Im Nachrichtenstrom

Der Herbst 1989 in einer Ein-Mann-Redaktion.

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Es war einmal eine Zeit, in der das Hamburger Stromnetz der Stadt gehörte, in der die Hamburgischen Electricitäts-Werke stolz auf ihre Geschichte waren und sich selbst ein kleines Museum mit kostenlosem Eintritt gebaut hatten, das Electrum. Und das stand zufällig in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin.

Noch ein Zufall: Im Herbst 1989 zog dort in einen fensterlosen, großen Raum im Erdgeschoss eine Sonderschau ein. Bestimmt waren die stromhistorischen Exponate für andere Menschen viel interessanter – der unvergessliche Klassiker war die auf Tastendruck tanzende Bratpfanne auf einem elektromagnetischen Feld. Aber dieser Raum da im Erdgeschoss des Electrum war so ziemlich das Paradies für mich als 12-Jährigen und hat bestimmt beeinflusst, was ich später im Leben gemacht habe.

In der einen Hälfte des Raums saß Tag für Tag ein älterer Amateurfunker mit einer Morsestation und diversen Sende- und Empfangsgeräten. Okay, nicht uninteressant, aber viel Morsecode ist bei mir nicht hängen geblieben. Viel spannender war auf der anderen Seite das, was die dpa aufgebaut hatte: An Computern mit Desktop-Publishing-Programmen arbeitete ein Redakteur, aus einer Art Foto-Fax quollen permanent Schwarzweißaufnahmen aus der dpa-Bildzentrale und jeden Tag entstand dort auf Laserdruckern eine neue Ausgabe des „Electrum Tages-Ticker“ – eine Zeitung auf einer Seite.

Vor 25 Jahren waren die Redaktionssysteme nicht die benutzerfreundlichsten, und von Gestaltung kann auch kaum die Rede sein. Aber das ist ja komplett egal, wenn man vor einem Rechner sitzt, der per Datenleitung die leibhaftigen dpa-Tickermeldungen bekommt und es plingt, wenn gerade eine Eilmeldung reinkommt. Wie gesagt: das Paradies!

Die glückliche Fügung dabei war, dass der Amateurfunker und der Redakteur ausgerechnet im Oktober 1989 ins Museum einzogen: Über einen Mangel an Eilmeldungen konnte sich keiner beklagen, und das Foto-Fax lieferte täglich historische Aufnahmen. Ich bin dann da einfach mit eingezogen. Fast jedenfalls, ich hab nahezu jeden Tag zugeschaut und irgendwann angefangen mitzumachen, Tickermeldungen für das Blatt umzuschreiben und selbst Texte zu verfassen.

Honeckers Rücktritt, die Massenproteste auf dem Alexanderplatz, der Fall der Berliner Mauer: Den Herbst 1989 hab ich natürlich wie die meisten anderen auch vor allem aus Fernsehen und Zeitungen mitbekommen. Aber eben auch ein wenig in einem Museum, in dem Bratpfannen auf elektromagnetischen Feldern tanzen, mit einem morsenden Amateurfunker nebenan. Good times.

Transparenzfeeds

Hamburger Dokumente abonnieren und verfolgen.

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Das bereits erwähnte Transparenzportal Hamburg bietet auf der Website nur einen einzigen RSS-Feed an, der kaum zu verfolgen ist, weil dort Unmengen von Dokumenten zu allen möglichen Themen landen. Das Portal beruht aber auf der Software CKAN, die ohnehin für jede Kategorie Feeds anbietet. Diese Feeds habe ich mittels IfThisThenThat zu Twitter umgeleitet.

Wer sich dafür interessiert, kann also per Feedreader oder per Twitter verfolgen, welche neuen Dokumente und Datensätze im Transparenzportal landen.


