Christoph von Marschall beginnt seinen Artikel im Tagesspiegel mit Worten, die hoffnungsfroh stimmen:
Die erste Version lag daneben: Die „Washington Post“ habe nach knapp zwei Monaten das Experiment beendet, ihre Leser auf zeitungseigenen Web-Seiten die gedruckten Artikel in so genannten Blogs kommentieren zu lassen: wegen zu vielen Regelverstößen und Beschimpfungen – so konnte man es vor wenigen Tagen unter anderem in Spiegel-online lesen.
Dass diese Version ziemlich daneben lag, war bereits bei Wortfeld zu lesen. Doch dann schreibt der Tagesspiegel-Autor, dass es „in Wahrheit“ offenbar um den „organisierten Angriff von Parteigängern der Demokraten auf die Ombudsfrau der ‚Post‘, Deborah Howell“ gehe. Dabei hatte Spiegel Online korrekterweise auf den Auslöser des Vorfalls hingewiesen, nämlich „eine Flut von derbsten Beschimpfungen gegen eine Kolumnistin des Blattes“ — auch wenn nicht die Einzelheiten vermeldet wurden. (Howell ist Ombudsfrau mit Kolumne, beides ist also richtig.)
Und schließlich wiederholt von Marschall die falsche Darstellung bei Spiegel Online: „Daraufhin schloss die ‚Washington Post‘ diesen Blog.“ In dem Artikel fliegen die Begriffe fröhlich durcheinander: Mal steht „Blog“ für einen Kommentar, mal steht „Blog“ für einen Blogeintrag, mal für ein Weblog; an anderer Stelle heißen Weblogs „Blog-Foren“. Konsequent durchgehalten ist nur der falsche männliche Artikel vor dem Wort „Blog“. Aber wenn ich jetzt noch schreibe, dass Weblogs nicht „prinzipiell kontrollfrei“ sind und das betreffende Post-Weblog gar keines „für die online-Kommentierung der gedruckten Meinungsseite“ war, dann werde ich ja schon wieder zum Spießer 2.0.