Überall akzeptiert

Nützliche Einkaufstipps von 1989.

Sie sollten sich beim Einkauf in jedem Fall genügend Zeit nehmen, um mit den Warenangeboten und den Preisen vertraut zu werden. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. Bücher) gibt es in der Bundesrepublik Deutschland keine Preisbindung. Das heißt, die gleiche Ware kann in unterschiedlichen Geschäften teurer oder auch billiger sein. Vergleichen Sie also nach Möglichkeit die Preise. Oft sind die Warenangebote in den Außenbezirken größerer Städte preisgünstiger als in den Zentren. Besonders dort, wo es im weiteren Umkreis keine Konkurrenz gibt (Flughäfen, Bahnhöfe ect.), sind die Preise in der Regel höher. Zögern Sie auch nicht, ein Geschäft wieder zu verlassen, ohne etwas gekauft zu haben, weil Ihnen der Preis zu hoch erscheint. Solches Käuferverhalten gehört zur Marktwirtschaft und wird darum überall akzeptiert.

Aus der Broschüre „Willkommen bei uns! Informationen für Besucher aus der DDR“, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Dezember 1989.

Reportermut

TV-Film über chinesische Blog-Journalisten.

Unbequem und unbestechlich heißt der Film von ARD-Auslandskorrespondent Jochen Graebert über Blog-Journalisten in China, der am Montag um 21.00 Uhr im Ersten läuft. Eine sehenswerte Kostprobe daraus gab es am Mittwoch im NDR-Medienmagazin Zapp: Graebert begleitet den Web-Reporter Xu Xiang bei dessen Recherchen über Missstände in der Provinz Shandong (Video und Manuskript).

Ein Artikel von 2007 zeigt, dass Xu und einige andere Kollegen ein ungewöhnliches Geschäftsmodell haben: Betroffene bezahlen sie für den investigativen Einsatz — Muckrakers for Hire nennt das die Washington Post. Wer den Film über Xu gesehen hat, wird sich allerdings davor hüten, das zu belächeln.

Nachtrag: Der Graebert-Film bekommt eine begeisterte Rezension von Michael Hanfeld in der FAZ vom Montag: „sensationell“ und „hammerhart“.

(Transparenzhinweis wie immer: Zu meinen Arbeitgebern zählt der NDR.)

I am root

USA wollen Domainnamen-Kontrolle behalten.

Wenn die Rootzone-Datei des Domainnamensystems geändert wird, verschwinden zwar keine Länder von der Karte, aber gegebenenfalls Länderendungen wie .de oder .me aus dem Domainnamensystem — mit gravierenden Folgen. Derzeit gilt: Keine Änderung dieser Datei ohne Genehmigung des US-Handelsministeriums. Und das gilt nach dem Willen des Ministeriums wohl auch in Zukunft: „[T]he Department (…) has no plans to transition management of the authoritative root zone file to ICANN as suggested in the PSC documents“, schrieb die zuständige Behörde am Mittwoch an die Internetverwaltung ICANN. Mit „PSC documents“ sind eine Reihe von Plänen einer ICANN-Arbeitsgruppe gemeint, mit denen das institutionelle Vertrauen in die Internetverwaltung gestärkt werden soll. Die Frist für öffentliches Feedback dazu läuft an diesem Donnerstag ab.

Gefunden bei Bret Fausett, einem der Veteranen der ICANN-Beobachtung. Er freut sich sichtlich, dass das Ministerium Klartext redet: „Here at Lextext Central, we’ve known this forever, and people close to the ICANN process have known it too.“

(Dass diese erst einmal dramatisch erscheinende Rolle der Root-Herrscher eine gezähmte Macht ist, war übrigens vor längerer Zeit einmal Thema bei Wortfeld.)

Quittung

Strafe für Zuschauerbetrug bei BBC-Quizzen.

Nach der Millionenstrafe für ITV hat jetzt auch die BBC die Quittung für den britischen Anrufquiz-Skandal bekommen. Wenn Mitarbeiter der Produktionsfirma als Mitspieler oder Gewinner auftreten, Zuschauer sich an längst aufgezeichneten Sendungen beteiligen sollen oder fiktive Gewinnernamen verlesen werden, dann summiert sich das zu einer Geldbuße von 500.000 Pfund, also etwa 630.000 Euro, zahlbar an den Obersten Zahlmeister Ihrer Majestät. Der Kommunikations-Regulierer Ofcom hat bei der Strafhöhe berücksichtigt, dass niemand mit den Täuschungen in insgesamt acht Sendungen einen Gewinn erzielte und dass die Strafe aus Gebührenzahler-Geldern beglichen wird.