Die drei !!!

Kommentarfilter und Community-Management.

Kommentare mit drei Ausrufezeichen oder mehr einfach wegwerfen — in der Bloggerpraxis bewährt und von Terry Pratchett implizit empfohlen. Eine ausgefeiltere Lösung, die selbst die tadelnde Riesenmaschinenmaschine in den Schatten stellen soll, kommt jetzt aus Albuquerque: eine Software, die nicht umstürzlerische, terroristische oder schlicht-kriminelle Umtriebe automatisch erkennen soll, sondern einfach nur dumme. Daher der Name StupidFilter.

Dazu muss das arme Programm jede Menge dummer Kommentare lesen, die Menschen als dumm brandgemarkt haben, weil sie vor LOLs, Smileys und Fehlern strotzen. Aus den FAQ: „Isn’t filtering stupidity elitist? Yes. Yes, it is. That’s sort of the whole point.“ Bislang kann die Software, wenn sie gefüttert wird, nur zwischen 0 (wahrscheinlich dumm) und 1 (wahrscheinlich nicht dumm) entscheiden, später sollen Graustufen dazu kommen: „wohl ein bisschen dümmlich“, „geht gerade noch so“. Das Programm StupidFilter selbst ist freie Software, das entstandene Datenmodell, also der Filter, ist für nicht kommerzielle Zwecke frei nutzbar.

All dies gefunden via Meg Pickards Blogeintrag über die heilige Dreifaltigkeit des Community-Managements: Organisatorische, technische und redaktionelle Ansätze müssen unbedingt zusammenkommen. Mehr Moderatoren oder bessere Filter sind für sich allein keine Lösung, und Onlinemedien müssen unbedingt gründlich über das Zusammenspiel zwischen Nutzerinhalten und anderen Inhalten nachdenken. (Im Hauptberuf ist Meg Pickard die Community-Chefin des Guardian.)

Obamaps

Die Macht über die Wahlkreisgrenzen.

Wahlsiege, bei denen sich die politische Landkarte zu den eigenen Gunsten färbt, sind einfacher, wenn man die Karte und ihre Wahlkreisgrenzen vorher selbst zeichnen darf — keine neue Erkenntnis. Sehr anschaulich wird das im Redistricting Game der University of South California: Spieler dürfen die Grenzen so lange verschieben, bis das Ergebnis passt. Das Zitat am Anfang — „As a mapmaker, I can have more of an impact on an election than a campaign, than a candidate“ — stammt von David Winston, einst Redistricting-Spezialist für das Republican National Committee.

Bundesstaats-Wahlkreis in Chicago 1991 und 2001
Bundesstaats-Wahlkreis in Chicago 1991 und 2001

Was das mit Barack Obama zu tun hat? Der Washington-Korresponent des New Yorkers, Ryan Lizza, hat in aller Ausführlichkeit über Obamas politischen Start in Chicago geschrieben, also ausgerechnet in der Stadt der Political Machine schlechthin. Lizza erzählt keine schockierende Enthüllungsgeschichte, aber er zeichnet das Porträt eines Obama, der sehr zielstrebig arbeitet — eben nach den Spielregeln für Politiker. Dazu zählt auch die Szene, in der er als Bundesstaatssenator an der politischen Landkarte von Illinois arbeitet: „On the screens that spring day were detailed maps of Chicago, and Obama and a Democratic consultant named John Corrigan sat in front of a terminal to draw Obama a new district.“

Seine Hochburg, Hyde Park, blieb, aber sein Wahlkreis wuchs nach Norden, in die reicheren, weißeren Gegenden Chicagos, und wurde damit zu einem besseren Sprungbrett für ihn. Dabei haben die Illinois-Demokraten nur das gemacht, was zehn Jahre zuvor die Illinois-Republikaner  gemacht haben: „Incumbents drawing their own maps will inevitably try to advantage themselves“, schrieb Obama selbst.

Klammer zu

Endlich wieder richtig online.

(An dieser Stelle bitte einen fünfneunseitigen Leidensbericht über wochenlange Netzwerk-Verbindungsabbrüche denken, in dem unter anderem fünf acht Callcenter-Mitarbeiter und drei vier Techniker mitspielen, ein falsches Ersatzgerät an die falsche Adresse geschickt wird und dann das Ersatzgerät für das falsche Ersatzgerät an die falsche Adresse geschickt wird, dazu natürlich unvollständig. Und dann das Ersatzgerät für das falsche Ersatzgerät für das falsche Ersatzgerät an die falsche Adresse geschickt wird. Aber das will ja keiner lesen. Der eine Techniker sah übrigens aus wie Harald Martenstein.)

Kein Wunschkonzert

Sueddeutsche.de sucht das BBC-Archiv.

Bei sueddeutsche.de ist Marita Stocker auf die Suche nach dem „riesigen, kostenfreien Archiv an Fernseh- und Radiosendungen“ der BBC im Netz gegangen. Und beschreibt also eine Suche nach etwas, was es so gar nicht gibt. Gefunden hat sie zuerst Treasure Hunt — das ist kein Archiv, sondern eine längst abgeschlossene Initiative, mit der die BBC-Archivare an Sendungen kommen wollten, die im Archiv fehlen. (Die Autorin: „Kann das möglich sein? Das mit Eigenlob dekorierte Archiv verwaist und für die BBC nicht weiter von Interesse?“)

Zweiter Stopp ist die Seite des BBC Archive, und die Autorin entdeckt, dass das vorhandene Video-Material größtenteils außerhalb Großbritannien nicht abgespielt werden darf. Sehr bedauerlich, in der Tat, aber auch nicht völlig überraschend für eine Rundfunkanstalt, die vom britischen Gebührenzahler finanziert wurde und wird.

So schließt die Autorin mit einem Hinweis auf arte+7, wo „alle ausgestrahlten Sendungen der vergangenen sieben Tage“ zu finden seien. Das stimmt zwar nicht ganz, weil längst nicht alle Sendungen dort landen, ist aber trotzdem kein schlechter Linktipp. Aber jetzt wird die Autorin doch mit Sicherheit auch den BBC iPlayer erwähnen, der den Briten genau das für BBC-Sendungen liefert? Leider nicht.

(Da passt es ja ganz gut, dass turi2 als „Background“ einen Guardian-Artikel verlinkt, in dem es um etwas völlig anderes geht, nämlich um permanente Informationsseiten zu jeder Sendung.)