Konvergenzprobleme

Über Stammeskulturen in den Medien.

Nils Heldal, Ex-Radiochef beim norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK, berät jetzt Adressa dabei, von einer Trondheimer Zeitung zu einem Medienkonzern mit Print, Radio, TV und Netz zu werden. Im Radiointerview spricht er über die verschiedenen Stammeskulturen:

Du hast zum Beispiel die Zeitungsjournalisten, die von den anderen, die mit Netz, Radio oder Fernsehen zu tun haben, als Dinosaurier angesehen werden, die eigentlich bald aussterben. Die anderen sehen auf die Netzjournalisten als Journalisten zweiter Klasse, die die Medienethik-Richtlinie nicht beherrschen. Radiojournalisten sind hässliche Menschen, die eigentlich ins Fernsehen wollen (Dich ausgenommen natürlich) — während Fernsehleute überzahlte Schauspieler und eigentlich gar keine Journalisten sind.

Außerdem sagt er, dass von der Arbeitsweise her nicht Radio und Fernsehen, sondern Radio und Netz sowie Fernsehen und Zeitung zusammengehören. Lauter spannende Dinge, alle im NRK-Medienmagazin Kurer mit Line Gevelt Andersen, meinem derzeitigen Lieblings-Podcast — der aber leider norwegischen Sprachkenntnisse voraussetzt.

Ein bisschen Rot

Kein Erdbeben auf Seite 1 der FAZ.

Wie kaum anders zu erwarten sind die meisten der angekündigten Änderungen auf der FAZ-Titelseite (vom Montag) so minimal, dass man genau hinschauen muss, um sie nicht zu übersehen.
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Die Terrakotta-FAZ

Leichter Relaunch in Frankfurt.

Terrakotta-F Und sie bewegt sich doch: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung macht am 28. November einen leichten Relaunch. Weil aber ein Teil der FAZ-Leser Veränderung nur in homöopathischen Dosen verträgt, sagt Mitherausgeber Werner D’Inka dem Fachblatt Horizont, es handele sich nicht um einen „Relaunch im klassischen Sinne“.

Unverändert bleiben der Titelkopf, Kommentar-Überschriften in Fraktur und die Abneigung gegen Fotos auf Seite 1 — bevor das passiert, müssen schon ein neuer Papst oder eine Wiedervereinigung her. Neu sind laut Horizont unter anderem „eine leicht erhöhte Grundschrift, etwas vergrößerte und verschlankte Überschriften, eine Zurücknahme der Spaltenlinien“. Zudem soll „das rote FAZ.NET-Logo auf der Titelseite“ prangen. Das ist allerdings bislang blau-schwarz — ob im Netz auch ein Relaunch ansteht? Überhaupt soll „das leicht ins Terrakotta spielende Rot“ als Auszeichnungsfarbe zum Einsatz kommen. Ein rot hinterlegtes Textfenster auf der Titelseite soll etwa die „journalistischen Perlen“ im Blatt hervorheben.

(Als Service für kritische FAZ-Leserbriefschreiber ein erinnernder Hinweis: Das zweite Pferd der vier apokalyptischen Reiter war ebenfalls rot. Somit ist dieser Relaunch diese neumodische Umgestaltung ganz klar ein Omen für den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang.)

Nachtrag: Nein, anders als einige schreiben ist Farbe auf der Titelseite keine Neuerung bei der FAZ. Die gab es auch schon vorher — morgen wird beispielsweise mit einem roten Streifen auf die Literaturbeilage hingewiesen.

Papier weiterleiten

Die Forward-Funktion beim Handelsblatt.

Eine sehr schöne Idee zur Verbindung von Internet und Print hat das Handelsblatt bei seinem Teil-Relaunch gehabt: Zeitungsartikel per Mail weiterleiten. Bei allen größeren Artikeln im gedruckten Blatt steht ein Kasten, der erklärt, wie es geht: Um den Artikel über die WTO auf Seite 1 an empfaenger@example.com weiterzuleiten, einfach eine Mail an forward@handelsblatt.com schicken mit der Betreffzeile wto 1 empfaenger@example.com. Das Stichwort steht in besagtem Kasten.

(Die Idee gefällt mir sogar so gut, dass es mich fast nicht stört, dass ich bei vier Versuchen bislang noch keinen einzigen Artikel bekommen habe — aber eben nur fast. Nachtrag: Es hat ein paar Stunden gedauert, bis ich eine der Mails bekommen habe.)

Klotz Bild-Zeitung

Kartellamtschef Böge über Springers Übernahmepläne.

Bild unter der Lupe Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, hat in der FTD deutlich gemacht, dass die Wettbewerbshüter bei der Springer-Übernahme von ProSiebenSat1 vor allem die Bild-Zeitung im Auge haben. Zuvor hatte die FTD berichtet, Springer wäre wohl bereits, sich vom Druckkonzern Prinovis zu trennen, den der Verlag gemeinsam mit Bertelsmann hält. Damit reagierte Springer auf die erheblichen Bedenken des Kartellamts.

„Die Bild-Zeitung könnte durch entsprechende werbliche Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit erhalten, etwa durch Hinweise im Fernsehen darauf, was in Bild steht“, so Böge nun zur FTD. „Das würde eine sehr weit reichende Absicherung der Bild-Zeitung im Lesermarkt bedeuten – mit der Folge, dass dort noch weniger Wettbewerb herrscht.“

(Zur Erinnerung: Eine komplette Übernahme hätte erhebliche Konsequenzen für die Medienwelt.)

Nachtrag: Mehr dazu im Bildblog.