Ohrschleicher

Getarnte Radio-PR für Ministerien.

Nach der PR-Affäre bei der Dialogtour des Bundeswirtschaftsministeriums kommt auch schon die nächste: Report Mainz berichtet, dass im Auftrag des Bundesfamilienministeriums „vorproduzierte redaktionelle Hörfunkbeiträge über die neuen Familienleistungen mit O-Tönen der Bundesministerin“ (Zitat von der Referenzenseite der betreffenden PR-Agentur A&B One!) im Radio gelandet sind. Angeblich sind diese Beiträge mehr als 300 Mal ausgestrahlt worden.

In dem entsprechenden Angebot, radioboerse.de von Schlenker PR, ist mir ein weiteres Themenpaket für Redaktionen aufgefallen: Lauter begeisterte Stimmen zur Gesundheitsreform 2007, dazwischen O-Töne von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Die Beiträge im Einzelnen — mit Auszügen daraus, was in dem Audio angebliche Passanten zu den Themen sagen:

Unter dem Punkt „weitere Infos“ ist dabei jeweils die-gesundheitsreform.de angegeben — ein Angebot des Bundesgesundheitsministeriums, bei dem wieder eine A&B-Firma für Konzeption, Design und Realisierung zuständig ist. Die spannende Frage, wie bei den Audios für das Bundesfamilienministerium: Wer hats gesendet?

Die klare Ansage von radioboerse.de: „Alle Angebote können Sie kostenlos einsetzen. Über eine Bestätigung der Ausstrahlung freuen wir uns!“ Bei anderen Angeboten sind unter „weitere Infos“ zum Beispiel Opel, Nestlé, die CMA, Pharmaverbände, Warsteiner oder Jacobs/Kraft angegeben.

Sinn und Zweck

Paxman-Rede zum Fernsehen.

Die MacTaggart-Rede auf dem TV-Festival von Edinburgh ist so etwas wie die Rede an die britische Fernsehmachernation, und diesmal hatte der hartnäckige, angriffslustige Journalist Jeremy Paxman die Ehre. Er hat einerseits auf Tony Blairs Medienkritik geantwortet, andererseits natürlich auf die Diskussion um Authentizität im Fernsehen eingegangen — nach all den britischen Skandalen der vergangenen Monate.

Die gesamte Rede von Jeremy Paxman ist ziemlich lesenswert. Ein paar wenige Auszüge:

News is the most important element in the overall ecology of television. It is the canary in the miner’s cage. If and when – and I sincerely hope it’s never – people begin to trust television news as much as they trust many of the newspapers, then we’re in trouble.

What’s happened is that we have a dynamic in news now that is less about uncovering things than it is about covering them.

My point is that there comes a point where the frenzy has to be put to one side, the rolling story halted, so that we can make sense of things.

Youth. Where is it? Why doesn’t it watch us? (…) The truth is that television in Britain is commissioned by middle-aged people who rarely watch the box, attempting to reach young people who look at it even less, when it’s actually watched by old people.

(Weitere Auszüge, in denen Paxman auch Blogs nichts verschont, in einem kurzen Guardian-Video bei YouTube.)

Extra 3.0

Das Satiremagazin des NDR bloggt.

Es gibt, ganz offen zugegeben, nicht viele Fernsehsendungen des NDR, die von YouTube-Usern mit englischen und japanischen Untertiteln versehen werden und deren Fanclub-Mitglieder sich das Sendungs-Logo in die Haare rasieren.

Das Satiremagazin Extra 3 ist so eine Sendung. Und jetzt hat Extra 3 nicht nur einen Klingelton als MP3. Nicht nur einen Video-Podcast. Sondern — festhalten! — ein Extra 3 Blog. Das Archiv reicht zwar schon bis in den Juli zurück, aber der Deckel ist gerade erst gelupft. Damit die Messlatte nicht zu niedrig angesetzt wird, verspricht Extra 3 „krudes Zeug, schmutzige Bilder, gescheiterte Zuschauerwitzvorschläge“.

Extra 3 Blog

(Der übliche Transparenzhinweis: Jaja, der NDR ist mein Arbeitgeber, dies dagegen mein privates Blog. Hier geht es also nur um eigene Lieblingsthemen, und natürlich um die Leichtathletik-WM in Osaka aus den üblichen Gründen!)

Pling!

Der BILDblog-Spot.

Das ist, wenn ich richtig mitzähle, die erste Blog-Werbung im deutschen Fernsehen, oder?


Link: sevenload.com

Chapeau, Christoph S. und Stefan N.!