Zum Beispiel

Fünf Linktipps zwischendurch.

Es stimmt natürlich, was Jens Schröder schreibt: Viele Linktipps, die früher in Blogs gelandet wären, kommen jetzt über die Aufmerksamkeitsmaschine Twitter. Bei der man allerdings schon etwas verpasst, wenn man blinzelt.

Anna Pickard ist eine britische Journalistin, die vor einer Weile nach San Francisco gezogen ist. Auf Little Red Boat schreibt sie zum Beispiel darüber, wie viel Spaß man mit einem Foucault’schen Pendel und ein paar Cocktails haben kann.

Gabriel White, auch in San Francisco, ist ein Spezialist für Interaktionsdesign. Sein Blog Small Surfaces besteht aus meist kurzen Einträgen über Design für mobile Geräte, ist aber kein Gadget-Blog. Zum Beispiel verweist er darauf, wie man per Tastatur Rockgitarrist werden kann.

Matthias Spielkamp, der hinter dem grimmeprämierten iRights.info steckte, ist Journalist und Autor in Berlin. Er schreibt auf Immateriblog.de viel über Urheberrecht und die Film-, Musik- und Verlagsbranche, zum Beispiel über die vollmundige Ankündigung des deutschen E-Book-Portals Libreka.

Alfred Hermida gehört zu den Pionieren der BBC-Nachrichten im Netz und lehrt jetzt Journalistik in Vancouver. Die BBC-Online-Aktivitäten sind eines seiner Lieblingsthemen auf Reportr.net, es schreibt aber zum Beispiel auch über die Lage der US-Medien.

Andrew Vande Moere lehrt am Designlabor der Universität Sydney. Sein wunderschönes Blog Information Aesthetics zeigt zum Beispiel, was passiert, wenn man die neue Schnittstelle von NYTimes.com mit einem Rauchmelder verbindet.

Unbestätigt

Widersprüchlicher Gerüchteticker bei n-tv.

n-tv-Ticker: Gerüchte: Polizei erschießt Täter auf der Flucht

n-tv-Ticker: Alle Informationen bislang unbestätigt

n-tv-Ticker: Gerüchte: Täter richtet sich selbst

Ein kleines bizarres Detail am Rande eines gescheiterten n-tv-Expertengespräches über den Amoklauf von Winnenden mit Joachim Kersten, der ansonsten oft auf Alexander Kluges Sendeplätzen zu sehen ist. Während Kersten über unkommentierte Medienbilder spricht, wiederholt sich die Bilderschleife nach 87 Sekunden. (via)

Zeitungslage

Karte der Tageszeitungen großer US-Städte.

Eine kleine Reise durch die amerikanische Presselandschaft in bedrohlichen Zeiten: In welchen der großen Städte gibt es noch Tageszeitungsrivalen und wo mussten Blätter bereits Gläubigerschutz beantragen?


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Ab ins Web

Seattle verliert eine Tageszeitung.

Kurz nach Denver gehört nun auch Seattle zu den amerikanischen Städten mit nur noch einer bedeutenden Tageszeitung: Am Dienstag erscheint der Seattle Post-Intelligencer zum letzten Mal. Auch dort gab es eine Kooperationsvereinbarung mit dem örtlichen Konkurrenten, der Seattle Times. Auch dort wurde vergeblich nach einem Käufer für das Blatt gesucht. Der 146 Jahre alte P-I ist die älteste Zeitung des Bundesstaats Washington. Überleben soll nur das derzeit gruselig ausschauende Onlineangebot: Von der 150-köpfigen Zeitungsredaktion bleiben 20 Allrounder für seattlepi.com. Der P-I-Eigentümer ist die Hearst Corporation, der ein weiteres gefährdetes Blatt gehört: der San Francisco Chronicle, die einzige ernstzunehmende Tageszeitung der Stadt.

In der P-I-Redaktion kursierte eine Zitatensammlung, in der sich Fatalismus und schwarzer Humor mischen. Ein Zitat, das von Charles Bukowski stammen soll: „Before you kill something make sure you have something better to replace it with.“ Dass dies so nicht passieren wird, ist im gerade erwähnten Clay-Shirky-Essay zu lesen.

Am Wochenende geht das amerikanische Zeitungssterben übrigens weiter, diesmal in Arizona: Der kleine Tucson Citizen erscheint am 21. März letztmalig, dort überlebt der weitaus größere Arizona Daily Star.

Das Undenkbare

Clay Shirky über die Zukunft der Zeitungen.

„In Revolutionen kehrt sich die Wahrnehmung auf merkwürdige Weise um. Im Normalfall sieht man diejenigen, die lediglich die Welt um sie herum schildern, als Pragmatiker, während diejenigen mit märchenhaften Vorstellungen einer alternativen Zukunft als Radikale gelten. Die letzten Jahrzehnte waren allerdings nicht der Normalfall. Bei den Zeitungen waren es die Pragmatiker, die einfach aus dem Fenster schauten und bemerkten, dass die reale Welt zunehmend dem undenkbaren Szenario glich. Behandelt wurden diese Leute wie Irre. Wer dagegen Traumbilder vom Erfolg abgeschotteter Systeme (Walled Gardens) und begeisterter Micropayment-Nutzung malte, für die es keine reale Basis gab, wurde nicht als Scharlatan betrachtet, sondern als Retter.“

Clay Shirkys Essay über die Zukunft der Zeitungen hilft keinem Printmedienmenschen aus der Krise, der sich selbst als einen Printmedienmenschen sieht. Shirky ist nicht einmal besonders optimistisch, dass es für die gedruckte Zeitung bald ein funktionales Äquivalent geben wird, einen tröstenden Ersatz. So sei das eben in echten Revolutionen, schreibt er trocken: „Das alte Zeugs geht schneller kaputt als das neue Zeugs an die Stelle tritt.“ Unbedingt lesenswert.

Die Krise

Ein paar Reaktionen: Jeff Jarvis warnt, dass die Zeitungen nicht die letzte Branche sein werden, die es trifft. Cory Doctorow sieht Parallelen zu denen, die ihr Produkt mit  Rechtebeschränkungen und Anwälten schützen wollen. Tim O’Reilly meint, dass die — bislang — von Zeitungen erfüllten wichtigen Bedürfnisse nicht verschwinden und setzt auf neue Institutionen. Wer trotz Shirky noch an Micropayment glaubt, findet mehr dazu, auch von Shirky, im Freakonomics-Blog.