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Wie funktioniert eigentlich eine Enigma-Chiffriermaschine? Numberphile erklärt in einem Video mit einer echten Enigma, warum die Nazis glaubten, ihr Code sei nicht zu knacken. In einem zweiten Video ist zu sehen, wie es den Codebreakern um Alan Turing trotzdem gelungen ist. (Entdeckt via NRKbeta.)


Ein Video der Allianz für Lobbytransparenz und ethische Regeln (ALTER-EU) zeigt, wie bei der EU-Datenschutzreform Lobbying betrieben wird. Mehr zum Thema und dazu, wie man sich engagieren kann, bei netzpolitik.org.

Meine wichtigste Regel im Umgang mit Verschwörungstheorien ist Hanlon’s Razor: »Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist«. Ein neues, schönes Beispiel: Die US-Steuerbehörde IRS hat konservative Gruppierungen, die sich von der Steuer befreien lassen wollten, besonders genau unter die Lupe genommen. Dafür musste der IRS-Chef gehen. Jetzt hat sich die New York Times die dafür zuständige Außenstelle in Cincinnati näher angesehen: Confusion and Staff Troubles Rife at I.R.S. Office in Ohio.

Kartenspiele

Blinde Flecken bei Street View und Wikipedia.

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Nein, keine Sorge, kein weiteres Fazit der re:publica 2013 (na gut: schön war’s, aber schaut selbst).

Stattdessen ein kleiner Hinweis auf ein kleines Spiel, und eine Suchtwarnung anbei: GeoGuessr ist wie ein kleines Adventure, bei dem es herauszufinden gilt, an welcher Stelle der Erde man gerade ausgesetzt wurde — mittels Google StreetView. Impulsive Menschen tippen anhand der Meeresfärbung, detektivisch veranlagte Spieler fahren lange Strecken auf einsamen Straßen auf der Suche nach einem Straßenschild. (Danke an @lehei für den Tipp!)

Screenshot von GeoGuessr

Was es dann doch mit der re:publica zu tun hat? Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Street-View-Autos natürlich nur einen kleinen Teil des Planeten besucht haben, und dort wiederum nur einen Teil der Städte und dort wiederum nur die Straßen. Das ist für den Spielspaß bei GeoGuessr nicht schlimm, vielleicht wäre das Spiel sonst gar nicht spielbar.

Weltkarte der von Street View abgedeckten Gebiete
Die von Street View abgedeckten Gebiete, Stand Mai 2013 (Karte © Google)

Aber solche blinden Flecke gibt es auch an vielen anderen Stellen, wo sie wichtiger sind und vielleicht weniger auffallen. In seinem Eröffnungsvortrag hat Erik Hersman über Innovation in mehreren afrikanischen Ländern erzählt. Wenn man aber Innovation in Patentanmeldungen pro Kopf zählt, bleiben die afrikanischen Länder auf der Karte leer.

Mark Graham hat für seinen re:publica-Vortrag über Internet-Geografien andere spannende Karten mitgebracht, zum Beispiel zur Frage, in welchen Ländern über welche Länder in der Wikipedia geschrieben wird. Mancherorts schreiben Menschen über sich selbst, mancherorts wird über einen geschrieben. Wenn die Wikipedia zunehmend das Universal-Nachschlagewerk wird, sollten NutzerInnen das im Kopf behalten.

Karte von Mark Graham: What percentage of edits to English-language Wikipedia are from local people?
Karte von Mark Graham: What percentage of edits to English-language Wikipedia are from local people?

Aber wie gesagt: GeoGuessr macht trotzdem süchtig.

Kleine re:trospektive

Die Plakate der re:publica seit 1913.

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Manche Menschen glauben ja, die re:publica sei erst ein paar Jahre alt. Jetzt kann die Geschichte der Konferenz endlich neu geschrieben werden: Auf einem Dachboden des Staatsarchivs in Berlin-Dahlem sind vor wenigen Wochen die Konferenzplakate seit der allerersten re:publica wieder aufgetaucht, zusammen mit einigen historischen Dokumenten.

re:trospektive

Premiere unter den wachsamen Augen der Preußischen Geheimpolizei.

Slide 2
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Slide 16
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Im Jahr 1913 fängt alles an: Unter den wachsamen Augen der Preußischen Geheimpolizei treffen sich Ingenieure, Künstler, Maler und Musiker in einer Berliner Maschinenfabrik. Fünf Jahre später, kurz nach Ausrufung der Republik, gibt es ein Wiedersehen — und damit beginnt die Serie. Jedes fünfte Jahr ist ein re:publica-Jahr, zumindest bis die NS-Zeit die Reihe für lange Zeit unterbricht. 1948 geht es im selben Rhythmus weiter mit der re:publica, bis sie von 2007 an zu einem jährlichen Treffen wird.

