Unterwegs mit Arte Airways

Der Ausfall des Bordfernsehens führt zu einer erstaunlichen Flugreise.

Auf dem Hinflug nach Alicante via Palma gab es im Bordfernsehen von Air Berlin eine zusammengeschnipselte Reihe von lustig gemeinten Unglücken à la „Pleiten, Pech und Pannen“. Dass auf dem Rückflug das Bordfernsehen nicht funktionierte, war also kein tragischer Verlust. Es folgte aber eine ziemliche Überraschung: Der Flugkapitän übernahm aushilfsweise die akustische Unterhaltung — und wie! Als Marseille sichtbar wurde, wies er nicht nur auf die Bucht samt Hafen hin, sondern auch auf Saintes Maries de la Mer und die dort stattfindenden Zigeunertaufen. Als nächstes bekamen wir den Mont Sainte-Victoire vorgestellt als eines der Lieblingsmotive von Cezanne. Das war der Punkt, an dem ich begann, mir Notizen zu machen. Die Gebirge unter uns und die Erdbeben im Iran waren für ihn der Anlass, über tektonische Platten und die Zerstörung von Pompeji zu erzählen. Und so ging es weiter: Von der Neuvermessung des Montblanc über die Entstehung und Benennung des Schwarzen Meeres. Beim Überflug von Genf wurden uns die Beweggründe Henri Dunants zur Gründung des Roten Kreuzes (Schlacht von Solferino) und die groben Unterschiede zwischen Calvin und Luther (strafender vs. gnädiger Gott) erklärt. Auf diesem Flug wurden nebenher das Bernoullische Gesetz, der Geburtsort von Johanna von Orleans, das Phänomen der Winkelbeschleunigung sowie die Etymologie von mäandrieren und Dortmund behandelt. Wunder geschehen also offensichtlich doch, beispielsweise kulturelles In-Flight-Entertainment der Spitzenklasse auf einem Discount-Flug von Mallorca nach Hamburg.

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