Poster des Jahres

Der Taxi-Haltestellenplan für Hamburg.

Der Schnellbahn-Streckennetzplan des Hamburger Verkehrsverbunds ist in dieser Stadt ein bekannter Anblick:

Hamburger Schnellbahnplan

Heute habe ich erstmals dieses Poster gesehen:

Taxi-Schnellbahnplan

Was aussieht wie das Werk eines wahnsinnig gewordenen Verkehrsverbund-Grafikers, ist bei genauerem Hinsehen das fiktive „Streckennetz Öffentlicher Individualverkehr“ mit Hunderten von Straßennamen — und damit Werbung für die genossenschaftliche Taxizentrale Das Taxi.

Taxi-Schnellbahnplan (Detail)

Ganz großartig! Erinnert an die vielen Adaptionen des Meisterwerks, Harry Becks Londoner U-Bahn-Plan: Simon Pattersons The Great Bear (mit Humphrey Bogart statt Mornington Crescent und Pythagoras statt Paddington), die Musikgenre-Karte des Guardian (mit Blondie statt St. James’s Park) oder die Anagramm-Karte.

Nachtrag: Die Agentur, die dahintersteckt, ist Nordpol+.

Einmal wie immer

Der Second-Life-Backlash.

Mario Sixtus bringt auf den Punkt, warum sich Medien- und Marketingmenschen so voller Hingabe auf Second Life stürzen: „Endlich kann man auch im Internet so weitermachen, wie in der guten alten Zeit vor dem Internet. (…) Zu guter Letzt ist [bei Second Life] das Leben im Netz auch für jene zu begreifen, die das Netz selbst nie begriffen haben.“ Sehr lesenswert.

Dazu kommt, dass etwa ein TV-Beitrag über Social Bookmarking ordentlich Fantasie bei der Bebilderung erfordert und der Reiz von Wikis, last.fm oder RSS-Feeds sich nicht recht aus einem Screenshot erschließt. Ein Mensch sitzt an einer Tastatur und tippt: So sieht Bloggen von außen aus, so sieht Chatten von außen aus, so sieht das Bearbeiten einer Steuererklärung von außen aus. Ein fliegender Avatar ziert dagegen jedes Bewegtbild, und die beliebte Erlebnisreportage „Mein erster Tag in Second Life“ setzt keinerlei Vorwissen voraus, von der richtigen Schreibweise des Wortes life abgesehen.

Torsten Kleinz erinnert zu Recht daran, dass Second Life minus Second-Life-Medienhype immer noch spannend sein kann, als Massive Multiplayer Online Role-Playing Game mit extrem viel Freiheit, komplexer Technik und interessanter sozialer Dynamik zwischen Bewohnern und Schöpfern des Spiels. Wenn es genügend Einwohner gibt, die das wie Torsten sehen, hat Second Life die Chance, den Ein- und anschließenden Ausmarsch der Marketingtruppen zu überleben. Aber die Zeit, die diese Beobachtung kostet, investiere ich lieber in den Teil des Internets, der über weniger häufig abstürzende Software wie Webbrowser zugänglich ist.

Das Spiel ist aus

Anrufquiz-Sender ITV Play eingestellt.

Der britische Privatsender ITV hat sich entschieden, seinen Quizkanal ITV Play im Digitalfernsehen aufzugeben, meldet der Guardian (Registrierung erforderlich). Allerdings soll es weiterhin ITV-Play-Inhalte – von den Moderatorentypen, Ton- und Bildeffekten wie deutsches Quiz-Fernsehen – auf den beiden großen Kanälen ITV1 und ITV2 geben. Prophetische Gaben bewies damit die BBC-Satiresendung Dead Ringers, die allerdings ein noch dramatischeres Ende vorhergesehen hatte.

Im Zuge des britischen Quiz-TV-Skandals hatten Prüfer im Auftrag von ITV untersucht, ob der Sender die Vorschriften der beiden Regulierer Icstis und Ofcom einhält. Dass ITV den Quizkanal trotz positiv verlaufener Prüfung aufgibt, könnte damit zusammenhängen, dass laut Guardian der Digitalkanal allein nicht profitabel war, sondern nur die Programme auf den großen Kanälen. Im vergangenen Jahr lag der ITV-Play-Umsatz bei fast 80 Millionen Euro. Falls die britischen Regeln für solche Anrufquizze und Anrufspiele in Zukunft strenger würden, könnte das allerdings auch zur Wachstumsbremse werden.

Und in Deutschland? Nach der Lektüre von Stefan Niggemeiers Zusammenstellung Die deutschen Anrufsender und das Gesetz bleibt zumindest die eine oder andere Frage offen.

Nachtrag: Die BBC hat sich bei Erwachsenen und Kindern dafür entschuldigt, in der fast 50 Jahre alten Kindersendung „Blue Peter“ einen falschen Gewinner bei einer Anrufaktion präsentiert zu haben. Als aus technischen Gründen kein Gewinner gezogen werden konnte, habe jemand „in Panik“ ein zufällig im Studio anwesendes Mädchen gebeten, die richtige Antwort zu nennen.

Erster!

Vanity Fair: Erst Second Life, dann online.

Der Wahnsinn, findet auch Daniel Große: Vanity Fair, das (vielleicht doch nicht so erfolgreiche) neue Magazin für Deutschland, ist als Leseprobe „an zwei virtuellen Kiosken und an einer Reihe hoch frequentierter Plätze“ in Second Life erhältlich.

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Quelle: Vanity Fair – Condé Nast Verlag

Das Leben im virtuellen Einkaufszentrum „Catwalk City“ wird nie wieder so sein wie vor dem Auftauchen des schwarzen Büdchens: „Als erstes Magazin der realen Welt wagt Vanity Fair den Schritt in das Parallel-Universum im Netz.“ Ob man das Blatt auch mitnehmen kann in die Future Lounge, die Popular Science Magazine im November eröffnet hat? Oder in den Humo Park eines belgischen Magazins?

(Derweil sind es nur noch 22 Tage, 12 Stunden, 12 Minuten und 6 Sekunden, bis das Magazin im Internet startet.)

Graue Noppen

Ein paar Links zum ZDF-Relaunch.

ZDF-Noppen Das ZDF erklärt die Änderungen (mit Bilderserie):
Mehr Übersicht, mehr Service

Achim Schaffrinna vom Design Tagebuch ist ziemlich begeistert:
ZDF.de sendet im neuen Design

DWDL freut sich über die verbesserte Suche:
Das neue ZDF.de im kurzen DWDL-Check

Georg Döller hat mitgerelauncht:
Geschafft – in allen Belangen

Medienpirat Peer Schader hat ein Testbild entdeckt:
Wie ich das ZDF pleite streame

(Die ZDF Mediathek soll auch noch in diesem Jahr einen Relaunch bekommen.)