Hydrantenmode

Hinweisschilder auf Esprit-Hosen.

Während Wortfeld-Leser schon seit 2003 mit Hydrantenshirts ihre Umwelt beeindrucken oder verwirren, ist mit der Weltfirma Esprit (Esprit-Allee 1, 40882 Ratingen) nun auch der Mainstream aufgewacht. Zum Beweis: die Gesäßtasche des Modells Beat Pant, Farbe „staubige Walnuss“.

Esprit-Hose mit Hydrantenschild-Tasche

(Sollte sich später herausstellen, dass Kim Jong Il zufällig heute in Deutschland war, habe ich ihn übrigens an der Esprit-Rolltreppe gesehen.)

Iranisch flaggen

Neue, alte und ganz neue Nationalflaggen.

Aus irgendeinem Grund nimmt die Zahl der an Autos befestigen Fahnen derzeit massiv zu. In Hamburg, wo Demonstrationen von Exil-Iranern Alltag sind, folgen allerdings wenige der Flagge von 1980 mit dem Allah-Symbol und den 22 Allahu-Akbar-Schriftzügen (linkes Bild). Stattdessen ist ab und an die alte persische Flagge mit Löwe und Sonne zu sehen (mittleres Bild).

Was aber, wenn man sich mit seiner Fahne weder für das Schah-Regime noch das Mullah-Regime entscheiden will? „Grünweißrot allein aber wird permanent mit Italien, Ungarn oder Mexiko verwechselt“, beklagt der deutsch-iranische Grünen-Politiker Omid Nouripour. Oder noch schlimmer: Nordrhein-Westfalen. Der Ausweg besteht für viele darin, einfach noch einmal in fetten schwarzen Buchstaben „Iran“ draufzuschreiben.

Iranische Flaggen (seit 1980, vor 1980, mit Iran-Schriftzug)

(Mehr Flaggenkunde übrigens im Bildblog.)

Titelbewölkung

Unterschiedliche Akzente bei Spiegel und Focus.

Fiktive Focus- und Spiegel-Titel
Fiktive Titelbilder zweier montäglicher Nachrichtenmagazine, wie ich sie bei der aktuellen Themenlage erwartet hätte. (Zum Vergleich: Die Realität der Woche sieht anders aus.)

Roter Kristall beschlossen

70 Prozent Zustimmung für neues Symbol.

Nicht im erhofften Konsens, aber mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit haben die Unterzeichnerstaaten der Genfer Konventionen nun der erwähnten Roten Kristall als Zeichen neben Rotem Kreuz und Rotem Halbmond beschlossen. Laut swissinfo stimmten 98 Staaten zu, 27 dagegen — darunter vor allem arabische Staaten, aber auch Iran, China, Nordkorea und Kuba. 10 Staaten enthielten sich der Stimme.

Der Rote Kristall

Neues Symbol neben Kreuz und Halbmond?

Roter Kristall mit Pfeil auf die Innenfläche Symbolik ist Politik. Wer das nicht glaubt, mag die 76-seitige Abhandlung „Towards a comprehensive solution to the question of the emblem“, dritte überarbeitete Fassung, lesen. In den Genfer Konventionen wurden drei Symbole anerkannt, um medizinisches Personal, deren Gebäude und Ausrüstung in Kriegszeiten zu kennzeichen: rotes Kreuz, roter Halbmond und roter Löwe und Sonne. Das dritte Symbol wurde von Persien, später Iran benutzt, bis Chomeini es 1980 durch den roten Halbmond ersetzte. In Israel gibt es die 1930 gegründete Organisation Roter Davidstern (Magen David Adom), dessen Symbol die arabischen Staaten allerdings ablehnen.

Die Suche nach einem Kompromiss dauert bereits Jahrzehnte. Nun soll das Dritte Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen (Entwurf) das Problem lösen — mit einem roten Kristall. Der Kristall soll völkerrechtlich den selben Schutz genießen und bieten wie Kreuz und Halbmond. Damit ist das Symbol eine Alternative zu den beiden Symbolen mit christlicher und muslimischer Konnotation. Darüber hinaus können Regierungen jedoch die Fläche innerhalb des Kristalls mit einem eigenen Symbol versehen (etwa dem Davidstern) und dieses auch außerhalb ihres Territoriums einsetzen — allerdings nicht als völkerrechtliches Schutzsymbol.

Mehr: Red Cross – Symbols of the Movement (Wikipedia)

Nachtrag: Auch am Mittwoch laufen die Verhandlungen noch.