Eckstein

Der BBC-Finanzblogger Robert Peston.

Robert Peston, der leitende Wirtschaftsredakteur der BBC, ist so etwas wie das Gesicht der Finanzkrise für die Briten geworden: Dass Northern Rock in Schwierigkeiten war, erfuhren sie von ihm – und hoben ihr Geld ab. Dass Lloyds TSB die angeschlagene HBOS übernehmen will, meldete ebenfalls Peston – und der Aktienkurs stieg in 45 Minuten um fast 150 Prozent. („Will everyone please stop praising Robert Peston?“, schrieb Bill Blanko im Oktober.)

Den Lloyds-HBOS-Scoop meldete Peston übrigens zuerst in seinem BBC-Weblog, das es seit Ende Januar 2007 gibt. Auf der BBC Future of Journalism Conference wurde er gefragt, warum er bloggt. Seine Antworten, zusammengefasst zu finden bei Jem Stone, sind bemerkenswert. Als Leseanreiz: „I do see the blog as the absolute cornerstone of the way that I work. It’s central to everything that I do at the BBC.“ (Via reportr.net.)

DFB-Irrsinn

Ein Sportverband verliert die Nerven.

Ich stelle mir gerade vor, ein Journalist kritisierte einen Politiker als „unglaublichen Demagogen“, natürlich mit entsprechender Begründung.

Dieser Politiker ginge dann juristisch gegen diesen Journalisten vor und scheiterte zweimal dabei, einstweiligen Rechtsschutz dagegen zu erlangen.

Und dieser Politiker versuchte dann, den Journalisten mit einer Presseerklärung zu diskreditieren, die das juristische Scheitern verschweigt und eine angebliche Entschuldigung des Journalisten herbeifantasiert.

Und nachdem dem Politiker die Presseerklärung in dieser Form bei Strafe (bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld/bis zu sechs Monate Ordnungshaft) verboten würde, kündigte dieser eine Klage gegen den Journalisten an, weil ja nun der letzte Versuch gescheitert sei, auf eine gütliche Beilegung des Verfahrens hinzuwirken.

Irgendwie schwer vorstellbar. Ich bin sehr froh, kein Sportjournalist zu sein. Und ich bin sehr froh, dass Jens Weinreich Sportjournalist ist.

Alive

London in 3.328 Fotos.

Zur Einstimmung auf vier Tage in London:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

David Hubert: London (harder, better, faster, stronger)

Gibt es auch in hochauflösender Version bei Vimeo.

Missverständnisse

Social Media bei der SPD Hamburg.

Bei der Podiumsdiskussion über Social Media, zu der die SPD-Bürgerschaftsfraktion am Montagabend geladen hatte, prallten in der Tat Welten aufeinander. Stefan Engels (Anwalt, Arbeitskreis Medien der SPD Hamburg) und Michael Neumann (SPD-Fraktionschef, Blogger) warben vergeblich um Verständnis dafür, dass sich ihre Partei gegenüber neuen Entwicklungen im Netz so zögerlich zeigt. Juliette Guttmann von DerWesten, Nico Lumma und Teile des Publikums versuchten vergeblich, für mehr Mut zu werben.

Die anwesenden Politiker verwiesen mehrfach auf die „Spielregeln der Politik“, die (neben Budget- und Personalknappheit) ein stärkeres Engagement kaum möglich machten. Nicht so richtig angekommen ist, dass sich Spielregeln in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen ändern — natürlich nicht komplett, aber eben auch nicht nur unwesentlich. Wer in der Musikindustrie oder der Filmbranche arbeitet, wer Zeitungen oder Zeitschriften verlegt, wer PR-Beraterin ist oder Buchhändler oder Pressefotografin oder Lexikonvertreter oder Lehrerin oder Bibliothekar, findet eine Welt vor, die sich seit dem Internet erheblich verändert hat. Da kann die Politik, in der Kommunikation so eine zentrale Rolle spielt, erstens nicht erwarten, dass ihre Spielregeln unverändert bleiben. Und darf zweitens nicht glauben, dass es für die anderen leichter sei: Auch Privatpersonen und Firmen fragen sich, wie viel Transparenz an welcher Stelle too much ist.

Die vorgetragene große Sorge, dass grundsätzlich einmal alles im Netz dokumentiert bleibt, ist ebenso übertrieben. Zum einen gilt das eben auch für alle, also auch für die Politiker gegnerischer Parteien, Journalisten, Verbände, Unternehmen, Initiativen — und natürlich auch für jeden Nutzer. Und zum zweiten ist Rückzug keine Alternative: Wenn Michael Neumann seinen Wunsch nach einem Verfallsdatum für Netzinhalte nicht selbst ins Internet schreibt, tut das eben jemand anders.

(Nur, damit niemand die Selbstverständlichkeit aussprechen muss: Dass ein schlechtes politisches Programm nicht zu retten ist, in dem man bloß darüber bloggt, flickrt, twittert, qikt, mogulust oder yammert, ist sonnenklar.)

Nachtrag: Mehr bei Nico Lumma und Jan Schmidt.