Bevölkerung
Feed | @TH_Bevoelkerung | Frequenz: sehr niedrig
Inhalte: z.B. Bevölkerungsentwicklung, Stadtteilprofile

Bildung & Wissenschaft
Feed | @TH_Bildung_Wiss | Frequenz: niedrig
Inhalte: z.B. Bildungspläne, Schülerzahlen, Dienstleistungsverträge mit Bildungseinrichtungen

Geografie, Geologie & Geodaten
Feed | @TH_Geodaten | Frequenz: niedrig
Inhalte: z.B. Digitale Karten, Luftbilder, Bodenflächenstatistiken

Gesetze & Justiz
Feed | @TH_Gesetze | Frequenz: niedrig
Inhalte: z.B. Dienstanweisungen, Allgemeinverfügungen, Geschäftsverteilungspläne

Gesundheit
Feed | @TH_Gesundheit | Frequenz: niedrig
Inhalte: z.B. Gesundheitsstatistiken, Gutachten

Infrastruktur, Bauen & Wohnen
Feed | @TH_Bauen_Wohnen | Frequenz: hoch
Inhalte: z.B. Bebauungspläne, städtebauliche Verträge, Wertgutachten, Umweltgutachten, Statistiken

Kultur, Sport & Tourismus
Feed | @TH_Kultur_Sport | Frequenz: niedrig
Inhalte: z.B. Verträge, Daten zu Kultureinrichtungen, Gutachten, Tourismusstatistiken

Öffentliche Verwaltung, Haushalt & Steuern
Feed | @TH_Verwaltung | Frequenz: hoch
Inhalte: z.B. Verträge, Dienstanweisungen und Verwaltungsvorschriften, Organigramme

Politik & Wahlen
Feed (mit Bezirksdrucksachen, Frequenz: sehr hoch) | @TH_Politik (ohne Bezirksdrucksachen, Frequenz: sehr niedrig)
Inhalte: hauptsächlich Drucksachen der Bezirke

Soziales
Feed| @TH_Soziales | Frequenz: sehr niedrig
Inhalte: z.B. Verträge, Statistiken

Transport & Verkehr
Feed | @TH_Verkehr | Frequenz: hoch
Inhalte: z.B. Verträge zu Verkehrsprojekten, Verkehrsstatistiken, Gutachten

Umwelt & Klima
Feed | @TH_Umwelt_Klima | Frequenz: mittel
Inhalte: z.B. Gutachten, Verträge zur Energieversorgung, Statistiken

Verbraucherschutz
Feed | @TH_Verbraucher | Frequenz: sehr niedrig
Inhalte: z.B. Statistiken, Anordnungen

Wirtschaft & Arbeit
Feed | @TH_Wirtschaft | Frequenz: mittel
Inhalte: hauptsächlich Statistiken zur Branchenentwicklung

Noch ein Tipp für Spezialisten: Auch (einfache) Suchen lassen sich als Feed abonnieren — in folgender Form:
http://suche.transparenz.hamburg.de/feeds/custom.atom?q=Suchbegriff&sort=publishing_date+desc%2Ctitle_sort+asc

Straßenlärm to go

Hamburger Geodienste in Google Earth nutzen.

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Ein kleiner Nachtrag zum Thema Transparenzportal Hamburg und Karten: So lassen sich die angebotenen Geodienste in Google Earth nutzen.

Als Beispiel nehme ich hier die Lärmkarte für Hamburg – so sieht das Endergebnis aus:

Lärmkarten-Overlay in Google Earth

Und so kommt man dahin: Eine Suche im Transparenzportal führt zum Datensatz Lärmkarten Hamburg. Dort geht es um den Link »Dienst WMS Straßenverkehr (Lärmkarten)«.

Dienste-Übersicht für die Lärmkarte

Die URL dieser Datei kopieren.

Die URL wird im Browser kopiert

In Google Earth schon mal in Richtung Hamburg begeben, ein neues Bild-Overlay hinzufügen und auf dem »Aktualisieren«-Reiter den Button »WMS-Parameter« anklicken.

Aktualisieren-Reiter des Bild-Overlays bei Google Earth

Oben bei der Liste der WMS-Server auf »Hinzufügen« klicken und jetzt die URL des WMS-Dienstes einfügen. Wichtig: die ganzen Parameter (also alles nach dem Fragezeichen) weglassen.

Die URL wird bei Google Earth eingefügt

Wenn alles klappt, sollten nun links die verfügbaren Ebenen erscheinen, von denen die gewünschten hinzugefügt werden können.

Ebenen der Karte werden ausgewählt

Gegebenenfalls die Transparenz des Bild-Overlays auf mittlere Deckkraft schieben, damit man vom Satellitenbild noch etwas sieht. Der Wert unter »Ansichtsgrenzenskalierung« gibt an, ob der ganze Google-Earth-Ausschnitt (Wert 1) oder nur ein Teil davon (Default-Wert 0.75) überdeckt werden soll.

