Neu in der Linksammlung:

Fabian Mohr: Video vs. Audio-Slideshow
Gute Gründe dafür, auf Video zu setzen.

Wenn Protest nichts kostet
"A mob fighting a good cause is still a mob."

A people's history of the internet
Schöne Zeitsenke beim Guardian.

Poststreik-Mapping mit Leserhilfe
Der Guardian schaut, wie schnell Royal Mail arbeitet.

Ohne Relevanzkriterien keine Wikipedia
Gute Gründe gegen Einträge zu jedem.

Auswege für den US-Lokaljournalismus
Studie sieht Staat in der Pflicht.

The Song Decoders at Pandora
Rob Walker über den Musik-Entdeckungsdienst.

The Stray Shopping Cart Project
Einsame Einkaufswagen klassifizieren.

Tolle BBC-Doku Synth Britannia
Der musikalische Siegeszug des Synthesizers.

Diskussionsreihe über Netz, Google, Politik 2.0
Netzwelten: 27.10., 3. und 10.11. in Hamburg.

Testbild

Mut für 2010

Bestandaufnahme und Wunschzettel.

Eine Leseempfehlung: Lorenz Lorenz-Meyer schreibt über das, was fehlt, und was er sich für 2010 wünscht.

»Mir scheint, wir digital natives haben uns viel zu sehr von den formalen Prozessen faszinieren lassen, von all den Moden oder Hypes der letzten Jahre, von Facebook, Blogs und Twitter, von den angeblich ’sozialen’ Medien, deren großes Potential uns allen so wichtig ist, dass wir darüber Manifeste verfassen und Hymnen singen. Gleichzeitig sind wir damit gescheitert, Anliegen zu identifizieren und zu entwickeln, für die es sich lohnt, diese Instrumente in Anschlag zu bringen.«


Gespannte Vorfreude

DRadio Wissen startet am 18. Januar 2010.

Farbbalken der DeutschlandRadio-Programme

Heute lag das Deutschlandradio-Programmheft für Januar im Briefkasten – endlich mit ein paar Details zum neuen Programm DRadio Wissen, das am 18. Januar auf Sendung geht. Zu hören ist es über Kabel, Satellit und Internet. Leider gibt es auf dradio.de im Moment dazu noch keine Details. Die Website des neuen Programms ist unter wissen.dradio.de zu finden.

Das Tagesprogramm sieht von Montag bis Freitag so aus:

6.00 Die Welt in 100 Sekunden
6.02 Agenda («Was ich heute wissen muss. [...] tagesaktuell für alle Themenfelder [...]»)
6.15 Wissensnachrichten
6.18 Natur («[...] Einblicke in die exakten Wissenschaften und wie ihre Erkenntnisse den Alltag prägen [...]»)
6.30 Weltnachrichten
6.34 Medien («[...] Woran die Journalisten der Zukunft arbeiten und wie wir unser Wissen organisieren. [...]»)
6.45 Wissensnachrichten
6.48 Globus («Worum die Welt sich anderswo dreht. [...]»)
7.00 Die Welt in 100 Sekunden
7.02 Agenda
7.15 Wissensnachrichten
7.18 Kultur («Wir erzählen uns die Welt. Aus Philosophie und Geschichte, aus Sozialwissenschaften und Popkultur. [...]»)
7.30 Weltnachrichten
7.34 Meine Zukunft («Karriere ohne Umweg ist die Ausnahme. [...]»)
7.45 Wissensnachrichten
7.48 Spielraum («Googeln ist keine Lösung. Hirngymnastik für die Ohren. [...]»)

…und dann so weiter im Zweistundentakt bis 18.00 Uhr.

Am Samstag um 11.00 Uhr und am Sonntag um 18.05 steht ZEIT ONLINE Talk auf dem Programm. Täglich von Montag bis Freitag berichtet der Netzreporter aus den digitalen Weiten. Überhaupt verspricht der Sender, dass lineares Programm und interaktives Medium intelligent zusammenwirken sollen.

Abends und am Wochenende übernimmt DRadio Wissen auch einige Sendungen aus anderen ARD-Programmen: IQ vom BR, SWR cont.ra, Aula, Campus und Zeitgenossen von SWR 2, Das philosophische Radio und Leonardo von WDR 5, Studio Nordwest vom RB NordwestRadio, Fragen an den Autor von SR 2, Funkkolleg und Wissenswert von hr2, Studi DW und Wissenschaft von DW-Radio, Das Forum, Lebenswelten und Logo von NDR Info.

Ich hoffe, es gibt zeitnah ein Update der kostenlos downloadbaren iPhone-App für Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur.

(Transparenz-Hinweis: Ich arbeite für den NDR, welcher Teil der ARD ist, die gemeinsam mit dem ZDF Träger des Deutschlandradio ist. Dies ist mein privates Weblog, go figure!)


Ad ACTA

Themenalarm: Digitale Bürgerrechte in Gefahr.

