Neu in der Linksammlung:

Stadtkarten im 80er-Jahre-Computerspiel-Look.
Dank Open Street Map.

DasErste.de: 30 Jahre Videotext
Schönes Special mit Videos und Bildern.

"Live blogging is the first draft of journalism"
Guardian-Wahlblogger Andrew Sparrow zieht Bilanz

Fabian Mohr: Video vs. Audio-Slideshow
Gute Gründe dafür, auf Video zu setzen.

Wenn Protest nichts kostet
"A mob fighting a good cause is still a mob."

A people's history of the internet
Schöne Zeitsenke beim Guardian.

Poststreik-Mapping mit Leserhilfe
Der Guardian schaut, wie schnell Royal Mail arbeitet.

Ohne Relevanzkriterien keine Wikipedia
Gute Gründe gegen Einträge zu jedem.

Auswege für den US-Lokaljournalismus
Studie sieht Staat in der Pflicht.

The Song Decoders at Pandora
Rob Walker über den Musik-Entdeckungsdienst.

Testbild

Wolkig

Ein windiger Hamburger Abend.

Did I mention that I like clouds?


Kleiner Test

Britische Fernsehprominenz.

Welche Person ist am längsten auf britischen Fernsehbildschirmen zu sehen gewesen?

(Auflösung hier oder hier.)


Werkzeug Smartphone

Über Produzieren vs. Konsumieren.

Möglicherweise ist es ja nicht gleich ein globaler Trend, sondern erst einmal nur eine Beobachtung bei mir selbst, aber seitdem ich ein Smartphone benutze, hat sich bei mir die Relation von Produzieren zu Konsumieren drastisch verschlechtert.

Am Notebook ist der Weg vom Konsumieren zum Produzieren wunderbar kurz: zwischen Browserfenstern wechseln, auf einen Artikel antworten, einen anderen Beitrag mit Links ergänzen, überhaupt Links zu anderen Quellen finden und weiterverbreiten.

Am Smartphone ist schon Copy & Paste eine umständliche Prozedur und das Bloggen längerer Texte eine Qual. Auf Mobilversionen von Websites auf Links zur normalen Version eines Inhalts zu stoßen ist selten erfolgreich, bei Mobil-Apps ist es oftmals gar nicht vorgesehen. Aber natürlich liegt es nicht nur an den technischen Voraussetzungen, sondern auch an der Nutzungssituation. Die Zeit reicht, um mal eben in der U-Bahn eine großartige Reportage aus der New York Times zu lesen. Inspiriert davon selbst etwas zu schreiben dauert länger — und ist zudem eben viel mühsamer am Smartphone.

Es reicht für eine der beiden großen Senken Facebook oder Twitter. Facebook benutze ich noch, von Twitter habe ich mich nach fast zweieinhalb Jahren verabschiedet. Nicht nur, dass es natürlich Smartphone-Apps für beides gibt, auch Zeit und Aufwand sind Smartphone-optimiert: Eine Einschätzung, Empfehlung, Empörung in einem Satz und dann ein automatisch verkürzter Link. Belohnt wird die Mühe nicht durch einen Kommentar, sondern eventuell durch einen Retweet oder ein »Gefällt mir«, also vorproduzierte, Smartphone-optimierte Reaktionsmöglichkeiten.

Daumen runter Gefällt mir nicht.

(Dieser Blogpost ist an einem Notebook entstanden, ausgelöst von einem Artikel von Mercedes Bunz, die einen anderen Punkt betrachtet: Der Moment der Veröffentlichung wird bei der Kulturproduktion mittlerweile immer mitgedacht.)


In die Tribünen

Bobby Thomsons Shot Heard 'Round the World.

Ich war ein bisschen enttäuscht, als ich herausfand, dass das Baseballspiel, mit dem Don DeLillo auf 49 Seiten seinen Roman Underworld beginnen lässt, tatsächlich stattgefunden hat. Enttäuscht, dass ich diese Schilderung mit der Realität teilen muss: Wie die New York Giants 1951 das Entscheidungsspiel der National League gegen die Brooklyn Dodgers doch noch gewinnen. In DeLillos Erzählung spielen allerdings auch Frank Sinatra und J. Edgar Hoover eine Rolle, ebenso Pieter Bruegel der Ältere, sowjetische Atombombentests und natürlich Radioreporter Russ Hodges, der Herbert Zimmermann dieser Begegnung. Bobby Thomson, der den Baseball in die unteren Tribünen schlug und damit das legendäre Stadtderby für die Giants gewann, ist am Montag gestorben.


The Shot Heard ›Round the World mit dem Radiokommentar von Russ Hodges

(Nota bene: Es gehört schon einiges dazu, mich für ein Baseballspiel zu begeistern.)


Relationen

Die Kameraposition bei Street View.

2,90 Meter hohes Google-Street-View-Auto und 3,73 Meter hoher Reisebus im Vergleich

Eine kleine Auswahl zum Thema: Zeit Online, netzpolitik.org, e13, Sascha Lobo, Anatol Stefanowitsch.

Nachtrag: Sightwalk ist schon im Hamburger Stadtzentrum unterwegs gewesen – Hafencity, Binnenalster, Reeperbahn (natürlich bei Nacht) und mein Arbeitsplatz.


