Verstimmt

Das schottische Wahldesaster.

Die Schotten haben tatsächlich den Versuch unternommen, am selben Tag ihr Parlament nach dem Zwei-Stimmen-Wahlsystem wie bei Bundestagswahlen zu bestimmen, bei den Kommunalwahlen das System der übertragbaren Einzelstimme mit Zahlen statt Kreuzchen einzuführen und das alles mit neuen Stimmzettel-Scannern zu erfassen. Das Ergebnis sind bislang mehrere Tausend ungültige Stimmzettel und zahlreiche wegen technischer Probleme unterbrochene Auszählungen.

Immerhin haben die Schotten auf Papier gewählt, so dass Nachzählungen möglich sind.

Verneinung gestrichen

Die taz zur Online-Durchsuchung.

Als [Wolfgang Schäuble] im taz-Interview damals [im Februar 2007] gefragt wurde, ob auch der Verfassungsschutz Online-Durchsuchungen durchführe, sagte er spontan „Nein“, wies dann aber seinen Pressesprecher an: „Prüfen Sie das nach“. In der autorisierten Fassung des Interviews ließ sein Pressesprecher die Verneinung dann streichen und durch folgende Formulierung ersetzen: „Zu operativen Fragen nehme ich nur im Parlamentarischen Kontrollgremium Stellung.“

Die tageszeitung berichtet über die Dienstvorschrift zur Online-Durchsuchung, die ja gar nicht so gemeint gewesen sein soll. Der Minister soll erst durch die taz-Frage auf die Vorschrift seines Ministeriums gestoßen sein, der Staatssekretär dabei an geschlossene Internet-Foren gedacht haben. Als bedurfte es eines weiteren Belegs für die Gefährlichkeit der Generation Web 0.0, wenn es ums Internet geht.

Auf Verlangen

BBC Trust genehmigt Download-Plattform.

Auf ihrem (nicht gerade schnellen) Weg durch die Instanzen hat es die von der BBC geplante Download-Plattform iPlayer ein Stückchen weiter geschafft: Das BBC-Aufsichtsgremium hat am Montag die Pläne jetzt endgültig genehmigt, wie das schon nach der vorläufigen Entscheidung zu erwarten war. Am Dienstag hat der kommerzielle Sender ITV seine Pläne vorgestellen, für rund 30 Millionen Euro aus ITV.com zu einer Download-Plattform umzugestalten.

BBC, ITV und Channel 4 planen (oder haben) daneben auch Livestreams ihrer Programme, die aber wie die On-Demand-Plattform allein britischen Nutzern vorbehalten sind, da die Sender die Ausstrahlungsrechte ja auch nur für Großbritannien erworben haben.

Die Pläne für den BBC iPlayer
Archiv-Inhalte: BBC-TV-Sendungen 7 Tage nach Ausstrahlung zugänglich; einige Serien sind auch später noch komplett im Angebot.
Nutzungsbeschränkung: Der Nutzer muss heruntergeladene Inhalte binnen 30 Tagen erstmals ansehen, der Inhalt verschwindet 7 Tage nach dem ersten Ansehen.
Kosten für den Nutzer: Keine (für Nutzer in Großbritannien).
Werbung: Keine (für Nutzer in Großbritannien).
Plattform: Windows Media Player 10 auf Windows XP.
Die BBC wollte eigentlich, dass die Inhalte erst 13 Wochen nach Download verschwinden, aber das Aufsichtsgremium hat auf Druck der privaten Konkurrenz den Zeitraum auf 30 Tage beschränkt. Die kommerzielle BBC-Tochter BBC Worldwide plant einen kostenpflichtigen iPlayer für internationale Nutzer, aber dafür gibt es noch nicht einmal Anträge.

Die Pläne für ITV.com
Archiv-Inhalte: ITV-Sendungen 30 Tage nach Ausstrahlung und weitere ausgewählte Inhalte.
Kosten für den Nutzer: Noch nicht bekanntgegeben.
Nutzungsbeschränkung: Noch nicht bekanntgegeben.
Werbung: Banner- und Videowerbung (Vorab-Film, klickbare Werbung, Sponsoring).
Plattform: Noch nicht bekanntgegeben.
ITV setzt auf Bonusmaterial, Nutzerbeteiligung (ITV News Uploaded) und nur fürs Web erstellte Inhalte.

4oD von Channel 4
Archiv-Inhalte: Channel-4-Sendungen 28 Tage nach Ausstrahlung und weitere ausgewählte Inhalte.
Kosten für den Nutzer: Spielfilme 1,99 £; Serien, Shows, Dokumentationen binnen 7 Tagen offenbar kostenlos, danach 0,99 £ (oder 1,99 £ zum beliebig häufigen Anschauen).
Nutzungsbeschränkung: Der Nutzer muss heruntergeladene Inhalte binnen 28 Tagen erstmals ansehen, der Inhalt verschwindet 48 Stunden nach dem ersten Ansehen.
Werbung: Bislang offenbar werbefrei.
Plattform: Windows Media Player 10 auf Windows XP.
Channel 4 ist der einzige britische Sender, dessen On-Demand-Plattform im Netz bereits gestartet ist. Dort sind unter anderem US-Serien wie Desperate Housewives im Angebot.

Premier tour

Präsidentschaftswahl in Frankreich.

Die französische Präsidentschaftswahl — für Menschen, die der französischen Sprache nicht hinreichend mächtig sind. Die ersten Prognosen gibt es, wenn die letzten Wahllokale in großen Städten schließen: um 20 Uhr.

Bei arte gibt es eine Sonderausgabe der Nachrichtensendung arte info (19.45 bis 20.40 Uhr), am späten Abend dann weitere Ergebnisse und Reaktionen, mit dem unvermeidlichen Daniel Cohn-Bendit (22.45 bis 23.15 Uhr).

Bei Phoenix gibt es eine lange Sondersendung (18.00 bis 22.00 Uhr) mit eingestreuten Porträts und Dokumentationen.

Für den Nachrichtenkanal France24 ist der Sonntag die erste große Bewährungsprobe. Die Dauerberichterstattung ist auch im Windows-Media-Livestream zu verfolgen. Sondersendungen stehen bei CNN und BBC World ebenfalls ab 20.00 Uhr auf dem Programm.

Im Netz gibt es (neben den üblichen Verdächtigen in Deutschland) viele Infos bei der Herald Tribune. Vielleicht reichen die Sprachkenntnisse ja, um auf den Seiten von Le Monde, Libération, Le Figaro oder France 2 wenigstens die aktuellen Zahlen zu finden.

(Und für die nächste Bundestagswahl möchte ich bitte so eine bunte Karte auch für die deutsche Blogosphäre haben. Was immer die genau tut und macht.)