Ein wichtiger Hinweis: Wer damit Karten-Mashups herstellen möchte, sollten sich die Nutzungsbedingungen (in der WMS-XML-Datei zu finden) durchlesen. Im Falle der Lärmkarte: kostenfrei für die nicht-kommerzielle Nutzung, kommerzielle Nutzung nur mit schriftlicher Zustimmung des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung Hamburg.

Transparenztour

Ein Besuch im neuen Hamburger Transparenzportal.

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Transparenzportal ist so ein Wort wie Kompetenzteam: Es erzeugt Fallhöhe, und ich sehe sofort einen deutschen Fernsehkabarettisten vor mir, der mich in einem Tonfall für Kleinkinder aufklärt, jaaaha, dass die wirklich wichtigen Dinge von denen da oben natürlich nie transparent gemacht werden, haha. Und schon fühle ich mich beflügelt, mal etwas zu loben: das Transparenzportal Hamburg.

Für Nicht-HamburgerInnen: Eine Volksinitiative von Mehr Demokratie, Transparency International und CCC Hamburg hat zu einem Transparenzgesetz geführt. Jetzt muss die Stadt Beschlüsse, Gutachten, Statistiken, Geodaten und vieles mehr veröffentlichen. Im Zentrum steht dabei ein Informationsregister im Internet – eben das besagte Transparenzportal, das am 1.10.2014 richtig an den Start gegangen ist.

Die neuesten veröffentlichen Inhalte gibt es übrigens auch als Feed. Derzeit sind die Behörden noch dabei, Hunderte Dokumente zu veröffentlichen. Wenn die Flut an Neuveröffentlichungen vorbei ist, kann man den Feed hoffentlich als JournalistIn prima nutzen.

Viele der Daten, die mich besonders interessieren, sind Geodaten. Ein typischer Suchtreffer sieht dann beispielsweise so aus:
Unterschiediche Dokumenttypen im Transparenzportal
Nicht abschrecken lassen, sondern auf den blauen KARTE-Button klicken, der zu Geo-Online Hamburg führt. (SpezialistInnen stürzen sich natürlich auf die Rohdaten, in diesem Fall strukturierte Textdaten im CSV-Format, Shapefile-Kartendaten und abfragbare Dienste: Web Features Service und Web Map Service.)

Ein paar Dinge, bei denen das Stöbern besonders Spaß macht, habe ich herausgesucht. (Ja, mir ist klar, dass einige dieser Daten schon vor dem Transparenzportal veröffentlicht wurden – aber gut zu finden sind sie erst jetzt.)

Straßenbaumkataster:
Der Baum gegenüber von meinem Fenster ist also eine 18 Jahre alte Stiel-Eiche (Quercus robur) mit einem Stammumfang von 54 cm und einem Kronendurchmesser von 5 Metern, und ja, natürlich hat die Eiche eine BAUM_ID. (Ja, deutsche Behörden sind gründlich.)

Denkmäler:
Was in Hamburg so alles unter Denkmalschutz steht: das U3-Viadukt am Hafen, der Fernsehturm, die vier Kandelaber der Adolphsbrücke und die Funkorgel von 1929 beim NDR in der Rothenbaumchaussee.

Bebauungspläne:
Der Klick auf die blau umrandeten Flächen führt zum Link zum Bebauungsplan, ein bisschen nach Art der Wundertüte: Manchmal sind es aktuelle, ausführlich begründete und am Computer erstellte Dokumente, manchmal sind es Scans von geplotteten Pläne – und manchmal kommen handgezeichnete Pläne aus den 1950ern zum Vorschein.
Handgezeichneter Bebauungsplan für Hamburg-Uhlenhorst
(Ein bisschen Detektivarbeit beim Interpretieren ist notwendig. Ich wohne z.B. in M4g, einem viergeschossigen Mischgebiet in geschlossener Bauweise.)

Luftbilder:
Hamburg lässt sich jährlich im Frühling und alle zwei Jahre im Sommer aus der Luft fotografieren. Diese digitalen Ortophotos vom Frühjahrsflug 2014 und vom Sommerflug 2013 gibt es ebenfalls bei Geo Online Hamburg. Im Transparenzportal gibt es sie in vier GB (Sommer) bzw. fünf GB (Winter) großen ZIP-Dateien, allerdings nur von 2013. Ich hab gleich mal nachgefragt, wo die Bilder von 2014 sind. Wer mit den Rohdaten hantiert, sollte aber wissen, dass die sich an Profis mit Geoinformationssystemen wenden. (Man sollte von World files, UTM-Raster und dergleichen gehört haben.) Nachtrag: Hier geht’s zum Download der Frühjahrsbefliegung 2014.

