Britisches Zeitungsschrumpfen

Der Independent hat sein Format verkleinert — mit großem Erfolg.

Im September 2003 begann die britische Tageszeitung Independent, ihr Blatt in zwei Versionen anzubieten – einmal als die übliche große, papierene Wand und einmal als U-Bahn-taugliches Kompaktblatt. Die Leser haben entschieden: 74 Prozent der Verkäufe gehen auf das Konto der kleinformatigen Ausgabe, schreibt die Times (via EJC). Damit ist klar, dass die große Ausgabe bald Vergangenheit sein wird. Der Wechsel von broadsheet zu tabloid hat auch die Times erreicht, bislang nur in einzelnen Regionen. Und in Deutschland? Kürzlich stand im MediumMagazin, dass die Zeitungsverlage einen solchen Formatwechsel nicht in Betracht ziehen. Diese Lage könnte sich aber wie in Großbritannien ändern, falls es doch einer wagt — und damit Erfolg hat.

Dasani auf dem Mars

Wird das Leitungswasser-Wasser zum Kultgetränk?

Nachdem Coca-Cola Anfang März zugeben musste, dass ihr Dasani-Mineralwasser in Großbritannien aus Leitungswasser mit Zusatzstoffen besteht, wurde es schlimmer: Vergangene Woche hat Coca-Cola sämtliche Flaschen zurückgerufen, weil Zusatzstoffe auf eine Weise beigegeben wurden, dass Krebs erregende Stoffe entstanden. Die endgültige Weihe zum Kultgetränk kommt nun von The Onion: Coke-Sponsored Rover Finds Evidence Of Dasani On Mars. Die Markteinführung in Deutschland als Premiummarke dürfte nicht leicht werden.

Chance verkocht

Kochen statt Demonstrieren im US-Fernsehen für Arabien.

Al-Hurra, das hier bereits erwähnte US-finanzierte arabische Satelliten-TV-Programm, hat nach der Tötung von Hamas-Gründer Jassin nicht live zu palästinensischen Demonstranten geschaltet wie die arabische TV-Konkurrenz: Laut Slate zeigte es eine übersetzte amerikanische Kochsendung (via Media Network). Das Online-Magazin sieht das als ersten großen Test für Al-Hurra an, bei dem der Sender spektakulär versagt habe.

Sehr provisorisch

Die Seiten der Koalitionsverwaltung im Irak sind ‚under construction‘.

Aktuell sieht cpa-iraq.org, die Website der Provisorischen Koalitionsbehörde im Irak, merkwürdig aus: Es gibt dort eBay-Angebote zum Thema Accounting, als verwandte Themen werden mir irakische Flaggen und Jobs im Nahen Osten angeboten. Außerdem Kosmetika, Haarersatz, Vitamine und Schlankheitspillen. Mit anderen Worten: Das Onlineangebot ist nur noch eine werbegefüllte Warteseite beim Registrar Network Solutions, obwohl das DTIC seine Domaingebühren brav bezahlt hat. Bis der peinliche Fehler behoben ist, hilft iraqcoalition.org weiter.

The Tillack raid

A Stern journalist’s office is raided to find his sources.

The actions against Stern magazine’s Brussels correspondent Hans-Martin Tillack have now reached Blogdex and Daypop, two barometers for exposure in the blogosphere. The journalist had been taken into police custody on Friday (19 March) and released after ten hours of questioning. Euobserver.com reported that according to Stern, Belgian police confiscated „material on paper, computers and cell-phones“ in his office. The Daily Telegraph’s European correspondent Ambrose Evans-Pritchard quotes Tillack: „The police said I was lucky I wasn’t in Burma or central Africa, where journalists get the real treatment“.

Apparently, Belgian police acted on a complaint from the European Anti-Fraud Office OLAF, accusing the journalist of paying money for a leaked OLAF dossier two years ago. Tillack denies ever having paid for information. Belgian law currently does not seem to secure journalists‘ right to protect their sources. The Belgian parliament is discussing a bill about such a right at the very moment (according to the Belgian association of professional journalists).

Tillack has been very critical of several EU institutions, and has himself been criticized for reducing the EU to its scandals. His latest report alleged that some MEPs had others sign their attendance records to get their daily allowance (euobserver.com story in English). By the way: There are European Parliament elections in June.