Viva-Rotation käuflich?

Universal Music soll einen Teil der Viva-Rotation reserviert haben.

Morgen deckt der Spiegel ein unmoralisches Angebot auf: Der Musikkanal Viva soll einen Teil seiner begehrten Rotationsplätze für Universal Music reserviert haben. Dabei soll Viva von der Plattenfirma garantierte 18.000 Euro für jedes der 50 Videos und eine Gewinnbeteiligung von etwas mehr als 20 Cent pro verkaufter Platte bekommen haben. Das DMC Weblog hat einige Infos zum Sender zusammengestellt.

WSIS: Es geht los

Der Weltgipfel der Informationsgesellschaft beginnt am Mittwoch.

Am Mittwoch beginnt in Genf der Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS). Über die Schlusserklärung wird derzeit immer noch verhandelt, berichtet Monika Ermert bei Heise Online. Die Washington Post weist in ihrem Vorabartikel auf die Debatte um die Internetverwaltung ICANN hin. Schaut man sich den letzten öffentlichen Stand der Non-Papers an, werden die vorgeschlagenen Formulierungen immer weicher.

Statement of Principles (Auszüge):
44. … The international management of the Internet should be multilateral, transparent and democratic, with the full involvement of governments, the private sector, civil society and international organizations. (…)
45. The management of the Internet encompasses both technical and public policy issues:
a) the private sector has had and should continue to have an important role in the development of the Internet, both in the technical and economic fields;
b) policy authority for Internet-related domestic public policy issues is the sovereign right of States. (…)
46. States have rights and responsibilities for international Internet-related public policy issues. These issues should be coordinated through appropriate and relevant intergovernmental and international organizations. An intergovernmental reflection process should be initiated within the UN framework as part of WSIS.
Plan of Action (Auszüge):
14. … e) We agree to establish a WSIS working group on Internet governance, in an open and inclusive process involving relevant intergovernmental and international organizations and forums, the private sector and civil society to investigate and make proposals for action on the governance of Internet by 2005. The group should, inter alia:
i) develop a working definition of Internet governance;
ii) identify the public policy issues that are relevant to Internet governance;
iii) develop a common understanding for respective spheres of responsibility among governments, existing intergovernmental and international organisations and other forums, based on an analysis of their capacity to deal effectively with those management and legal responsibilities for Internet-related public policy issues;
iv) prepare a report on the results of this activity to be presented for consideration and appropriate action for the second phase of WSIS in Tunis in 2005.

Die Debatte um von ICANN oder ITU soll also vertagt und an eine Arbeitsgruppe delegiert werden. Abgesehen von Heise Online und Telepolis sind WSIS-Informationen in den nächsten Tagen bei worldsummit2003.org (Böll-Stiftung), prepcom.net/wsis (auch Zivilgesellschaft) und natürlich WSIS Documents zu erwarten.

Aller guten Dinge

Dreierlei von heute.

Erstens erklärt The Onion — seit langem die einzige Publikation, an deren Horoskop ich felsenfest glaube –, wie E-Mail-Newsletter funktionieren: „It’s like having an e-mail friend who won’t write back.“
Zweitens war der Truthahn in Bagdad nur Dekoration.
Drittens habe ich heute von jemandem in der U-Bahn gehört, wie man verschlossene Toilettentüren in Flugzeugen von außen öffnet. Aber das darf man im Zeitalter des Franchising ja nicht mehr bloggen.

Mediale Völkermordaufrufe

Das Ruanda-Tribunal hat drei Medienvertreter verurteilt.

Der Fall ICTR-99-52-T vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda ist entschieden: Das Tribunal in Arusha hat drei Medienvertreter wegen Völkermords, Anstiftung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Der Chefredakteur des Magazins Kangura und einer der Chefs von Radio Télévision Libre des Mille Collines (RTLM) wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, ein anderer RTLM-Leiter zu 35 Jahren Gefängnis. Die New York Times zieht in ihrem Bericht Parallelen zum Nürnberger Kriegsverbrechertribunal und dem „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher. Von den Medien geschürter Hass war nicht der einzige Grund für den Völkermord in Ruanda, aber ein wichtiger Faktor. Laut einer Studie der Medienorganisation Internews gehörte zum Erfolgsrezept des Senders Talk Radio nach westlichem Vorbild mit schlagfertigen Moderatoren und populärer Musik. 1994 starben 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu innerhalb von 100 Tagen.