1851-1922 + 1987-2007

New York Times gibt Bezahldienst auf.

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Eine gute Nachricht, via Riesenmaschine: Die New York Times verzichtet ab sofort auf TimesSelect, ihren Bezahldienst für bestimmte Premiuminhalte wie aktuelle Leitartikel und das Meldungsarchiv. Fast alle aktuellen Artikel waren schon vorher ohne Bezahlung zugänglich. Damit ist nun hoffentlich auch Schluss mit dem albernen Vorgehen beim Verlinken von Artikeln, bei dem jeder eine persönliche, 30 Zentimeter lange Webadresse zur Verlinkung zugeteilt bekam. Das ist aber nur die praktische Seite.

Viel einschneidender ist die Erkenntnis, die dahinter steht. Schließlich ist die New York Times eine weltweit bekannte Zeitung — sollten die Leser nicht allein deswegen täglich vorbeischauen und sich dort die Nachrichten abholen und für Leitartikel löhnen? Die Antwort der Zeitung:

Readers increasingly find news through search, as well as through social networks, blogs and other online sources. In light of this shift, we believe offering unfettered access to New York Times reporting and analysis best serves the interest of our readers, our brand and the long-term vitality of our journalism.

Etwas weniger pathetisch ausgedrückt: Die New York Times glaubt nicht mehr an den Leser, der für seine Zeitung pauschal über die Online-Bezahlbarriere springt. Sie hat verstanden, dass Leser gute Inhalte auf vielen Wegen finden — wenn sie denn zu finden ist. Das Ende von TimesSelect ist also keine Überraschung, aber vielleicht für manchen Verleger eine Horizonterweiterung. Gut für die Leitartikler, die jetzt wieder vor Publikum leitartikeln. Gut für die Nutzer, die jetzt ein Zeitungsarchiv bekommen, das immerhin 91 Jahre abdeckt:

In addition to opening the entire site to all readers, The Times will also make available its archives from 1987 to the present without charge, as well as those from 1851 to 1922, which are in the public domain. There will be charges for some material from the period 1923 to 1986, and some will be free.

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