Da ist wieder eines dieser Themen, die man am liebsten ignorieren würde, weil die Materie so trocken klingt, weil so viele Details dazu noch gar nicht bekannt sind, weil man die Zeit im Internet so schön woanders verbringen kann. Aber wenn es später einmal in der breiten Öffentlichkeit diskutiert wird, ist es möglicherweise schon zu spät für Proteste und Änderungen:

»Mit dem ACTA-Abkommen ist nicht weniger als eine Radikalisierung der derzeitigen Urheberrechts- und Patentgesetze geplant, unter Ausschluß der Öffentlichkeit.«
Weiterlesen bei netzpolitik.org.


Zwanzig Uhr

Die Tagesschau vom 9. November 1989.

tagesschau-Uhr 1989
Tagesschau vom 9. November 1989

Bei tagesschau.de gibt es noch mehr Tagesschau-Videos von 1989.

(Transparenz-Hinweis: Ich arbeite für den NDR, dies ist mein privates Blog.)


Parlamentube

BBC Democracy Live, Bundestag.de und C-SPAN.

In zweieinhalb Wochen feiern die Briten ein denkwürdiges Jubiläum: Am 21. November 1989 ließ das britische Unterhaus die Fernsehkameras ins Parlament. Gleich in der ersten übertragenen Rede erklärte der Tory-Abgeordnete Ian Gow den neuen Zuschauern, was er davon hielt: »I have always voted against the televising of the proceedings of this House, and I expect that I always will.« (Video) Die britischen Parlamentarier hatten im Vorfeld jahrelang über das Fernsehen und die Folgen gestritten. Ausschüsse legten anfangs exakt fest, was die Fernsehregie zu zeigen hatte: denjenigen, der offiziell das Wort hat — auch und gerade bei Tumulten im Westminster-Palast. Inzwischen hat sich Aufregung längst gelegt, und die Kameras dürfen auch die sogenannten »reaction shots« zeigen.

Fast 20 Jahre später hat die BBC ein Onlineprojekt freigeschaltet, das sie schon vor einer Weile angekündigt hat: Democracy Live, eine durchsuchbare Parlaments-Mediathek. Das Angebot nimmt britisches Ober- und Unterhaus, die Parlamente von Schottland, Wales und Nordirland und das Europäische Parlament in den Blick, bietet Videos von Reden und Debatten und erschließt die Themen.

Screenshot Democracy Live

Democracy-Live-Nutzer können dabei einzelne Abgeordnete gleichsam abonnieren. Über »Follow this representative« bekommen Nutzer mit, wann immer es um ihren Parlamentarier geht — nicht nur dessen eigene Reden, sondern auch bloße Erwähnungen. Der Clou: Die Videos werden per Spracherkennung in Text gewandelt und sind damit durchsuchbar. Viele der Videos können auch direkt woanders eingebettet werden, leider aber noch nicht die Videos aus dem Ober- und Unterhaus.

Erwähnung Gordon Browns auf Democracy Live

In Deutschland, wo dem Parlamentspräsidenten schon eine Phoenix-Übertragung nicht genügt (Zapp-Video), hat sich mitterweile auch schon einiges getan: Bundestags-Plenardebatten sind in einem Videoarchiv auf bundestag.de zu finden — und Nutzer können die Videostreams ebenfalls bei sich einbetten. Dass das alles noch nicht so einfach funktioniert, wie man es sich wünscht, beschreibt Matthias Mehldau ausführlich auf netzpolitik.org.

Video-Embedding auf bundestag.de

Einzelne Landtage haben ebenfalls Video-Archive, die aber nicht sehr zugänglich sind, beispielsweise in Bayern erst nach Sitzungstag, dann nach Tagesordnungspunkt sortiert. Nur ein echter Politikfreak wird einfach auf Verdacht ein Video starten, dass nur mit »Zwischenbemerkung Harald Güller (SPD)« betitelt ist.

Auch der von Amerikas Kabelnetzbetreibern finanzierte Sender C-SPAN bietet im Netz interessante Video-Suchfunktionen: In der C-SPAN Video Library gibt es beispielsweise einen Personeneintrag zu Angela Merkel, der zu allen Videos mit ihr führt. Damit lässt sich aber auch gleich auflisten, wer mit wem gemeinsam in welchen Videos auftaucht: Bush und Berlusconi, Steinmeier und Solana. Das erinnert ein wenig an die automatische Erfassung der im Fernsehen auftretenden Politiker, die das MIT Medialab vor einigen Jahren als Gegen-Überwachungsprojekt gestartet hatte.

Merkel-Auftritte bei C-SPAN mit appears-with-Funktion

Auch bei C-SPAN sind die Videos durchsuchbar, dafür nutzt der Sender die TV-Untertitel. Eine Videoseite — beispielsweise zur Merkel-Rede vor dem US-Kongress — enthält eine inhaltliche Zusammenfassung, Transkript, Schlagwörter, Personeneinträge und zahlreiche Tools zur Weiterverbreitung. Es werden sogar die Seiten, in denen das Video eingebettet ist, zurückverlinkt.

