Aufraffen

Verfassungsbeschwerde einlegen.

Besser spät als nie:


(Video bei Vimeo).

Und heute noch alle anderen: Nicht nur elektronisch unterschreiben, sondern physisch zum Briefkasten damit.

Zum Thema:
Fragen und Antworten zur Vorratsdatenspeicherung (tagesschau.de)
Kampf um die Vorratsdatenspeicherung (Film bei tagesschau.de)
Hintergrund Vorratsdatenspeicherung (heise online)
Appell der Medienverbände gegen den Gesetzentwurf (DJV)

Drmonstranten

Anti-DRM-Proteste bei der BBC.

Anti-DRM-Demonstration vor der BBC Vor der BBC-TV-Zentrale in London haben heute Aktivisten der Kampagne Defective by Design demonstriert: Der Protest richtet sich dagegen, dass die Download-Plattform iPlayer digitale Rechteverwaltung (DRM) verwendet und Windows Media Player 10 auf Windows XP voraussetzt. Das harsche Defective-by-Design-Statement nimmt allerdings bisweilen etwas naive Züge an: Als hätte sich die BBC tatsächlich für DRM entschieden „just because Murdoch and Gates say they must“. (Gefunden via Robin Hamman.)

Von anderer Seite bekommt der BBC iPlayer ebenfalls Gegenwind: Einem Independent-Bericht zufolge drohen einige Serviceprovider damit, dem iPlayer gezielt Bandbreite zu entziehen — wenn die BBC sich nicht an den Leitungskosten beteiligt, die die Kunden der Provider wegen der BBC-Videos verursachen. Unsinn, in der Tat.

Der lange Weg des iPlayer durch die Instanzen wurde hier schon mehrfach beschrieben. Einer der entscheidenden Schritte war dabei der Public Value Test, ein Verfahren, mit dem das Aufsichtsgremium BBC Trust den individuellen und gesellschaftlichen Wert einer Neuerung und die Auswirkungen auf den Markt abwägt. Wer sich für die Grundlagen dieses Public-Value-Begriffes interessiert, dem sei ein ausführlicher Aufsatz in einer Fachzeitschrift empfohlen: Richard Collins, The BBC and „public value“, in: Medien & Kommunikationswissenschaft, Heft 2, 55. Jg. (2007), S. 164-184. Leider nicht im Volltext, sondern nur als Abstract online.

Derzeit überprüft der BBC Trust übrigens das Online-Angebot, also bbc.co.uk. Wer sich zu Wort melden möchte, kann das bis zum 31. Oktober tun.

(Foto: Matthew Cashmore, unter Creative-Commons-Lizenz.)

Notfallnerds

Kartografen und Informatiker als Notfallhelfer.

MapAction-Karte Eine ungewöhnliche Anforderung an potenzielle Katastrophenhelfer: Profi-Nutzer von Geoinformationssystemen muss man sein und mit der Software ArcGIS 9.x umgehen können. Im Einsatz für die britische Nichtregierungsorganisation MapAction sind nämlich Kartografen. Welche Helfer sind wo stationiert, welche Straßen sind unpassierbar, welchen Umkreis decken die Flugplätze ab, wo stehen die Trinkwassertanks? All diese geografischen Informationen sammeln und verbreiten die Helfer und erleichtern so Koordination und Kommunikation. Ein Beispiel: Beim Erdbeben in Indonesien 2006 bedienten sich die dortigen Behörden bei MapAction, weil sie selbst von einer betroffenen Region nur Karten aus den 40er-Jahren hatten. Nun soll eine deutsche MapAction-Basis entstehen: Wer sich als GIS-Profi engagieren will, sollte Kontakt mit der Hamburger Geografie-Buchhandlung Dr. Götze Land & Karte aufnehmen.

