Medienkonjunkturen

Der Tod einer Polizistin in Bradford.

Nicht immer kann man verstehen, warum in einem anderen Land ein bestimmtes Ereignis zum alles dominierenden Thema in den Medien wird. Das war vor kurzem in den US-Medien beim Fall Natalee Holloway so, einem auf Aruba verschwundenen Highschool-Teenager. Wegen der intensiven Berichterstattung wurde mehr als einen Monat nach ihrem Verschwinden mit drei niederländischen F16-Kampfjets nach ihr gesucht. (Kritiker sprachen vom Missing white woman syndrome.)

In Großbritannien sorgt zurzeit der Tod von police constable (Pc) Sharon Beshenivsky für Dauer-Schlagzeilen, auch bei der von mir sonst geschätzten BBC. Gestern lautete der BBC-News-Aufmacher zeitweise „Husband pays tribute to slain Pc“, dazu eine sehr grenzwertige Slideshow „In pictures: Bradford shooting“. Heute „Shot Pc’s father at murder scene“, dann „Pc shooting suspects held longer“. Der frühere Chef der Londoner Polizei fordert nun die Todesstrafe für Leute, die Polizisten umbringen. Woraufhin sich die Regierung dazu äußert (nein, keine Todesstrafe) und BBC News analysiert, ob das denn zu einer niedrigen Mordrate beitrüge.