Die Elbphilharmonie aus der Luft

Karten:
Aus dem Liegenschaftskataster-System mit dem liebevoll gewählten Namen ALKIS entsteht die Digitale Karte im Maßstab 1:5000, die es ebenfalls bei Geo Online zum Nutzen und im Transparenzportal zum Herunterladen als 500-MB-ZIP-Datei gibt. Bestimmt nicht die schönste Karte, aber dafür hausnummerngenau und mit offiziellen Daten bis hin zum exakten Verlauf der U- und S-Bahn-Tunnel. Es gibt übrigens auch alle Hamburger Adressen mit Geokoordinaten aus dem Liegenschaftskataster zum Weiterverarbeiten. Und das sind längst noch nicht alle Kartenschätze dort.

Digitale Karte Hafencity

Mit das Beste am Transparenzgesetz ist §10, Absatz 3: „Die Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung der Informationen ist frei, sofern höherrangiges Recht oder spezialgesetzliche Regelungen nichts anderes bestimmen.“ Die Luftbilder, die Karten und Pläne, die hier zu sehen sind, stehen unter der Datenlizenz Deutschland – Namensnennung und wurden bereitgestellt vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung. Fertig!

Verträge und Gutachten:
Als Aufhänger, um über Transparenzportal zu berichten, nehmen viele Medien die Verträge zur Elbphilharmonie, auch wenn die ja schon seit längerer Zeit im Netz stehen. Veröffentlichen müssen die Behörden unter anderem „Verträge der Daseinsvorsorge“ (z.B. Wasser, Abwasser, Abfall, Energie, ÖPNV, Krankenversorgung), „Verträge, an deren Veröffentlichung ein öffentliches Interesse besteht“ (ja, hier wird es schwammig) und „Gutachten und Studien, soweit sie von Behörden in Auftrag gegeben wurden und in die Entscheidung der Behörde einfließen oder deren Vorbereitung dienen“. Ein paar Beispiele dafür, was sich so findet: der Konzessionsvertrag für einen Händler, der in Hamburgs Gefängnissen Waren verkauft, der IT-Vertrag für das Suchsystem des Transparenzportals, ein Leihvertrag zwischen Bund und Kulturbehörde über fünf Gemälde von Philipp Otto Runge, zwei Gutachten zur Frage, ob es sich bei bestimmten islamischen Verbänden um Religionsgemeinschaften handelt.

Natürlich fehlt da auch Etliches. Ein Beispiel: Müsste angesichts der Olympia-Bewerbung Hamburgs nicht ein bisschen mehr dazu zu finden sein als fast nichts? Und dennoch ist das einen Tag nach dem offiziellen Start schon mehr, als ich je erwartet hätte. Glückwunsch, Hamburg, gut gemacht.

London

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Blick auf die Londoner Skyline von Primrose Hill
Die Skyline, von Primrose Hill oberhalb des Regent’s Park aus gesehen.

Blick auf mehrere Londoner Hochhäuser am Abend
Der Ausblick aus 232 Metern Höhe von The Shard auf die Nachbarhochhäuser.

Farbige Lichtflächen in einer U-Bahn-Passage am Londoner Bahnhof King's Cross
Eine Passage zur Underground-Station King’s Cross.

Die Londoner Themse in der Abenddämmerung
Noch einmal der Blick von The Shard auf die Stadt und den Fluss.

Die farbigen Bildschirme am Piccadilly Circus spiegeln sich im nassen Asphalt
Wenn es geregnet hat, ist das Farbeninferno Piccadilly Circus deutlich fotogener.

(Noch mehr davon auf Flickr.)

Manual mode

How would Facebook News Feed settings work?

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In her post What does the Facebook experiment teach us?, danah boyd suggests that the controversial study itself is not the real reason behind all the outrage. Her explanation: People are deeply unhappy about the way Facebook and other companies operate with the vast amounts of data they collect, they feel out of control, e.g. when it comes to their Facebook newsfeed.

On the same topic, Martin Roell tweeted that it would be so nice if you could set up your newsfeed the way you want to.

Replacing the magic algorithmic sauce with user settings: Is that really an option? It got me thinking, and I took a stab at a rough mockup à la Facebook.