Demograf Zahl

Ein Spezialist für Demonstrations-Teilnehmerzahlen.

50.000 Demonstranten oder 10.000, 70.000 oder 20.000, drei Millionen oder 1,2 Millionen — zu jeder Massenkundgebung gehört das Rangeln um die Teilnehmerzahlen. Die Veranstalter scheinen oft einfach die Angaben der Polizei mit einem bestimmten Faktor zu multiplizieren, um auf ihre eigenen zu kommen; die Polizei wiederum beschäftigt auch keine professionellen Menschenmengenzähler in ihren Reihen.

Die spanische Firma Lynce, die auch als Exactcrowd auftritt, will das Zählen von großen Menschenmengen jetzt zu ihrem Geschäft machen. Sie nimmt dazu Luftaufnahmen, Videoaufzeichnungen, schickt Fotografen los und benutzt bei der Bildbearbeitung ein eigenes Plugin, um die Fotos auszuwerten und Menschen zu zählen. Ein französischsprachiges Video des Schweizer Fernsehens gibt (vor allem ab 0:52) einen guten Eindruck, wie das funktioniert:

Lynce arbeitet häufig im Auftrag der spanischen Nachrichtenagentur Efe — zuletzt bei der Demonstration in Barcelona für katalanische Autonomie. Die Polizei von Barcelona bezifferte die Teilnehmerzahl auf 1,1 Millionen, die Veranstalter sprachen von 1,5 Millionen. Die Lynce-Zählung: 56.000 Teilnehmer, plus/minus 15 Prozent. Aber auch diese Zahl lässt sich hinterfragen: Die Zeitung El Mundo, keine Fürsprecherin katalanischer Autonomie, hält 75.000 für das absolute Minimum.


WM-Planer 2010*

*für Fußballuninteressierte.

Den Arbeitsplatz mit einem dekorativen Spielplan der Fußball-Weltmeisterschaft schmücken, aber nicht das geringste Interesse an Fußball haben? Kein Problem.

Wortfeld WM-Planer für Menschen, die sich gar nicht für Fußball interessieren
PDF-Download zum Ausdrucken im A3-Format

(Aufhängen in Großraumbüros auf eigene Gefahr.)


Freezemob

Schöner Stillstand gegenüber.

Ein paar Sekunden hat es schon gedauert, erst dann war klar: Die Gruppe von 20, 30 Leuten auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht nicht bloß relativ ruhig herum, sie ist mitten in der Bewegung eingefroren. Vielleicht hat es etwas mit Kampnagel zu tun, dem Kulturzentrum ebenfalls auf der anderen Straßenseite, vielleicht auch nicht. Natürlich sieht das mit noch mehr eingefrorenen Leuten an einem Ort mit vielen nicht eingefrorenen Leuten spektakulärer aus, aber dafür war das gerade eben nicht Video, sondern real — nur für mich und ein paar Dutzend Autofahrer.


Leser als Mitglied

Guardian und Observer starten Extra.

Sechs Tage pro Woche den Guardian, sonntags den Observer, so ein Abonnement kostet in Großbritannien etwa 300 Pfund. Jetzt bieten die beiden Blätter etwas an, was sich für eine Zeitung ungewöhnlich anhört: Mitgliedschaft. Extra, das Mitgliedsprogramm von Guardian und Observer, hat wenig mit taz-Genossenschaft gemein. Auch wenn sich die taz mit Prämien bedankt (einem fair gehandelten Mango-Paket zum Beispiel), geht es mehr ums GenossIn-Sein als ums Genießen. Extra ist dagegen eine Mischung aus Coupon-Heft (Preisnachlass auf Luxusbettwäsche) und Backstage-Pass (exklusive Lesungen und Vorträge). Abonnenten bekommen ihre Mitgliedskarte automatisch, alle anderen zahlen 25 Pfund im Jahr für dieses Gefühl der Zeitung als Gemeinschaft.

Der KulturSpiegel als exklusive Beilage für Spiegel-Abonnenten (Nachtrag: seit 2008 nicht mehr exklusiv), das Zeit-Online-Premiumabo, Touren durch die SZ-Druckerei — da müsste hierzulande doch eigentlich mehr möglich sein? (Wenn es Menschen gibt, die 1.750 Dollar für ein Bon-Jovi-Konzert zahlen?)


Ein bisschen Daten

Der Eurovision Song Contest, ausgerechnet.

Das europaweite Statistikfest ESC naht: Während Google zeigt, wie sich aus Millionen von Suchanfragen eine relativ sinnfreie Prognose basteln lässt, machen sich die Zahlengrafiker von 4=1 lieber mit einem 544-zeiligen Spreadsheet an die Auswertung der letzten 20 Jahre. Was ist dran an der Ostblock-Verschwörung, an der Skandinavien-Mafia, am griechisch-zyprischen Komplex und der frankophonen Allianz? Joachim Gola rechnet nach. (Via The Maastrix und Mittagessen an der Alster.)

(La entrañable transparencia: Der ESC ist eine Sendung des NDR. Der NDR ist mein Arbeitgeber, dies hier ist mein privates Blog.)


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