Luftbilder der Jim-Gray-Suche Wie Computerspezialisten in Notfällen helfen, hat Steve Silberman vor kurzem für das Magazin Wired aufgeschrieben: Inside the High Tech Hunt for a Missing Silicon Valley Legend. Mit Satelliten, NASA-Flugzeugen, Radarnetzen und Meeressimulationen suchte die Technikergemeinde nach dem auf See verschollenen Microsoft-Forscher Jim Gray. Mehr als 12.000 Freiwillige nahmen Luftbilder unter die Lupe, in der Hoffnung, darauf Grays Segelboot zu entdecken. In dem Artikel wird auch kurz die Suche nach dem verschwundenen Cnet-Journalisten James Kim und seiner Familie im November 2006 erwähnt: Dort waren es zwei hartnäckige Techniker eines Mobilfunkbetreibers, deren Datensuche entscheidend dazu beitrug, dass zumindest Frau und Kinder gerettet wurden.

Halbrohkost

Umfragedaten im Detail veröffentlichen.

Wenn Medien Meinungsumfragen in Auftrag geben, bekommen sie von den entsprechenden Instituten mindestens sehr hässliche Tabellen-Dokumente, manchmal aber auch schon aufbereitete Grafiken oder Vorlagen dafür. Zeit Online bietet in seinem umfangreichen Themenspecial Projekt Links nicht nur eine Umfrage als Bildergalerie und eine Analyse der Ergebnisse, sondern als PDF-Datei auch die etwas roheren Tabellen aus dem Hause tns emnid. Die enthalten nicht nur die Fragen im Wortlaut, sondern auch viel genauere Auswertungen: Beispielsweise liegt der Anteil der Frauen, die den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr für eher falsch halten, fast 20 Prozentpunkte höher als derjenige der Männer. Wenn die Forscher danach fragen, ob jemand Mindestlöhne begrüßt oder ablehnt, dann ist ein Blick auf das Haushaltseinkommen nicht uninteressant. (Und siehe da: Es ist keineswegs so, dass die Begeisterung für Mindestlöhne mit steigendem Einkommen automatisch sinkt.)

Anders gesagt: eine sehr gute, nachahmenswerte Idee, die detaillierten Daten online zu veröffentlichen!

Quid pro quo

Die Dialogtour des Wirtschaftsministeriums.

Ja, natürlich ist es eine spannende Frage, ob eine Agentur regionalen Zeitungen im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums für seine Dialogtour zum Thema Mittelstand „Gegenfinanzierungen“ durch Anzeigen angeboten hat, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet (gefunden via ts.de). Ob sie dabei redaktionelle Berichterstattung ganz genau vorschreiben wollte und dafür Anzeigen versprach.

Ebenfalls eine spannende Frage: Wie war das denn mit dem Dialogtour-Termin im Juli in Potsdam? Dort hat der Chefredakteur der FAZ-Tochter Märkische Allgemeine die Veranstaltung moderiert, im Anschluss daran erschien dort ein Artikel mit der Überschrift „Auf seiner ‚Dialogtour‘ darf sich Staatssekretär Walther Otremba vor allem Lob für die Politik der Bundesregierung anhören“. Und gab es eventuell auch Kooperationen bei den anderen absolvierten und geplanten Terminen in Nürnberg, Siegen, Leipzig, Saarbrücken, Würzburg, Schwerin und Wuppertal?

Nachtrag: Flaskamp räumt Fehler ein – und das Ministerium stoppt die PR-Tour. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, dass das Angebot mindestens fünf anderen Zeitungen unterbreitet wurde, „zwei sind offenbar darauf eingegangen“. Die taz hat bei der Märkischen Allgemeinen nachgefragt: Flaskamp hat auch dort Anzeigen geschaltet, der MAZ-Geschäftsführer Peter Jürgen Asmussen hebt aber hervor, dass dies erst nach der Veranstaltung geschehen sei. Asmussen im O-Ton: „Anzeigen waren in keiner Weise Teil eines Gesamtdeals.“ (Das Argument ist kein ganz großer Befreiungsschlag: Es gab also erst freundliche Berichterstattung und erst danach Anzeigen? Na dann.)