Click to enlarge

Navigating all those options already seems daunting, but keep in mind that the real Facebook algorithm most certainly takes many, many more signals into account. What does the repeat visitor get to see? Is there a difference between the desktop and the mobile experience? What am I shown if I haven’t been on Facebook for a month — the last two days worth of posts or the highlights of the month? Who is to blame if I set up my News Feed in a way that I miss important events in my Facebook friends’ life?

A real alternative to black box algorithms is probably always going to end up on the clunky side of things, and I’m not getting my hopes up about increased algorithm transparency.

Silberlinie

Welche Farbe hat die U5?

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Eine neue U-Bahn-Linie für Hamburg, die das Bermuda-Dreieck von Winterhude durchquert? Gern. Und damit gleich zur alles entscheidenden Frage nach der Linienfarbe. Wie wäre es mit dem Silbergrau der Londoner Jubilee Line für die U5?

Die Farben der U/S/A/R-Bahnlinien in Hamburg

 

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Lufthoheit

Ein Flugverbot gegen Kameradrohnen.

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Surrend schwebt die kleine Kameradrohne über Lærdal im Südwesten von Norwegen: Wackelige Schwenks in der Luft zeigen, wie ein Feuer reihenweise historische Holzhäuser in qualmende Brandruinen verwandelt hat. »Das Ausmaß der Katastrophe«, um einen typischen Journalistenausdruck zu nehmen, machen diese Drohnenbilder sehr deutlich. Aus Sorge um die eigenen Rettungshubschrauber hat die Polizei daraufhin ein Flugverbot verhängt. In den norwegischen Medien wird deshalb jetzt ein wenig über die fliegenden Beobachter debattiert.

Drohnenaufnahmen aus Lærdal

Das Boulevardblatt VG und der Privatsender TV2 haben die Drohnenaufnahmen nicht selbst gemacht, sondern von Privatpersonen gekauft. Die Bilder seien vor dem Flugverbot entstanden, sagen Vertreter beider Medien Journalisten.no. Sowohl TV2 als auch der öffentlich-rechtliche NRK haben zwar eigene Kameradrohnen, aber natürlich ist die Wahrscheinlichkeit immer höher, dass gerade jemand anders mit Fluggerät am Ort des Geschehens ist.

Selbstverständlich gibt es auch in Norwegen dafür Vorschriften — für Modellflugzeuge als Hobby, für unbemannte Fluggeräte zu kommerziellen Zwecken und zusätzlich für Luftaufnahmen. Wer seine Drohnenbilder an Medien verkauft, braucht rechtlich gesehen eigentlich zwei Lizenzen und eine Versicherung. Und praktisch gesehen können sich auch die Drohnen-Enthusiasten bei NRKbeta ausmalen, »was passiert, wenn ein Hubschrauber ein ferngesteuertes, fliegendes Zwei-Kilo-Dings in den Heckrotor bekommt oder ein Flugzeug mitten in die Frontscheibe«.

Passiert ist diesmal nichts: Das Flugverbot war eine Vorsichtsmaßnahme und die Drohnen haben die Rettungs- und Löscharbeiten nicht behindert. Also eigentlich eine gute Gelegenheit, in Ruhe über den Gebrauch von Kameradrohnen in solchen Fällen nachzudenken. Natürlich sind sie gekommen, um zu bleiben: Es geht nicht mehr ums Ob, sondern ums Wie.

Dass Medien, die eigene Drohnen betreiben, erfahrene und sicherheitsbewusste Menschen an die Fernbedienung lassen, sollte klar sein. Natürlich sollten auch keine Aufnahmen angekauft werden, bei denen Drohnen beispielsweise über die Köpfe von Menschen fliegen. Aber sobald Amateur-Luftaufnahmen eines spektakulären Ereignisses auf YouTube auftauchen, wird es MedienmacherInnen vermutlich schwer fallen, darauf zu verzichten.

Mehr zum Thema:

 

Abschiedstribüne

Die Herald Tribune wird zum Times-Ableger.

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Im März 2009 hat die Herald Tribune ihren eigenen Netzauftritt verloren und ist zu einem Nebenauftritt der New York Times geworden. (Das war damals hier Anlass für einen Blogeintrag.)

Heute, am 14.10.2013, ist es soweit: Die letzte Ausgabe mit dem alten Namen im Kopf erscheint. Auch auf Papier wird die Zeitung damit offiziell zum Ableger und heißt dann »International New York Times«. Jean Sebergs Herald-Tribune-Shirt aus Godards »Außer Atem« ist damit ab morgen so retro wie eine Pan-Am-Tasche.

