Der Rote Kristall

Neues Symbol neben Kreuz und Halbmond?

Roter Kristall mit Pfeil auf die Innenfläche Symbolik ist Politik. Wer das nicht glaubt, mag die 76-seitige Abhandlung „Towards a comprehensive solution to the question of the emblem“, dritte überarbeitete Fassung, lesen. In den Genfer Konventionen wurden drei Symbole anerkannt, um medizinisches Personal, deren Gebäude und Ausrüstung in Kriegszeiten zu kennzeichen: rotes Kreuz, roter Halbmond und roter Löwe und Sonne. Das dritte Symbol wurde von Persien, später Iran benutzt, bis Chomeini es 1980 durch den roten Halbmond ersetzte. In Israel gibt es die 1930 gegründete Organisation Roter Davidstern (Magen David Adom), dessen Symbol die arabischen Staaten allerdings ablehnen.

Die Suche nach einem Kompromiss dauert bereits Jahrzehnte. Nun soll das Dritte Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen (Entwurf) das Problem lösen — mit einem roten Kristall. Der Kristall soll völkerrechtlich den selben Schutz genießen und bieten wie Kreuz und Halbmond. Damit ist das Symbol eine Alternative zu den beiden Symbolen mit christlicher und muslimischer Konnotation. Darüber hinaus können Regierungen jedoch die Fläche innerhalb des Kristalls mit einem eigenen Symbol versehen (etwa dem Davidstern) und dieses auch außerhalb ihres Territoriums einsetzen — allerdings nicht als völkerrechtliches Schutzsymbol.

Mehr: Red Cross – Symbols of the Movement (Wikipedia)

Nachtrag: Auch am Mittwoch laufen die Verhandlungen noch.

Haftung ohne Kenntnis?

Landgericht Hamburg urteilt gegen Heise.

Die folgende Meldung ist Pflichtlektüre für alle, die nicht ausschließlich und allein eigene Inhalte ins Netz stellen und nicht sämtliche Inhalte anderer vorher prüfen. Ja, gemeint sind Webforen, aber ebenso auch Weblogs oder Wikis wie etwa die Wikipedia:

Urteil: Heise haftet auch ohne Kenntnis für Forenbeiträge

Die schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus, und Heise Online will Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Panik ist also unangebracht, denn nach §11 TDG sind Anbieter „für fremde Informationen, die sie für einen Nutzer speichern, nicht verantwortlich, sofern 1. sie keine Kenntnis von der rechtswidrigen Handlung oder der Information haben und ihnen im Falle von Schadensersatzansprüchen auch keine Tatsachen oder Umstände bekannt sind, aus denen die rechtswidrige Handlung oder die Information offensichtlich wird, oder 2. sie unverzüglich tätig geworden sind, um die Information zu entfernen oder den Zugang zu ihr zu sperren, sobald sie diese Kenntnis erlangt haben.“ (via Udo Vetter)

Der CvD von Heise Online, Michael Wilde, kündigt aber schon Änderungen an, unter anderem ein „etwas ausgeklügelteres System für Rückmeldungen zu den Forenbeiträgen“.

Nachtrag: Fabian Mohr findet, eine solche Kontrolle könne man von einem Online-Publisher verlangen. Viele Blogs sind mittlerweile dazu übergegangen, Kommentare nur noch nachträglich freizuschalten — oder verzichten ganz darauf, etwa das Bildblog. Dafür habe ich Verständnis, möchte das aber gern selbst entscheiden und nicht für Kommentare anderer haften, bevor ich sie überhaupt kenne. Dass dieser Rechtsstreit die Foren von Heise Online trifft, die für viele IVW-Klicks sorgen, stimmt. Aber „Studenten holen“ können sich nur einigermaßen große Angebote. Wenn das Urteil so durchkommt, ist es zudem leicht, missliebigen Foren-, Blog- oder Wiki-Betreibern auf diese Weise Fallen zu stellen.

