Zehn Domain-Vorschläge bei ICANN

Einer kurzer Blick auf die Vorschläge für neue Top-Level-Domains.

Ein erster kurzer Blick auf die Vorschläge für neue Top-Level-Domains, die bei der Netzverwaltung ICANN eingegangen sind.

  • .asia – Eine Asien-Domain, die von vielen Länderdomain-Verwaltern aus der Region unterstützt wird.
  • .cat – Eine Domain für Katalonien. Der Antrag betont, dass die katalanische Gemeinschaft grenzübergreifend ist und daher für eine Länderdomain ungeeignet. Die Verwechslungsgefahr mit einer Katzendomain wird im Antrag natürlich auch gleich angesprochen: „Meow!! Yes ūüėČ But then .net means ‚clean‘ in Catalan, and .nu, ’naked‘.“
  • .jobs – Eine Domain vor allem für Firmen, die ihre Jobseiten unter dieser Domain anbieten sollen.
  • .mail – Eine Anti-Spam-Domain, hinter der vor allem Spamhaus steht. .mail soll hinter den Kulissen funktionieren und auf existierenden Domains aufsetzen: Der Betreiber des Mailservers example.com kann die Domain example.com.mail registrieren. Ein anderer Mailserver kann via example.com.mail nachschauen, ob es sich tatsächlich um die IP-Adresse des Mailservers handelt und ob der Mailserver als Spam-frei gilt.
  • .mobi – Eine Domain für mobile Geräte, hinter der in erster Linie Nokia, Vodafone und Microsoft stehen.
  • .post – Eine Post-Domain, mit der der Weltpostverein in der ersten Domain-Runde 2000 peinlich gescheitert ist. Ein ICANN-Report bemängelte damals, dass der .post-Antrag keinen „well-thought-out plan on how the proposed TLD would be used“ enthielt.
  • .tel (Pulver) – Eine Domain für Internet-Telefonie nach dem E.164-Standard.
  • .tel (Telnic) – Eine Telefon-Domain, die gerade keine nur-numerischen Domains zulässt.
  • .travel – Der zweite Versuch einer Domain für die Reisebranche. Bei der ersten Runde sorgten viele Negativ-Kommentare für Zweifel, ob der IATA-Vorschlag tatsächlich repräsentativ genug ist.
  • .xxx – Eine Nur-für-Erwachsene-Domain.

Die meisten Vorschläge sind nicht besonders originell oder nützlich: Beispielsweise sieht die .post-Struktur wie ein bürokratischer Albtraum aus. Über Sinn und Unsinn sollte aber nicht ICANN entscheiden. Einen Blick in die Wahrsagekugel kann ich mir aber nicht verkneifen — bei drei, möglicherweise fünf Domains wird sie vermutlich ablehnen: Den beiden .tels, .xxx und womöglich auch .cat und .mail.

Bei den Telefonie-Domains kommt ICANN der Weltfernmeldeunion ITU in die Quere, die sich um den E.164-Standard kümmert. Schon bei der ersten Domainrunde hat die ITU darum gebeten, telefoniebezogene Top-Level-Domains nicht einzurichten. Die .xxx-Domain ist ein Vorschlag, der ICANN jede Menge unerwünschte Kontroversen um Inhalte, Zensur und moralische Standards bescheren kann. Auch deswegen hat die Organisation solche Domains in der ersten Runde 2000 abgelehnt — und es gibt weiterhin technische Gegenargumente.

Die Katalonien-Domain .cat führt die Netzverwaltung schließlich in eine Hölle, die ICANNs Vorgänger Jon Postel bei den Länderdomains durch die Verwendung einer ISO-Liste umgangen hat: die Entscheidung, was eine kulturelle Gemeinschaft ist. Spätestens bei .tibet und .kurdistan wird die politische Sprengkraft dieser Frage deutlich. ICANN könnte daher versucht sein, diese Angelegenheit auf später zu verschieben.

.mail ist einer der wenigen Vorschläge, die mit dem Domainnamensystem etwas technisch Neues machen wollen — auch wenn aus technischer Sicht dafür eine Top-Level-Domain nicht notwendig wäre. Aber Domains auf oberster Stufe haben nun einmal auch symbolischen Charakter und können daher dem Ansatz die nötigen höheren Weihen verschaffen. Natürlich könnte ICANN viele Bonuspunkte sammeln, indem sie zur Lösung des Spam-Problems beiträgt — aber auch hier würde sich die Organisation indirekt auf ein politisches Minenfeld begeben.

Nachtrag – Eine nicht so schwierige Weissagung zum Abschluss: Etwa drei Viertel der Berichte in Blogs und Artikeln werden sich einen Spaß aus der .cat-Domain machen.