21073 Hamburg

Die Adresse Motassadeqs in den Medien.

Im ersten Moment ein wenig ungewöhnlich, dass Spiegel Online die Adresse von Mounir al Motassadeq einschließlich Straße und sogar Hausnummer aufschreibt. Üblicher unter Journalisten ist ja, solche Adressen nicht zu nennen und dem Leser stattdessen über unnütze Details wie Baumbewuchs, Bodenbelag oder nahe Tankstellen zu signalisieren, dass der Autor sie selbstverständlich kennt.

Allerdings steht diese Adresse ja bereits in einer Pressemitteilung des UN-Sicherheitsrats und in amtlichen Publikationen Argentiniens, Belgiens, der Cayman Islands, der EU, Hongkongs, Japans, der Isle of Man, Kanadas, Liechtensteins, Macaos, Maltas, Monacos, Neuseelands, der Niederlande, Portugals, der Schweiz, Singapurs, der Slowakei, Tschechiens, der Ukraine, Ungarns und Zyperns, unter anderem.

Da kommt es vielleicht nicht mehr so drauf an.

Sonntagsbären

Erbittertes Ringen um Hamburger Zeitungsleser.

Die beiden neuesten Waffen im Kampf um den sonntäglichen Leser in Hamburg:

Abendblatt-Goldbären und kostenloses Probeexemplar der Bild am Sonntag

Das Abendblatt setzt auf Gutscheine, um ihr Sonntagsblatt zu verschenken — außerdem neuerdings auch auf Haribo-Gummibärchen. Die Morgenpost setzt auf Gutscheine im Blatt, zum Beispiel für Burger-King-Burger. Und bisweilen tauchen nun auch kostenlose Probeexemplare der Bild am Sonntag auf.

Inhalte vom Himmel

Wortfetzen vom Mainzer Mediendisput.

Die Zitate aus einer ausführlichen Rede, die es in eine Agenturmeldung schaffen, sind oftmals nicht unbedingt die repräsentativsten, sondern die knackigsten. Diesen Funken Hoffnung bewahre ich mir, wenn ich lese, was der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg auf dem 11. Mainzer Mediendisput gesagt haben soll. (Der Mediendisput wird von der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, der dortigen Landesmedienanstalt und der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet. Medienpartner sind SWR und ZDF, es mischen aber auch einige führende Leute vom Netzwerk Recherche mit.)

Laut dpa sagte Weischenberg, dass viele neue Medienangebote im Netz zu Unrecht als Gratisleistungen gälten. „Man tut, als wenn die Inhalte vom Himmel fallen würden.“ Tatsächlich, so Weischenberg, sei ein großer Teil des Webangebots nichts anderes als ein „Recycling auf der Basis von geistigem Diebstahl“. In dem Stil geht es weiter — von der potenziellen Übernahme der Wikipedia durch Google (?!) bis zum misslungenen Vergleich des Web 2.0 mit einem „interaktiven U-Boot“ (?!). Ich befürchte, dass er dafür viel Applaus bekommen hat.

Viel erfrischender ist das, was der designierte ARD-Vorsitzende Fritz Raff erzählt hat. Die ARD habe vielleicht „durch Behäbigkeit und Verkrustung“ jüngere, kreative Mitarbeiter abgeschreckt. Die Digitalisierung biete auch die Chance, wieder „Leute ausprobieren und machen zu lassen“. Und dann die kleine Drohung, dass die ARD auf der Höhe der Zeit bleiben müsse. Andernfalls werde „das öffentlich-rechtliche System in zehn Jahren marginalisiert“.

Disclaimer: Mein Arbeitgeber ist eine ARD-Anstalt, mithin ist meine Arroganz genetisch verankert.