Wiki P., Nachtrag

Über den Anlass des Streits.

Fast jeder hat mittlerweile fast alles über den Fall Tron gesagt. Bislang entgangen war zumindest mir die Behauptung, dass der Autor eines schauderlich klingenden Hacker-Verschwörungs-Romans auf dem vollen Namen von Boris F. als Namen für eine fiktionale Figur mit der Begründung beharre, der Name F.s stehe auch in der Wikipedia. Das soll der konkrete Anlass für die (verweigerte) Bitte der Eltern an die Wikipedia gewesen sein, den Nachnamen abzukürzen, sagt CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn laut ORF futurezone.

Die Folgen des Streits sind wahrlich nicht schön: Die Eltern stehen mehr im Rampenlicht als je zuvor, Wikimedia Deutschland darf wikipedia.de vorerst nicht mehr als Weiterleitung zur deutschen Wikipedia verwenden und der Roman bekommt unverdiente Publicity. Aber zumindest dürfen wir alle – die Wikipedianer ausdrücklich eingeschlossen – noch einmal darüber nachdenken, ob es weise ist, solche Konflikte juristisch zu lösen.

Nachtrag: Weiterleitungsverbot aufgehoben.

4 Kommentare

  • Ich sehe keinen Grund, warum non-fiktionale Berichte als Rechtfertigung gelten sollen, wilde Räuberpistolen über real existente Personen zu veröffentlichen. Darf man Hannelore Kohl als nymphomanische und strunzdoofe Comic-Figur darstellen, nur weil sie Person der Zeitgeschichte war? Die Mephisto-Entscheidung verbot ja auch keine non-fiktionalen Berichte über Gustav Gründgens.

    Dazu kommt: Buch und Hörspiel dürften einige Zeit vor dem Wikipedia-Artikel entstanden sein. Dass diese offensichtlich nachgeschobene Begründung als Anlass für einen Rechtsstreit gegen Dritte benutzt wird, halte ich nicht nur für einen taktischen, sondern auch für einen juristischen Fehler. Wenn Wikipedia weggeklagt wird, haben die Verlagsjuristen sicherlich noch genug anderes Material, um die kostenlose Publicity in die Länge zu ziehen.

    Was können die Eltern jetzt eigentlich noch gewinnen, außer einem Blatt Papier, auf denen ihr Sieg verkündet wird, obwohl doch das extreme Gegenteil eingetreten ist? Und: war das nicht von Beginn an klar?

  • Aus unbeteiligter Perspektive erschließt sich mir immer noch nicht, warum die Wikipedia nicht bis zur Klärung auf die Nennung des Nachnamens verzichtet hat. Dass das extreme Gegenteil vom Wunsch der Eltern eingetreten ist, liegt leider daran, dass eine der beteiligten Seiten an die Medien gegangen ist.

    Zum Buch: Nein, der Autor hat bestimmt nicht beim Schreiben in die Wikipedia geguckt, ob da auch der ganze Nachname steht. Ich nehme an, er hat den ganzen Nachnamen geschrieben und beim Streitfall gesagt: Aber schaut doch her, in der Wikipedia steht auch der volle Name. Genau wie die Wikipedia jetzt sagt: Aber schaut doch, in einem acht Jahre alten Computerwoche-Artikel steht auch der volle Name. Race to the bottom.

  • Die interne Perspektive kann ich vielleicht etwas nachliefern:

    Wikipedia ist Troll-Hochburg. Da gehen fast täglich Mails und Schreiben ein, die mit allerlei Ansprüchen um sich werfen, die meist – sagen wir es freundlich – wenig fundiert sind. Hinz und Kunz meint die Wikipedia alleine durch die Drohung mit Anwälten manipulieren zu können.

    Und auch die Namenskürzung wurde zu allererst von Trollen thematisiert, die ganz gezielt diesen einen Artikel immer wieder manipulieren wollten, indem sie Tron zum Über-Genie stilisierten.

    Die Ansprüche der Eltern wurden nach meinen Infos auch nicht einfach per Mail eingereicht und zur Prüfung übergeben, es gab eine ganze Reihe von nicht nachvollziehbaren Argumentationen, vergeblichen Rückfragen, versprochenen und nicht gelieferten Schriftstücken. Nach meinen Informationen ist die EV in Florida immer noch nicht eingegangen. Ob sie überhaupt auf den Weg gebracht wurde, ist unbekannt. Wenn jetzt Vorwürfe kommen, die Wikipedia würde sich nicht an Gerichtsentscheidungen halten, ist das wenig fundiert.

    Hätte man von Anfang an klar tatsächlich im Interesse der Eltern gehandelt und keinen Schaukampf abgeliefert, hätte der Artikel vielleicht lautlos gelöscht werden können. IMHO ist Tron an der unteren Relevanzschwelle anzusiedeln.

  • Update der ekelhaften Art:

    //www.presseportal.de/story.htx?nr=775967&ressort=5

    Es fällt schwer, das zu kommentieren, ohne zu justiziablen Begriffen zu greifen.