Ein bisschen Spielerei ist dabei, ein bisschen Eitelkeit der Redner sicher auch. Aber wer je in einer Bibliothek die schweren Bände der Bundestags-Plenarprotokolle gewälzt und mühsam die Fundstellen abgegrast hat, will mit Sicherheit nie wieder zurück zur Welt vor der Volltextsuche.


Taxbook

Wie reich sind meine Facebook-Freunde?

Wenn es eine Facebook-Applikation gäbe, um zu schauen, wie reich die eigenen Freunde/Kontakte sind, würde man sie nutzen?

Für Deutsche ist das eine eher hypothetische Frage, aber im transparenten Norwegen veröffentlicht der Staat die Einkünfte und Steuerzahlungen seiner Bürger. Die Steuerlisten, schon seit Jahren im Netz, haben es längst auch auf soziale Netzwerke geschafft. Der Privatsender TV2 und die Zeitung Dagbladet nutzen in diesem Jahr Facebook Connect (hier und hier), um Einkommen, Vermögen und Steuern darzustellen. Schon vor zwei Jahren hatte Nettavisen.no eine Facebook-Applikation entwickelt, mit der Norweger auf einen Blick sehen konnten, wer der vermögendste ihrer Freunde ist.

(Gefunden über das Blog NRKbeta des öffentlich-rechtlichen NRK. Auf dessen Steuer-Sammelseite gibt es neben der üblichen Personensuche auch Tabellen der reichsten Postleitzahl-Bezirke, die 100 reichsten Frauen, das Vermögen nach Geburtsjahrgang und — natürlich! — Artikel über Einkommen und Vermögen Prominenter.)


Echt falsch

US-Sender und der Handelskammer-Hoax.

Screenshot aus einem CNBC-Video

Auf eine falsche Pressekonferenz hereinzufallen, ist für einen Fernsehsender schon peinlich genug. Aber anschließend vor laufender Kamera auf den Zettel zu zeigen und zu erklären, es sei ja das richtige Logo auf der Pressemitteilung zu sehen gewesen, das grenzt an eine Kapitulationserklärung.

(Das oben war CNBC. Hätte sich Fox Business 45 Sekunden mehr Zeit für die Recherche gelassen, wäre dem Sender dies hier erspart geblieben.)

Nachtrag: Die Yes Men haben ein Video veröffentlicht, das den Moment zeigt, in dem der echte Pressesprecher der US-Handelskammer die falsche Pressekonferenz auflöst.


Feldgeister

RFID sichtbar gemacht.


Video: Immaterials: the ghost in the field.

Wie können Designer mit einer unsichtbaren Technologie arbeiten? Schlecht. Daher haben Timo Arnall, Einar Sneve Martinussen und Jack Schulze sich Sonden gebastelt und mit langzeitbelichteten Fotos das Lesbarkeits-Areal zwischen RFID-Transponder und Lesegerät sichtbar gemacht. Mehr auf den Blogs der Beteiligten: Das Touch Project gehört zur Osloer Architektur- und Designhochschule, BERG ist eine Londoner Designberatung.

Entdeckt habe ich den Film über Adam Greenfields Blog Speedbird. In einem Essay über den Film schreibt Greenfield darüber, welchen Einfluss Design (und Feldstärke) auf den Einsatz solcher Systeme haben: In Hongkong müssen U-Bahn-Fahrgäste ihr Ticket nicht aus der Handtasche nehmen, sondern bloß die Tasche in die Nähe des Lesegeräts bringen; auf den Tokioter Linien der JR East geht das nicht, weil die Geräte aus Sorge vor Langzeitfolgen der elektromagnetischen Felder gedrosselt wurden. Was die richtige Entscheidung ist? Greenfield: »Unless you understand a little bit about what RFID is and how it works, you have no way of assessing how a system built on the technology is designed, and whether you wish to accept or reject the propositions embedded in it.«

Dass Timo Arnall und Jack Schulze Vergnügen an RFID haben, zeigt übrigens der folgende Film noch etwas besser:


Video: Nearness.

(Wem dieses Sichtbarmachen des Unsichtbaren gefällt, der wird Semiconductors fünfminütiges Magnetic Movie sehr mögen. Nichts für Magnetophobiker.)


Heiße Luft

Wenn nichts passiert, das aber live.

Found in a box in the family’s garage.
(→ Now is overrated.)


- »The boy in the well. How did you know that was just a hoax?«
- »It was? I didn’t… know.«
- »James, you said he was hiding in the barn…«
- »I think I saw a TV show like that when I was a kid. Where a boy…«
- »It wasn’t a TV show, it was real!«
(Twelve Monkeys)


Belegexemplare

Neue Geschäftsfelder für US-Zeitungen.

The Onion hat mal wieder schockierende Erkenntnisse vom US-Medienmarkt:

»Report: Majority Of Newspapers Now Purchased By Kidnappers To Prove Date«

Illustrierte werden dagegen vor allem gekauft, um daraus Lösegeldbriefe zusammenzuschnipseln.

(Die Satirezeitung erscheint übrigens jeden Donnerstag in acht amerikanischen Ballungsräumen als Gratisblatt, also: gedruckt.)


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