz 2008.

Steffen Büffel hat zusammen mit Sebastian Spang die Studie zu Onlineangeboten deutscher Tageszeitungen (2006, 2007) fortgesetzt und auf den Stand der Dinge 2008 gebracht.

Grafik der Zeitungsstudie 2008

Die Studie belegt mit aktuellen Zahlen die gefühlten Trends: Videos sind zum Standard geworden, während Audio-Podcasts nur für einen kleinen Teil der Zeitungen relevant sind. Es darf mehr kommentiert werden, aber eine Registrierung wird zunehmend als sinnvolle Hürde angesehen. Foren und Chats sind nicht mehr das Werkzeug der Wahl, Blogs halten sich. Mehr zu den Ergebnissen bei Steffen Büffel.