Feldgeister

RFID sichtbar gemacht.


Video: Immaterials: the ghost in the field.

Wie können Designer mit einer unsichtbaren Technologie arbeiten? Schlecht. Daher haben Timo Arnall, Einar Sneve Martinussen und Jack Schulze sich Sonden gebastelt und mit langzeitbelichteten Fotos das Lesbarkeits-Areal zwischen RFID-Transponder und Lesegerät sichtbar gemacht. Mehr auf den Blogs der Beteiligten: Das Touch Project gehört zur Osloer Architektur- und Designhochschule, BERG ist eine Londoner Designberatung.

Entdeckt habe ich den Film über Adam Greenfields Blog Speedbird. In einem Essay über den Film schreibt Greenfield darüber, welchen Einfluss Design (und Feldstärke) auf den Einsatz solcher Systeme haben: In Hongkong müssen U-Bahn-Fahrgäste ihr Ticket nicht aus der Handtasche nehmen, sondern bloß die Tasche in die Nähe des Lesegeräts bringen; auf den Tokioter Linien der JR East geht das nicht, weil die Geräte aus Sorge vor Langzeitfolgen der elektromagnetischen Felder gedrosselt wurden. Was die richtige Entscheidung ist? Greenfield: „Unless you understand a little bit about what RFID is and how it works, you have no way of assessing how a system built on the technology is designed, and whether you wish to accept or reject the propositions embedded in it.“

Dass Timo Arnall und Jack Schulze Vergnügen an RFID haben, zeigt übrigens der folgende Film noch etwas besser:


Video: Nearness.

(Wem dieses Sichtbarmachen des Unsichtbaren gefällt, der wird Semiconductors fünfminütiges Magnetic Movie sehr mögen. Nichts für Magnetophobiker.)

No Futura

Großes Echo auf Ikeas Wechsel zu Verdana.

Hach, wie schön, in einer Welt zu leben, in der ein Wechsel der Schrift im Verkaufskatalog eines schwedischen Mitnahmemöbel-Fabrikanten auf dieses Echo stößt: IKEA says goodbye to Futura (idsgn), Ikea-Katalog 2010: Verdana ersetzt Futura (Fontblog), Aufruhr im Buchstabenland (sueddeutsche.de), Style critics hit latest Ikea design: catalog type (AP), Verdana: Ikea’s flat-pack font (Guardian), The Font War: Ikea Fans Fume over Verdana (Time Magazine), Typography Fans Say Ikea Should Stick to Furniture (New York Times), mehr als 5.600 Online-Petenten.

Alles übrigens ein Spätausläufer der Desktop-Publishing-Revolution: Viel mehr Leute als je zuvor setzen Schriften ein, kennen Schriftnamen, erkennen, lieben und hassen Schriften.

Neuzeit

Relaunch bei Zeit Online.

zeit-z
Den Zeit-OnlineRelaunch beobachten, zum Beispiel über Flickr-Fotos (Nico), über den offiziellen Twitter-Account und unzählige an- und abwesende Twitteraner. Gutes Gelingen, lieber Speersort!

(Transparenz-Hinweis: In meiner Vorfreude auf den Relaunch bin ich wegen Mitarbeit in der frühen Phase befangen.)

Nachtrag: So! Bin gespannt, ob die Nutzer — nach dem ersten Umorientierungsschrecken — vom neuen Design ähnlich angetan sind wie ich.


Fotos (CC) by-nc-sa codecandies – Slideshow: flickrSLiDR.

Die grüne Halle

Das neue heute-Studio.

18:48 | Wie vermutlich jeder Deutsche habe ich mittlerweile drei der DIN-A4-Heftchen erhalten, in denen das ZDF sein neues Nachrichtenstudio in eine Reihe mit der Erfindung des Buchdrucks und des Internets stellt. Alles unterhalb eines einschwebenden Planeten, der anschließend im Studio explodiert, wäre somit eine Enttäuschung. Aber halt: Es soll ja auch kein Zuschauer glauben, in Mainz würden tatsächlich Planeten ins neue Studio gehievt.
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Tagesthemen interaktiv

Ein Testballon von ARD aktuell.

Die TV-Kollegen aus Hamburg-Lokstedt haben sich überlegt, wie eine Tagesthemen-Ausgabe um Hintergründe und Infografiken erweitert werden kann.
Normale Qualitäthöhere Qualität

Chefredakteur Kai Gniffke erläutert die Hintergründe bei blog.tagesschau.de. Es handelt sich explizit um einen Dummy — es geht also mehr um die Idee und Gestaltung als um die praktische Umsetzung in Flash und die Inhalte.

Ein paar Screenshots:

Es gibt zwar natürlich schon einige Versuche, Interaktivität ins Fernsehen zu bringen — in Großbritannien zum Beispiel der Red Button (Flash-Demo bei der BBC) oder hierzulande das ARD Digitalportal auf Basis von MHP. In Großbritannien wurde der rote Knopf auf der Fernbedienung konsequent beworben, zudem funktioniert er für alle Digital-TV-Zuschauer — Antenne, Satellit, Kabel, Breitband. Mit den Buchstaben MHP können dagegen in Deutschland höchstens ein paar Spezialisten etwas anfangen. Aber die Generation, die jetzt mit dem Breitband-Internet aufwächst, versteht unter Interaktivität ohnehin mehr als ein paar besser lesbare Teletext-Seiten. Sehr erfreulich also, dass ARD aktuell mit einem Dummy mal ausprobiert, wohin die Reise gehen könnte.

Feedback ist explizit gewünscht!

(Transparenzhinweis: Der NDR zählt zu meinen Arbeitgebern, dies ist mein privates Weblog.)