Neu in der Linksammlung:

Stadtkarten im 80er-Jahre-Computerspiel-Look.
Dank Open Street Map.

DasErste.de: 30 Jahre Videotext
Schönes Special mit Videos und Bildern.

"Live blogging is the first draft of journalism"
Guardian-Wahlblogger Andrew Sparrow zieht Bilanz

Fabian Mohr: Video vs. Audio-Slideshow
Gute Gründe dafür, auf Video zu setzen.

Wenn Protest nichts kostet
"A mob fighting a good cause is still a mob."

A people's history of the internet
Schöne Zeitsenke beim Guardian.

Poststreik-Mapping mit Leserhilfe
Der Guardian schaut, wie schnell Royal Mail arbeitet.

Ohne Relevanzkriterien keine Wikipedia
Gute Gründe gegen Einträge zu jedem.

Auswege für den US-Lokaljournalismus
Studie sieht Staat in der Pflicht.

The Song Decoders at Pandora
Rob Walker über den Musik-Entdeckungsdienst.

Testbild

26. April 2009

Schlagwörter:

Ärgerliches

Die Netzsperren-Show.

Schon die Bezeichnung Stasi 2.0 mochte ich nie: Wer das Thema Vorratsdatenspeicherung noch nicht kannte, verstand es dadurch nicht besser; wer den Vergleich zwischen DDR damals und Bundesrepublik heute für überzogen hielt, war für das Anliegen gleich verloren.

Noch schlechter ist allerdings Zensursula. Es klingt nicht nur ausgesprochen dämlich, sondern enthält auch das überstrapazierte Wort »Zensur«. Wenn mal ein Kommentar nicht freigeschaltet wird, wenn der eigene Leserbrief nicht gedruckt wird, wenn ein Provider einem Kunden kündigt und die Domain im Transit-Status landet — sofort wird »Zensur!« geschrien. Selbst wenn es diesmal zur Abwechslung sogar korrekt wäre: Wäre ich Ursula von der Leyen, würde ich mich über die Steilvorlage freuen — jemand hat also etwas dagegen, dass Bilder von Kindesmissbrauch zensiert werden? Wer wäre da nicht auf der Seite der Zensoren?

Ich möchte nicht, dass der Zugang zu Webservern mit kinderpornografischen Inhalten gesperrt wird — ich möchte, dass die Server selbst geschlossen werden und die Anbieter strafrechtlich verfolgt werden. Nach allem, was seriöse Medien aus seriösen Quellen berichten, spielen Webserver zwar kaum eine Rolle beim Handel mit diesem Material, aber wo es sie gibt, müssen diese Inhalte selbstverständlich auch aus dem Web verschwinden.

Ich ärgere mich darüber, dass Ursula von der Leyen so tut, als würde ihr Plan den Zugang zu solchen Inhalten sperren. Ich ärgere mich darüber, dass sie so tut, als würde sie einen Markt austrocknen.

Ich ärgere mich sehr darüber, dass Ursula von der Leyen verkündet, die Sperre (»die DNS-Sperre, das ist was Technisches«) könne nur von 20 Prozent der Internetnutzer umgangen werden, und dabei en passant alle technisch versierten Internetnutzer in einen Topf mit Kinderpornografie-Suchern wirft.

Selbst wer solche Netzsperren grundsätzlich befürwortet, sollte sich fragen, ob geheime BKA-Sperrlisten, die niemand überprüfen darf, eines Rechtsstaats würdig sind.

In jedem Fall muss einem klar sein, dass einmal eingerichtete Netzsperren Begehrlichkeiten wecken. Wenn es den Mechanismus schon gibt: Was ist mit illegalem Filesharing von Songs und Filmen oder mit illegalen Glücksspielangeboten? Was ist mit illegaler Produktpiraterie, was mit Rezepturen für explosive Stoffe? Natürlich können auch diese Sperren wieder umgangen werden — am Ende droht damit aber die Kriminalisierung des Umgehens und der Anleitungen zum Umgehen und der Links auf diese Anleitungen.

All das für eine billige Wahlkampf-Show. Das ärgert mich maßlos.

Nachtrag: Elektronische Bundestags-Petition gegen Netzsperren.

Artikel zu eventuell ähnlichen Themen:

  • Hinter Censordyne | Ein australischer Spot gegen Netzfilter.
  • Neuland | Interview und Video zum Protest gegen Netzsperren.
  • Die Liste | Hat mein Abgeordneter für Netzsperren gestimmt?


3 Kommentare

Torsten
27. April 2009, 6:32

Bei Zahlen geht es weiter. Die eine Seite spricht von Milliardenumsätzen die andere Seite negiert das gesamte Kinderporno-Geschäft.

Recherche und Argumente erscheinen oft sinnlos: geglaubt wird, was man eh schon denkt.


Waldweg
27. April 2009, 8:21

Ich schließe mich zu 100% dem Posting an.
Alle genannten Argumente spiegeln meine Meinung wieder.
…und ich lese sie nicht zum ersten mal.
Und dabei kommt mir eine Frage immer wieder in den Sinn:
Was bringt’s?
Es gibt so viele Menschen, die gegen die Sperre sind. Selbst die großen Medien zweifeln. Aber es verhallt ungehört. Also, was außer Aufklärung bringt es uns, ständig die Argumente zu wiederholen? Nicht nur der begründete Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit kommt mir da in den Sinn. Was hat das noch mit Herrschaft des Volkes (=Demokratie) zu tun, wenn ein so großer Teil schlüssige Gegenargumente und bessere Vorschläge hat, diese aber weder gehört, noch berücksichtigt werden?

»Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.« – H. Heine, Nachtgedanken (1843)


Hubert
28. Juli 2009, 14:22

Was nütz einem eine Netzsperre, wenn die Ursachen der Kinderpornografie nicht beseitigt werden. Die werden schon neue Wege finden, wenn alte verbaut werden.


3 Trackbacks

Kommentar schreiben