Interaktiv ist …

Deutsche Tageszeitungen und die Bloggerei.

Ein kurzer Blick auf die Webseites einiger größerer deutscher Tageszeitungen — ist Bloggen eigentlich noch exotisch? Interaktiv ist also…

Interaktiv - Forum, Weblogs, Sudoku (Mit Sicherheit habe ich bei der einen oder anderen Zeitung etwas Spannendes, Lobenswertes, Gutes übersehen. In diesem Fall bitte ich darum, mich entweder in den Kommentaren zu beschimpfen oder das entsprechende Angebot sichtbarer auf der Website zu platzieren.)

Stöckchen aus Washington

Sieben Fragen der US-Regierung zur Netzverwaltung.

ICANN-Logo unter der Lupe Das hier wird ziemlich lang, fürchte ich. Seit Ende Mai sammelt die US-Regierung mal wieder Input zur Zukunft der Netzverwaltung ICANN. Sieben Fragen will die zum Handelsministerium gehörende Behörde NTIA bis zum 7. Juli beantwortet haben. Für alle Hardcore-ICANN-Interessierten folgen die sieben Fragen in eigener Übersetzung, mit Links und bisweilen mit Ergänzungen in eckigen Klammern. Die NTIA will natürlich Antworten auf Englisch. (Lohnen sich die 15 bis 20 Minuten für die Beantwortung der Fragen? Erfahrungsgemäß wertet die NTIA solche Befragungen recht gewissenhaft aus und nutzt sie zumindest für die eigenen Begründungsmuster. Wer wirklich etwas beizutragen hat, sollte die Chance nutzen, zumindest einen winzigen Einfluss auf den entscheidenden Akteur zu nehmen. Wer sich lieber einer Ein-Klick-Massenpetition anschließen will, kann das beim Internet Governance Project tun.)

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Wallraffen

Ein Sprachdenkmal im Schwedischen.

Ikone Günter Wallraff Ein Artikel in Svenska Dagbladet enthüllt, was jeder weiß: Es gibt — auch in Stockholm — böse Taxifahrer, die unkundige Touristen bei Kurzstrecken auf kleine Stadtrundfahrten mitnehmen. Überrascht war ich von der Wortwahl. Die Journalistin „har wallraffat som taxiåkandet turist“, hat also als Taxi fahrende Touristin gewallrafft.

Dennis Kittler hat darüber bereits bei LEO berichtet, einer Chemnitzer studentischen Onlinezeitschrift zu Sprache und Kommunikation, nicht zu verwechseln mit dem fabelhaften Wörterbuch gleichen Namens. Seit etwa 1975 werde das Wort im Schwedischen verwendet und damit Günter Wallraff ein sprachliches Denkmal gesetzt, schreibt Kittler.

S.W.I.F.T.

Die Überwachung des Geldtransfers.

Swift ist eine dieser vielen Institutionen, von denen man nichts hört, so lange alles gut geht. Ein Netzwerk der Finanzwelt für Geldtransfers, mit Transaktionen im Wert von sechs Billionen US-Dollar am Tag, in mehr als 200 Ländern genutzt. Ein Nadelöhr, an das attac gern seine Steuerforderungen andocken würde. Wie wir dank der New York Times jetzt wissen, hatten oder haben FBI und CIA seit dem 11. September einen 24-Stunden-Zugriff auf die Daten, um mögliche Geldtransfers für Terrorismus zu verfolgen. Natürlich gibt es auch in den USA Regelungen zum Bankgeheimnis — aber Swift ist keine Bank mit individuellen Kunden.

Im 7.000-Seelen-Dorf La Hulpe bei Brüssel steht das Swift-Hauptquartier, 14 Kilometer Luftlinie vom Sitz der EU-Kommission entfernt. Die Aufsicht über Swift führt ein Gremium der G-10-Zentralbanken, auch die Deutschen sind vertreten. Eingebaute Sicherungen, um einen Missbrauch der Daten durch die US-Behörden zu verhindern? In der Stellungnahme von Swift heißt es, es habe „independent audit controls“ gegeben; die New York Times schreibt von einer „outside auditing firm“. Richterliche Erlaubnis, richterliche Kontrolle — abgelöst von unbenannten externen Prüfern? Die US-Ermittler verweisen indes, auch nicht zu Unrecht, auf die Erfolgsbilanz: Die Swift-Datensuche habe sie etwa auf die Spur eines der Drahtzieher des Anschlags von Bali mit 202 Toten gebracht.

(Ach ja, für diejenigen, die einen Sinn für Symbolik haben: Das Logo des Konsortiums ist ein schlichter, stilisierter Globus, darauf der Text S.W.I.F.T. — wie aus einem schlechten Bond-Film.)

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