Serge Schmemann hat die Aufgabe bekommen, den Leserinnen und Lesern den Namenswechsel zu versüßen: In seinem Artikel wirbt er damit, dass ja auch anderer Fortschritt schön sein, beispielsweise Fahrrad fahrende Frauen. Was fehlt, ist der Grund für den Namenswechsel. Den liefern zwei IHT-Journalisten in einem Interview mit Spiegel International: Die New York Times will die Marke New York Times global stärken. »The brand on the top? I think people will very quickly get over that.«

In einem Guardian-Interview mit der Times-Chefin Jill Abramson sind auch ein paar Zahlen zu den Digital-Abos zu lesen: Von den 700.000 NYTimes.com-Abos stammen 66 % aus den USA, auf Platz 2 und 3 liegen Kanada (5 %) und Großbritannien (4 %). Die Vision ist ein Newsroom, der niemals schläft — weil er während der New Yorker Nacht in Hong Kong und Paris weiterarbeitet, ähnlich wie der Londoner Guardian aus New York und Sydney. Die Marke Herald Tribune ist damit ein nostalgisches Hindernis für die Marke New York Times. Adieu!

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Die letzte Ausgabe der International Herald Tribune

Westeros wählt

Sieben Plakate aus dem Thronwahlkampf.

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Nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Westeros: Höchste Zeit, auf ein paar bemerkenswerte Plakat-Kampagnen der vergangenen Tage zurückzublicken.

Großflächenplakat mit Tywin Lannister und dem Text: Es geht um Ihre Sicherheit! Lannister wählen, sicher leben. Zweitstimme ist Thronstimme


1. Das bedrohlichste Plakat stammt – wie eigentlich immer – aus dem Hause Lannister. Fast klingt es so, als wäre die eigene Sicherheit bedroht, falls man die falsche Wahl trifft – ganz so ist es bestimmt nicht gemeint gewesen.

Zahlreiche Plakate mit der Aufschrift Robb Stark für Westeros, der Hinweis auf einer Bürgersprechstunde ist mit einem Entfällt-Hinweis überklebt


2. Die fleißigsten Plakatierer haben sich für die Stark-Kampagne stark gemacht. Zum Schluss gab es kaum eine Ausfallstraße in Westeros, die nicht mit Robb Starks Konterfei versehen war.

Wand mit einem aufgeklebten Bild von Daenerys Targaryen mit einem Drachen und einem Spray-Schriftzug Daenerys


3. Die kreativste Guerilla-Kampagne hat Team Daenerys auf die Beine gestellt. Mit etwas Glück könnte es dafür jede Menge Branchenpreise geben, mit etwas Pech etliche Anzeigen wegen Sachbeschädigung.

Stromkasten mit Greyjoy-Plakaten


4. Die langweiligsten Plakate haben die Agenturen von den Eisernen Inseln fabriziert. Wenn die Greyjoys aus Kostengründen auf Farbdruck verzichten, brauchen sie wenigstens zündende Ideen für den Claim – die fehlten diesmal leider wieder.

Beschmiertes Jon-Snow-Wahlplakat, auf dem ein Zettel klebt: Du weißt gar nichts, Jon Snow!


5. Am häufigsten zerstört wurden die Plakate eines Einzelbewerbers: Etwa ein Drittel aller Aufsteller, die Jon Snow an den Straßenrand stellen ließ, wurden beschmiert, zertrümmert oder schlicht geklaut. Einige von ihnen wurden mit kryptischen Botschaften versehen.

Wandplakatfläche mit dem Text: Diese Mauer ist nicht genug. Wählen gehen und die Nachtwache stärken


6. Das größte Plakat wirbt nicht für einen konkreten Bewerber – das darf die Nachtwache natürlich auch nicht. Aber mit dem hauswandgroßen Plakat wird deutlich, dass sich die Truppe im Norden von der Politik vernachlässigt fühlt und um die Aufmerksamkeit der Wählerinnen und Wähler in Westeros kämpft.

Abgerissenes Plakat, auf dem sich zahlreiche Hodor-Aufkleber befinden


7. Die frechste Kampagne ist mit Sicherheit dieser Versuch, Aufsteller anderer Kandidaten als Werbefläche zu missbrauchen – so geht’s natürlich nicht!