Nicht ganz richtig

Systematische Fehlerkorrekturen fehlen vielen Medien leider.

Wenn die Nachrichtenagenturen merken, dass sie ihre Kunden — also die Medien — mit fehlerhaften Meldungen beliefert haben, machen sie das relativ transparent. KORREKTUR schreit die Überschrift zumeist, und in Klammern stehen unter der Meldung die mitunter schmerzhaften Details:

(Berichtigt wurde die Überschrift. Es handelt sich um das erste Quartal; nicht das zweite.)
(Berichtigung: Im ersten Satz, erster Absatz, wurde berichtigt: Ende Juli (statt: Ende Juni))
(Berichtigt wurde im ersten Satz des zweiten Absatzes der Unternehmensname. IBM rpt. IBM wurden von Morgan Stanley herauf gestuft.)

Bei den Kunden sieht das zum Teil anders aus: In einigen US-Zeitungen haben Korrekturen ihren festen Platz, in Deutschland sucht man Berichtigungen oft vergebens. Christoph Keese, der nach längerer Zeit an der Spitze der FTD nun zur Welt am Sonntag gewechselt ist, hat sich dazu im Mai auf dem Jahrestreffen des Netzwerks Recherche geäußert: Beim Start habe auch die FTD eine solche Fehlerkolumne gehabt, diese habe jedoch den Eindruck erweckt, die FTD mache überproportional viel falsch. So bleibt es bei den meisten deutschen Medien bei sporadischen, unsystematischen Fehlerkorrekturen.

Links zum Thema:
New York Times Corrections
EUobserver.com Corrections & clarifications
CNNmoney Corrections
Reuters Corrections Archives
OJR: BBC plant Korrekturseite (05.07.2004)
Berliner Zeitung: Berichten und berichtigen (29.11.2000)

The Time of Our Singing

Ein Roman von Richard Powers.

Richard Powers: Time of Our Singing Wen Don DeLillos Underworld begeistert hat, der sollte sich Richard PowersThe Time of Our Singing anschauen. Wie bei Underworld ist es kaum möglich, die Handlungsstränge in wenigen Sätzen zusammenzufassen — das Buch hat immerhin mehr als 600 Seiten. Zentrale, wiederkehrende Themen lassen sich schon eher benennen: Das Rätsel der Zeit (Powers ist studierter Physiker), Musik verschiedenster Epochen, Familienbande und Hautfarbe.

Es ist aber alles andere als ein abstrakt-konstruierter Roman: Detailliert, humorvoll und mit einer zauberhaften Sprache erzählt Powers vor allem von den Brüder Joseph und Jonah Strom, die in den 40er-Jahren in New York aufwachsen. Joseph — streckenweise der Ich-Erzähler — begleitet Jonah ein Stück auf dessem Weg zum klassischen Sänger. Mit schwarzer Mutter und aus Deutschland emigriertem Vater drängt sich die Frage, auf welche Seite sie gehören, immer mehr in ihr Leben. Ruth, die kleine Schwester der beiden, trifft ihre Wahl und geht in den Untergrund.

Das erste Kapitel ist online bei der Washington Post zu finden. Auszüge aus der deutschen Übersetzung Der Klang der Zeit sind in einer ausführlichen Deutschlandfunk-Rezension zu finden, die aber viel von der Handlung vorwegnimmt.

Alles war besser

Axel Springer und Spiegel kehren zur alten Rechtschreibung zurück.

Das Sommerloch zum Ausschneiden Die alten Mainzelmännchen müssen zurück? Die D-Mark auch? Dann muss natürlich auch die neue Rechtschreibung über Bord: „Die geschichtliche Erfahrung über Jahrhunderte zeigt, daß Sprache sich evolutionär weiterentwickelt. Die Rechtschreibung sollte diese Änderungen nachvollziehen und nicht vorschreiben“, verlangt Stefan Aust. Und fordert dann die Rückkehr zur Schreibweise, die 1902 durch staatlichen Beschluss festgelegt worden ist. Das sei ja die „klassische“. Ich rechne stündlich mit einer Sonderausgabe der FAZ, die sich ausschließlich mit dem Thema befasst.

Siehe auch: Ohne mich! und Alles alt macht das Sommerloch.

Tags darauf: Ausläufer des Sommerlochs über Frankfurt gesichtet. Zwölf Berichte, Leitartikel, Kurzmeldungen und Interviews zähle ich in der heutigen Ausgabe der FAZ. Statt „klassische“ heißt die alte Orthografie dort übrigens ganz unparteiisch „bewährte Rechtschreibung“.

Was RSS-Feeds bringen

Die New York Times bekommt monatlich 1 bis 1,5 Millionen Pageviews.

Catherine Levene, vice president of business development and strategy at NYTD told me via e-mail that RSS feeds bring in between 1 million and 1.5 million page views per month for the site.

Aus einem Artikel der Online Journalism Review (via digme).

Einen RSS-Feed in einem bestehenden Angebot einzurichten, zu testen, zu erklären und fortzuführen, kostet ein wenig Mühe, Arbeitszeit und Geld. Da hilft es Befürwortern in Unternehmen und Organisationen, nicht nur auf bestehende Beispiele zu verweisen, sondern auch auf deren Erfolge. Es geht hier nicht mehr nur um Geeks und Freaks.

Ein teurer Freisteller

Die FR will keine abhängige Zeitung sein.

FR-Panne
Der Deutschland-Ausgabe der ohnehin gebeutelten „Frankfurter Rundschau“ sind heute zwei Buchstaben abhanden gekommen. Die Auslieferung wäre sicherlich nicht gestoppt worden, wenn es nicht gerade das „Un“ in „Unabhängige Tageszeitung“ gewesen wäre. Spiegel Online spekuliert sogleich über einen „politisch motivierten Sabotageakt“ gegen die Übernahme der Zeitung durch die SPD-Medienholding ddvg. Die FR erläutert detailliert, dass der Titelkopf-Schriftzug im Redaktionssystem versehentlich in eine untere Ebene geraten sei und ein Woody-Allen-Freisteller den Text verdrängt habe. Alles ein technisches Versehen. Soweit ist das plausibel, aber die FR-Grafik zeigt, dass das „Un-“ (1) — getrennt von der „abhängigen Tageszeitung“ (2) — horizontal auf einer Linie mit dem obersten Artikel in der ersten Spalte (3) zu stehen scheint. Wäre das „Un-“ im Satzspiegel gewesen, hätte es doch eigentlich gedruckt werden müssen?