Old School

Retro-Einblendungen im US-Kongress.

Oft kann man sehr gut an den Einblendungen sehen, von wann eine Fernsehsendung stammt: Schriften, Farben, Schatteneffekte, Anordnung, Groß- und Kleinschreibung.

Manchmal aber eben auch nicht.

Einblendung bei US-Kongressabstimmung

Das Bild zeigt die offiziellen Einblendungen bei Abstimmungen des US-Repräsentantenhauses anno 2008. Ich hätte auf etwa 20 bis 30 Jahre früher getippt.

(Die Kameras, die Plenarsitzungen im US-Repräsentantenhaus und im US-Senat filmen, gehören… dem US-Kongress. Ich vermute, die Einblendungen stammen ebenfalls von der Haustechnik dort.)

Verflechtungen

11.000 Politiker in NRK-Datenbank.

Maktbasen bedeutet im Norwegischen Machtbasis — oder Macht-Datenbank.

Maktbasen ist ein Projekt des norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK, das für mehr Transparenz in der Politik sorgen soll. Es enthält Daten zu mehr als 11.100 Politikern — Abgeordnete im Landesparlament Storting, im Provinzparlament Fylkesting, Mitglieder von Stadt- und Gemeinderäten. Für jeden zeichnet Maktbasen ein Netzwerk: Zu welchen Organisationen und Firmen gehört der Politiker, wer sitzt mit ihm in Vorständen?

Maktbasen-Netzwerk

Nutzer haben jede Menge Suchmöglichkeiten: Was machen die Politiker aus meiner Gemeinde? Welche Nebeninteressen haben die Politiker im Verteidigungsausschuss? Welche Politiker stehen in Verbindung mit Stromversorgern?

Die Daten stammen vom Kommunal- und Regionalministerium (Lokalpolitiker und Parteizugehörigkeit), vom Storting (Biografien der Abgeordneten, Stimmverhalten), einer privaten Wirtschaftsdatenbank (Verknüpfung von Personen mit Unternehmen und Stiftungen) und einem staatlichem Unternehmensregister (Branchenzuordnung). (Gefunden via NRK beta.)

Norwegische Medien haben übrigens besondere Erfahrung mit Datenbanken: Ob NRK, Dagens Næringsliv, Aftenposten oder VG — alle veröffentlichen im Netz jährlich das steuerpflichtige Einkommen, das steuerpflichtige Vermögen und die Steuerhöhe aller Bürger. Skandinavische Transparenz, die in diesem Jahr etwas zu weit ging: An elf Redaktion lieferten die Behörden CDs mit den Steuerlisten, die versehentlich auch vier Millionen vertrauliche Personennummern enthielten. Immerhin waren die CDs verschlüsselt.

Zu viel Geld

Wie die Krise begann.

Eine Stunde lang erzählen Alex Blumberg und Adam Davidson ihren Hörern die Geschichte, wie aus wertlosen Hypotheken wertvolle Anleihen geworden sind – zumindest bis der Markt zusammenbricht. Und wie alle drinhängen: Der Hypothekenbanker in Nevada, der vorher Barkeeper war. Der Gebietsverkaufsleiter, der sein Geld in den Clubs von Manhattan verpulvert. Der Investmentmanager und seine Truppe, auf deren Monitoren keine Warnzeichen auftauchen. Der Morgan-Stanley-Banker, den die Investoren zu neuen Anleihen drängen. Der Darlehensnehmer in New Jersey, der an das Geld für die Ausbildung seines Sohnes gehen muss.

The Giant Pool of Money (Audio) ist spannendes Radio, allerdings hilft es, parallel das Transkript mitzulesen. Wer die Sendung vom Mai 2008 gehört hat, ahnt zumindest, wie so viele Leute bei so etwas Absurdem mitmachen konnten.

(Gefunden in einem Artikel der New York Times über die Medienberichterstattung im Vorfeld der Wirtschaftskrise.)

Operation: Sleeper Cell

Spielen und die Realität verändern.

Die Agency ist noch etwas zurückhaltender als MI5 und MI6 vor 1989: „If you think we actually are the Agency and just in deep cover, then we’re afraid you’re very much mistaken.“ Die Agency scheint allerdings sehr viel Zeit auf Tee und Kekse zu verwenden. Kaum verwunderlich, dass sie Hilfe dabei braucht, die Welt vor einer bösen Untergrundorganisation zu retten.

Operation: Sleeper Cell ist ein Alternate Reality Game (ARG), auch wenn dieser Begriff inzwischen für ein großes Sammelsurium steht: Ein Spiel also, das nicht nur am Computer stattfindet, sondern auch in der Realität außerhalb des Bildschirms. Dabei führen gelöste Rätsel zu neuen Aufgaben und Zugang zu weiteren Teilen des Puzzles. Kooperation in Teams und unter den Teams ist nahezu unerlässlich.

Mit der Realität hat dieses Spiel aber noch auf andere Weise zu tun: Es soll Geld für die Krebsforschung einsammeln. Wer ein Feld auf dem „Grid“ aufdecken will, kann dafür bezahlen und bekommt so einen 12-stündigen Vorsprung für die darunter versteckte Mission. Danach ist das Feld auch für die anderen Spieler sichtbar.

Spielfeld von Operation: Sleeper Cell

Adrian Hon, der hinter Perplex City und We Tell Stories steckt, schrieb vor einem Jahr:

One of the most startling things about alternate reality games is what their players can achieve. When you have tens of thousands of highly motivated and tightly-knit players who urgently want to get to the next scene, even the most obscure puzzle can be solved, no matter what language it’s written in, or what specialised field it relates to; one of the players, one one of their friends, will know the answer.

Und er fragte sich, wie viel engagierter die Spieler wären, wenn es dabei sogar um ein ernstes Ziel ginge. In einem Wettbewerb um die beste Spielidee hat sich dann Operation: Sleeper Cell durchgesetzt.

(Das Spiel hat soeben begonnen.)

Check

Über die Sektorengrenze.

Anke Gröner hat Reichstag und Checkpoint Charlie besucht (und darüber geschrieben), und da muss ich eins ergänzen. Mein älterer Bruder schilderte mir vor Kurzem eine Rückfahrt von Ost nach West über diesen Kontrollpunkt, vor dem Mauerfall — und warum die Baracke an der Friedrichstraße die beste Werbung für das westliche System war, die perfekte Corporate Identity.

Auf östlicher Seite stand, natürlich, die Betonmauer. Das Auto kroch unter dem Blick aus Wachtürmen im Zickzack an Barrieren vorbei. In einer langen Schlange näherte es sich misstrauischen Grenzern, die alle Papiere, Fahrzeuge und Menschen bis zum Exzess kontrollierten.

Auf westlicher Seite grüßte ein GI lässig-freundlich an der Baracke und winkte das Auto durch. Alles, was er sagte, war: „Welcome to the free world.“