Unglaublicher Schrott

Die Diskussion um den nr-Medienkodex geht weiter.

Raucher-Hinweis: Bloggen gefährdet den Journalismus Vor einem Vierteljahr habe ich mich an dieser Stelle gefragt, was das Netzwerk Recherche in der Präambel seines Medienkodizes mit „neuen Technologien“ meint, die angeblich den Journalismus gefährden. Auf eine Mail an das Netzwerk habe ich bis heute keine Antwort bekommen.

Erfreulicherweise hat jemand beim nr-Jahrestreffen in Hamburg nachgefragt. Christiane Link dokumentiert in ihrem Weblog die Diskussion um den Kodex. Ein Auszug:

Jemand aus dem Publikum fragt, warum die neue Techniken eine Gefahr darstellen.
Rainer Burchardt kritisiert Blogs. Was da an Schrott verbreitet werde, einschließlich Wikipedia, sei unglaublich. Man habe es mit knallharter Ökonomisierung der Ware Information zu tun.

Christiane — bloggende Journalistin wie ich — fügt an: „Was das mit Blogs und Wikipedia zu tun hat, verstehe ich gerade nicht.“ Ich auch nicht. Aber ich kapiere ja schon nicht, dass jemand wie Burchardt, der sich damit professionell beschäftigt, immer noch solche Pauschalurteile fällt.

Nachtrag: Der Frager aus dem Publikum, Marcus Lindemann, hat sich bei Christiane zu Wort gemeldet mit einer sehr lesenswerten Ergänzung. Und so entdecke ich nebenbei auch das recherch-o-log — laut Selbstbeschreibung schreiben dort „bloggende Journalisten und Journalistinnen sowie journalistische Blogger und Bloggerinnen über journalistische Recherche und recherchierenden Journalismus“.

2014

Wie alles (auch ohne Google Epic) endete.

Das Epic-Video von Robin Sloan und Matt Thompson (mittlerweile auch in deutscher Fassung) ist fast schon ein klassischer Weg, Mitarbeitern traditioneller Medien mit einem Rückblick aus der Zukunft ein wenig Angst einzuflößen.

Tatsächlich wird alles viel schlimmer geworden sein, fürchte ich. Und zwar so:

Ein ganz, ganz großes Dankeschön an Jo „The Voice“ Larsson! (Das Video liegt als große Quicktime-Version im Internet Archive.)

Nix .xxx

ICANN lehnt Rotlicht-Domain ab.

.xxx gepixelt Also doch keine Überraschung: Das ICANN-Direktorium hat die Rotlicht-Top-Level-Domain .xxx abgelehnt. Der ICANN-Kritiker Michael Froomkin schreibt bei ICANNwatch: „I would say that .xxx was a lousy idea, but that the people behind it followed all the rules and still lost — but that would suggest that there are rules.“ Was ist also passiert?

Erster Schritt: Die Netzverwaltung ICANN hat Vorschläge für neue Domains gesammelt und gibt sie im März 2004 bekannt (mehr dazu). Der .xxx-Vorschlag ist zum zweiten Mal dabei, nachdem er in der ersten Domain-Runde im Jahr 2000 abgelehnt wurde.

Zweiter Schritt: ICANN wählt .xxx im Juni 2005 für „commercial and technical negotiations“ aus — der Vorschlag hat es also scheinbar geschafft (mehr dazu).

Dritter Schritt: Wie so oft bei ICANN hat niemand vorher etwas mitbekommen (auch wenn Joi Ito auf ein Public-Comment-Verfahren verweist), und das Geschrei ist groß. Zu Wort melden sich das US-Handelsministerium, aber auch die brasilianische Regierung und der ICANN-Regierungsausschuss GAC, wie Heise Online berichtet. Ergebnis: Die Entscheidung über die Domain ohne Lobby wird ab August 2005 wieder und wieder verschoben.

Vierter Schritt: Im März 2006 beschäftigt sich der ICANN-Regierungsausschuss GAC wieder einmal mit .xxx. In seinem Abschluss-Kommuniqué macht das GAC noch einmal klipp und klar deutlich, dass es bei dieser Entscheidung auch um „public policy aspects“ geht. Übersetzt: Die ICANN-Direktoren sollten aufpassen, was sie tun, schließlich geht es hier um Zuständigkeitsbereiche der Regierungen.

Da mag sich der Bewerber ICM Registry noch so sehr beschweren — eine Domain für „the needs of the global responsible online adult-entertainment community“ ist nun einmal eine Goldgrube mit angeschlossenem Minenfeld. Zum Schutz von Kindern wird sie, auch wenn sich die .xxx-Leute noch so sehr ins Zeug legen, aber rein gar nichts beitragen. Wie gesagt: Das Domainnamensystem kann technische Herausforderungen lösen, aber nicht die Erziehung übernehmen.

Wer deswegen wie etwa Bill Thompson auf den Einfluss der US-Regierung bei ICANN schimpft und eine UN-Domainorganisation herbeisehnt, hat das Dilemma nicht begriffen: ICANN hätte den .xxx-Vorschlag fast durchgewunken. Es ist der UN-ähnlichste Teil bei ICANN – die Regierungen im GAC -, der ihn gestoppt hat.

Nachtrag — Wie immer lesenswert: Monika Ermert bei Heise Online über die .xxx-Ablehnung.

Pseudonyme Gewinner

Schweizer Pendlerblog produziert Bekennervideo.

Logo des Pendlerblog-Bekennervideos Auch für den ersten Swiss Blog Award in der Kategorie „Rookie“ ist das Pendlerblog nicht bereit, die eigene Anonymität aufzugeben — und schickt stattdessen lieber ein Bekennervideo. (Pendlerblog hat die Schweizer Gratiszeitung 20 Minuten im Visier, insbesondere die dort muntere Beziehung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung.) Glückwunsch auch an Don’t mention the skiing (Bestes Blog) und scanblog (Multimedia-Preis).

Kunstharzripping

Zeit Wissen stiftet zum Schallplattenabguss an.

Schallplatte Während die Phonoverbände die digitale Privatkopie am liebsten ganz verboten sehen, gibt Zeit Wissen in einer Bildergalerie auch noch Tipps, wie man mit Fensterkitt, Silikon und Kunstharz die eigene Schallplattensammlung kopieren kann. Dazu ein mutiger Link zum Kautschuk- und Polyurethan-Fachhändler — wenn der Phonoverband das mitbekommt, gibt es bestimmt bald Gema-Gerätevergütungen auf Fensterkitt.