Le Monde vor dem Relaunch

Ab Montag drei Zeitungsteile und ein neues Layout.

Ausschnitt aus Le-Monde-Schriftzug

Von Montag an will Frankreichs liberales Vorzeigeblatt Le Monde dem Auflagenschwund mit einer „nouvelle formule“ trotzen. Aus drei Teilen soll die Zeitung künftig bestehen: Nachrichten/Wirtschaft/Sport („actualités“), Analyse/Reportage („décryptage“) und Nutzwert/Kultur/Medien („rendez-vous“). Das Blatt erscheint bereits im Berliner Format, muss also nicht in die Schrumpfmaschine — aber natürlich bekommt „Le Monde“ auch einige optische Veränderungen verpasst: größere Schrift, mehr Bilder, mehr Farbe, Layout in fünf statt sechs Spalten. Es bleibt aber beim Druck am Vormittag, so dass „Le Monde“ nicht vor 12 Uhr in Paris und noch später im restlichen Frankreich erscheint.

Das kleine Vorschaubild, das der Mutterkonzern Prisa präsentiert, macht allerdings wenig Lust auf den Relaunch: Die beiden Probeseiten im neuen Design verströmen bleierne Langeweile, die womöglich vorhandenen typografischen Finessen verschwinden bei dieser schlechten Reproduktion, die Spalten sehen überbreit aus. Allerdings sah Le Monde noch 1994 fast so aus wie bei der Gründung 50 Jahre zuvor. Damals gönnte sich das Blatt eigene Hausschriften (Le Monde Journal und Sans), seit dem Relaunch 2002 zudem als Titelschrift Lucas im Einsatz. Der konservative Figaro hat seinen Relaunch übrigens gerade hinter sich, die Libération hat ihn noch vor sich. Und die Titelseite des investigativ-satirischen Canard enchaîné ist gestalterisch eine einzige Grausamkeit.

Nebenher: Wer glaubt, Zeitungs-Relaunches seien eine verschwenderische Angelegenheit oder neumodische Verspieltheit, hat die Augen noch nicht offen. Für die Zeitungen geht es darum, ob sie mit ihren Lesern aussterben. Da kann eine ganz praktische Frage wie die nach der U-Bahn-Verträglichkeit im Jahr 2005 entscheiden, ob es die Zeitung 2020 noch gibt.

Zum Weiterlesen:
Holger Alich (Handelsblatt): Le Monde verschönert sich
Palmer Watson (Relaunch-Beraterbüro)
Le-Monde-Selbstporträt von 2002 (in Flash)
Sonderbeilage zum Relaunch 2002 (als PDF)
Jochen Hehn (Die Welt): Gnadenfrist für France Soir
Chronologie zu France Soir

Onlinemedien tagen

Tagungen in Frankfurt, New York und Hamburg.

Anlässlich des Frankfurter Tags des Online-Journalismus: ein tagesschau.de-Dossier Online Medien – alte Träume neu geträumt, in dem es unter anderem um Weblogs, Podcasts, Wikipedia und Flickr geht. Dazu ein Überblicksartikel von Fiete Stegers darüber, was Google, DSL und Blogs für die Medien bedeuten .

Vor kurzem: Onlinejournalisten-Konferenz ONA 2005 in New York – ein paar Einstiege bei Fabian Mohr.

Demnächst: Jonet-Tag 2005 in Hamburg. Es wird geflickrt, gebloggt und getagged.

Eingeschlichen

Zapp spezial zum Thema Schleichwerbung.

Das Bild bleibt haften: der L’tur-Slogan „Nix wie weg“ im L’tur-Design auf dem Poster im „Marienhof“-Reiseshop. Fünf Monate ist es her, dass Volker Lilienthal die Ergebnisse einer Recherche mit langem Atem veröffentlichte. Seither haben Geschäftsführer ihre Stühle räumen müssen, Serienfolgen sind erst im Giftschrank und dann auf dem Schneidetisch gelandet, neue Kontrollinstanzen wurden gegründet. Zumindest den Satz „das machen halt alle so“ müssen sich diejenigen, die kritisch nachfragen, hoffentlich jetzt seltener anhören. Am Mittwoch um 23 Uhr gibt es eine Sonderausgabe des Medienmagazins Zapp im NDR Fernsehen, die eine Zwischenbilanz zieht.

Titelbilder für die Wand

Nicht alle Spiegel-Cover sind als Poster verfügbar.

Nicht verfügbare Spiegel-Titelbilder

Der Spiegel bietet nun auch Titelbild-Poster an, wahlweise in Originalgröße oder im Format 42 x 32 cm. Fast zwölf Jahre zurück geht die Auswahl in der Titelbild-Galerie. So könnte sich Rudolf Scharping das Cover von Ausgabe 40/1994 bestellen, das ihn zusammen mit Helmut Kohl und der Schlagzeile „Doch Machtwechsel?“ zeigt. Aus rechtlichen Gründen nicht zu haben ist dagegen das Titelbild von Heft 35/2001 („Rudolf der Eroberer“), das ihn und seine Gräfin in einem wassergefüllten Bundeswehrhelm zeigt. Eine weitere Lücke in der Galerie klafft bei der umstrittenen Ausgabe 16/1997. Juliane Welzel erklärt den Hintergrund: Der Spiegel hatte das Foto einer Türkin, die gegen rechtsextreme Brandanschläge demonstrierte, für das Titelthema „Ausländer und Deutsche: Gefährlich fremd“ verwendet. Die Frau wehrte sich vor Gericht erfolgreich dagegen, als aggressive Ausländerin dargestellt zu werden.