Konvergenzprobleme

Über Stammeskulturen in den Medien.

Nils Heldal, Ex-Radiochef beim norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK, berät jetzt Adressa dabei, von einer Trondheimer Zeitung zu einem Medienkonzern mit Print, Radio, TV und Netz zu werden. Im Radiointerview spricht er über die verschiedenen Stammeskulturen:

Du hast zum Beispiel die Zeitungsjournalisten, die von den anderen, die mit Netz, Radio oder Fernsehen zu tun haben, als Dinosaurier angesehen werden, die eigentlich bald aussterben. Die anderen sehen auf die Netzjournalisten als Journalisten zweiter Klasse, die die Medienethik-Richtlinie nicht beherrschen. Radiojournalisten sind hässliche Menschen, die eigentlich ins Fernsehen wollen (Dich ausgenommen natürlich) — während Fernsehleute überzahlte Schauspieler und eigentlich gar keine Journalisten sind.

Außerdem sagt er, dass von der Arbeitsweise her nicht Radio und Fernsehen, sondern Radio und Netz sowie Fernsehen und Zeitung zusammengehören. Lauter spannende Dinge, alle im NRK-Medienmagazin Kurer mit Line Gevelt Andersen, meinem derzeitigen Lieblings-Podcast — der aber leider norwegischen Sprachkenntnisse voraussetzt.

Schweizer Korrektheit

Die neue SF-Website ist online.

Das Schweizer Fernsehen hat seine neu gestaltete Website freigeschaltet, jetzt unter dem tuvaluischen Domainnamen sf.tv. Der erste Eindruck ist positiv: Insbesondere die Tagesschau präsentiert sich deutlich besser, und RSS-Feeds gibt es auch. Zudem ist ein CR-Weblog gestartet, geschrieben vom Chefredaktor.

Das Beste zum Schluss: Korrekt, eine schlichte Seite, um Fehler der Nachrichtenredaktion zu korrigieren. So etwas wird im deutschsprachigen Raum dringend gebraucht!

Wer von Deutschland aus einen Blick auf das neue TV-Design werfen will: 3sat wiederholt 10vor10 meist kurz nach Mitternacht.

Nachtrag: Am ihrem ersten Tag läuft sf.tv bislang etwas unrund, verschwindet und taucht wieder auf. Eventuell funktioniert www2.sfdrs.ch derzeit besser.

Schlicht, rot und weiß

Neues Design bei der Schweizer Tagesschau.

Eine dreiminütige Reise durch die Schweizer Fernsehdesign-Geschichte liefert ein RealVideo der Tagesschau des Schweizer Fernsehens (low , high). Am Montag wechselt dort und beim Tagesthemen-Pendant 10 vor 10 das Design, meldet der Medienspiegel. Martin Luginbühl von der NZZ schreibt dazu über die Geschichte der Sendung.

Auch die Schweizer Tagesschau selbst berichtete in einem kurzem Film über das neue Studio und Aussehen (low, high): Die rot-goldene Feuerkugel auf blauem Grund im Vorspann erinnert mit deutschen Sehgewohnheiten ein wenig an RTL, das weiß lackierte neue Studio eher an ProSieben. 10 vor 10 sieht der Tagesschau von Montag an sehr viel ähnlicher (das entsprechende Video setzt allerdings Schwyzerdütsch-Festigkeit voraus).

Neues Logo SF Schweizer Fernsehen Die Umgestaltung der beiden Nachrichten-Flaggschiffe ist Teil einer Neupositionierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehen der deutschen und rätoromanischen Schweiz insgesamt. Statt SF DRS heißt es künftig nur noch SF Schweizer Fernsehen, die Programme SF1 und SF2 werden unabhängiger voneinander. Vom neuen Logo scheinen aber noch nicht alle in der Schweizer Agenturszene überzeugt zu sein, berichtet persoenlich.com.

Nachtrag: Noch ein Abschiedsbeitrag bei 10 vor 10 (low, high).