Ein 999-prozentiges Ja

Kleine Berichtigung einer Agenturmeldung.

Fehler machen wir alle andauernd, aber Agenturjournalisten müssen ihre Kunden — andere Journalisten — auch noch möglichst schnell auf die Fehler in Meldungen hinweisen, die diese womöglich sonst gar nicht gelesen hätten. Und die Kunden freuen sich dann über Berichtigungen wie diese zu einer Meldung über das irakische Verfassungsreferendum:

In [Meldungscode] muss der zweite Satz des dritten Absatzes richtig heißen: „Angesichts der unerwartet hohen Zustimmungsraten – in einigen Provinzen bis zu 98 Prozent – waren Vorwürfe von Wahlbetrug laut geworden.“ (nicht: 999 Prozent).

Wir haben Internet

Online-Petitionen im Deutschen Bundestag.

Der Bundestag vermeldet stolz, dass Petitionen nun auch über das Internet möglich sind. Das dort publizierte Foto zeigt allerdings eine Tastaturstellung, die dem Petenten vermutlich keinen Erfolg beschwert: L-Taste gedrückt halten und dabei F12 und Druck-Taste gleichzeitig drücken.

Menetekelschwäne

Das thematisch passende Logo der EU-Präsidentschaft.

Eine fabelhafte Wahl haben die Briten mit dem Logo ihrer EU-Ratspräsidentschaft 2005 getroffen: Bei all diesen offiziellen europäischen Statements zur befürchteten Vogelgrippe-Pandemie/-Hysterie sind im Hintergrund stets Schwäne in V-Formation auf dem Zug zu sehen.

Hauptsache Kurt

Die SZ schwankt zwischen Cobain und Tucholsky.

„‚Irgendwas stimmt nicht mit dem Typen‘, soll William Burroughs gesagt haben, nachdem ihn Kurt Cobain 1993 in Lawrence, Kansas, besucht hatte.“

Das, liebe Süddeutsche Zeitung, ist für die Rezension von Kurt Tucholskys Q-Tagebüchern ein origineller Auftakt. Aber irgendwie bekommt ihr bestimmt noch die Kurve von Cobain zu Tucholsky. Mal sehen: „Nevermind“, Courtney Love, ein falsch geschriebener Jerry Garcia, Jean-Claude van Damme — Artikelende. Immerhin ging es um Kurts Tagebücher.

Kurt Tucholsky bei SZ-Mediathek.de

WSIS noch immer kompromisslos

Keine Einigung bei der dritten Vorbereitungskonferenz.

Es ist irrsinnig schwierig, den Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) aus der Ferne zu verstehen, aber auch aus der Nähe scheint es nicht einfacher zu sein. Zum letzten Stand der Dinge nach der dritten Vorbereitungskonferenz empfehle ich die Website der Heinrich-Böll-Stiftung, insbesondere Debate Over Internet Governance Gets to the Core (29.09.) und PrepCom closes in Disarray (30.9.).

Spannend ist auch, wie sich ICANN-Kenner Bret Fausett in seinem Blog und Podcast einen Reim auf WSIS zu machen versucht. Er zeigt jedenfalls deutlich die Perspektive der US-Regierung auf: „The United Nations will not be in charge of the Internet. Period.“ (Und da bin auch ich eher auf Seiten der USA als auf der Irans, Brasiliens und Indiens.)