BBC Democracy Live

Eine durchsuchbare Parlaments-Mediathek.

Auf der Konferenz e-Democracy 08 hat BBC-Nachrichtenchefin Helen Boaden ein neues Projekt angekündigt: Democracy Live. Ein Auszug aus ihrer Rede, in der es ansonsten viel um Bürgerjournalismus geht:

But we are acutely aware that the formal political processes need to be brought into this world too.
To that end, we are about to launch an important new site called Democracy Live.
This will offer live and on demand video from all the main UK institutions and the European Parliament. Users will be able to search across the video for representatives and issues that are relevant to them. They will be able to find out more about their representatives in the institutions and follow their contributions.
The site will also offer detailed guides to how the institutions across a devolved UK work and what powers they have, all the must know information about issues in the news and blogs from our political editors, plus a range of ways for users to comment and contact their representatives and institutions.
And while this will make for a compelling mix on the site, we also want it to be a shareable resource, with video and text content that users can take and place on their own sites or blogs.

Schon jetzt ist die Parlamentsarbeit in Großbritannien weitaus transparenter im Netz zu verfolgen als zum Beispiel in Deutschland — dank TheyWorkForYou von mySociety. Und in den USA gibt es OpenCongress, MAPLight, OpenSecrets.org, um nur die bekanntesten zu nennen. Beim Bundestag hat sich die Datenbanken-Welt zwar in den vergangenen Jahren optisch deutlich verbessert (siehe DIP). Aber die Benutzung ist weiterhin viel zu umständlich, von offenen Schnittstellen und Videoauszügen ganz zu schweigen.

Termine, Termine

Rund ums Netz in Hamburg.

Gestern erst bei der Law Group von Hamburg@work gewesen und dort erleichtert festgestellt, dass das Landgericht Hamburg mit seinen Ansichten weiterhin allein auf weiter Flur steht. Von dort aus weiter zur Web-2.0-Vortragsreihe des Hans-Bredow-Instituts: Jan Schmidt hat über „Persönliche Öffentlichkeiten“ referiert, seine Folien dazu sind schon im Netz.

Die nächsten Termine der Vortragsreihe:
Donnerstag, 20. November 2008
Sebastian Deterding: Re-publicize this! Web 2.0 oder Die stille Privatisierung der digitalen Grund­versorgung
Donnerstag, 27. November 2008
Ralf Bendrath: Die digitale Selbstdarstellung – Identitätsmanagement und persönliche Informationskontrolle im Social Web

Weitere spannend klingende Termine der nächsten Zeit in Hamburg:
Montag, 17. November 2008
SPD-Bürgerschaftsfraktion: Social Media – Interaktion im Internet
Mit Katharina Borchert, Nico Lumma, Michael Neumann und Stefan Engels (Anmeldung erforderlich!)

Samstag/Sonntag, 22./23. November 2008
BarCampHamburg 2008
(Anmeldung erforderlich, Warteliste!)

Angst und Schreken

Spammer beruft sich auf Angela Merkel.

Spam-Mails lässt der Filter nur noch sehr selten durch. Dann aber schon mal eine Perle wie diese:

Angst und Schreken Sind Vorbei! Sicher!  Muede und Sauer?  Angela Merkel kann es auch nicht besser machen - unsere Tabletten helfen Ihnen am schnellsten gegen Krisis und Dipression.  Bestellen Sie diese Wunder Pillen und schon sind Sie frei von Stress und Anst. Einfach toll, Sie koennen wieder gut leben!

(Nein, die Mail enthielt auch im Original keinerlei Links, und die Absenderadresse ist vermutlich gefälscht. Keine Ahnung, wie ich an die Tabletten kommen soll. Und Diminutive fehlen auch.)

Wandelbar

Schnelle Änderungen bei change.gov.

Change.gov, die Amtsübergangs-Website von Barack Obama, sei wie sein Wahlkampf „casual, cool, interactive“, schwärmt die New York Times. Für deutsche Wähler sei die Site dagegen „vor allem ein Ort der Trauer“, befindet Felix Knoke bei Spiegel Online: „So professionell, gut und offen ist keine deutsche Partei- oder Politiker-Website.“

Der spannendste Unterbereich besteht allerdings derzeit nur noch aus zwei dürren Absätzen: Unter Agenda waren auf change.gov 25 Themen von Außenpolitik über Bürgerrechte bis zu den Veteranen aufgeführt, mit teils sehr detaillierten Plänen. Wer heute schaut, findet nur noch „The page you requested is not available right now.“ Vielleicht war die Idee, den Bereich Issues von der Wahlkampf-Website per Copy und Paste zu übernehmen, ein bisschen blauäugig.

Nachtrag vom 18. November: Der Bereich Agenda hat sich jetzt wieder gefüllt. Der Text ist jetzt nicht mehr ganz identisch mit dem Wahlprogramm — manchmal sind es Nuancen: Aus „tough, direct presidential diplomacy with Iran“ ist das Wörtchen „presidential“ herausgefallen. Anderswo fehlen ganze Textblöcke, zum Beispiel zu Russland (Wahlprogrammchange.gov).