Natürlich ist diese Konferenz immer ein Kind ihrer Zeit und steht unter dem Eindruck wissenschaftlicher Durchbrüche, gesellschaftlicher Umbrüche und technischer Entwicklungen. Mal blickt sie optimistisch in eine Zukunft mit Mondlandungen (1963), Heimcomputern (1983) und Desktop Publishing (1988), mal hat sie auch ein bisschen Angst, etwa vor der Rasterfahndung (1978) oder dem Jahr-2000-Problem (1998). Aber es gab immer genügend begeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich dort wieder getroffen, anderen davon erzählt und neue Leute mitgebracht haben. Schön, dass es nach genau 100 Jahren immer noch so ist!

(Leider konnten die Plakate bislang noch nicht auf eventuelle minimale Authentizitätsdefizite geprüft werden.)

Nachtrag: Wer die Plakate in großer oder riesengroßer Auflösung benötigt, kann die jetzt via box.com herunterladen.

Team Nostalgie

Island wählt wie vor dem Crash.

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Island hat am Sonnabend ein neues Parlament gewählt, und der Reykjavik Grapevine, ein englischsprachiges Magazin in Island, hat eine einfache Erklärung für Nicht-Isländer. Es traten an:

  • »Team Regierung«: Sozialdemokraten und Links-Grüne; bislang Koalitionspartner
  • »Team Nostalgie«: Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei; liberal-konservative Parteien, die 1995 bis 2007 koaliert haben
  • »Team Upstart«: Piratenpartei und Björt framtíð (Helle Zukunft), zwei Parteineugründungen

Gewonnen hat: Team Nostalgie. Die Unabhängigkeitspartei, die Island in die Finanzkrise geführt hat, ist nun wieder stärkste Partei geworden. (Nach einem Auszählungsmarathon haben es die Piraten mit 5,1 Prozent gerade so über die Fünfprozenthürde geschafft: Ergebnisse auf Morgunblaðiðs mbl.is)

Die angebliche Crowdsourcing-Verfassung, Lieblingsthema mancher deutscher Medien (Print und Social), ist ja kurz vor Ende der Legislaturperiode im Parlament gescheitert. Wer erwartet hatte, dass die Isländer das bei der Wahl bestrafen, hat sich geirrt: Die Wirtschaftslage, der Umgang mit der Pleitebank Icesave, der EU-Beitritt  und die Folgen für den Fischfang  scheinen den Isländern wichtiger gewesen zu sein. Im News-of-Iceland-Blog erläutert Steinar Björnsson das ausführlicher.

Reuters beschreibt die Lage vieler Haushalte auf der Insel: Die Immobilienpreise sind drastisch gefallen, die Reallöhne gesunken, viele verschulden sich immer mehr. Kein Wunder, dass die Fortschrittspartei den Wählern »pretty much everything but balloons and ice cream for all«  (Zitat Grapevine) versprochen hat.

Ist Island also doch kein Vorbild für ganz Europa? Der Schriftsteller Hallgrímur Helgason hat schon kurz vor der Wahl ein ernüchterndes Fazit gezogen: »People want to forget the Crash, they don’t want to learn from it, they don’t want to start behaving sensibly, they don’t want to start behaving — as we had hoped — like responsible Scandinavians.«

Liest man die Kommentare beim Blog-Aggregator Rivva, dürfte es nicht lange dauern, bis erste Leistungsschutzrecht-Disclaimer auf Onlineangeboten auftauchen:
Dieser Anbieter wird das Leistungsschutzrecht für Presseverleger nicht beanspruchen

Kleinteilig

Die Wende beim Leistungsschutzrecht?

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Vor ein paar Monaten gab es hier zur Frage, was wohl aus dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage wird, vier Szenarien. Heute kam die Nachricht, dass im neuen Koalitionsentwurf »einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte« ausgenommen werden sollen.

Zum Vergleich erst einmal ein Auszug daraus, wie die Bundesregierung noch vor kurzer Zeit den Gesetzentwurf begründet hat (Hervorhebungen von mir):

Das Leistungsschutzrecht schützt bereits kleine Teile des Presseerzeugnisses. Hier kann nichts anderes gelten, als das, was der Bundesgerichtshof mit Blick auf das Leistungsschutzrecht der Tonträgerhersteller in seinem Urteil „Metall auf Metall“ (Urteil vom 20.11.2008, Az. I ZR 112/06) ausgeführt hat. Ebenso wie beim Leistungsschutzrecht des Tonträgerherstellers der Schutzgegenstand nicht der Tonträger selbst ist, ist auch hier nicht das Presseerzeugnis selbst Schutzgegenstand, sondern die zur Festlegung des Presseerzeugnisses erforderliche wirtschaftliche, organisatorische und technische Leistung des Presseverlegers. Die unternehmerische Leistung umfasst jeden Teil des Presseerzeugnisses; die erforderlichen Mittel müssen für einen kleinen Teil genauso bereitgestellt werden, wie für die gesamte Festlegung einer Ausgabe. In diese unternehmerische Leistung greift auch derjenige ein, der nur kleine Teile nutzt.

Jetzt ein Auszug aus der Begründung für den Änderungsantrag (laut RA Thomas Stadler, wieder mit eigenen Hervorhebungen):

Die Empfehlung soll sicherstellen, dass Suchmaschinen und Aggregatoren ihre Suchergebnisse kurz bezeichnen können, ohne gegen Rechte der Rechteinhaber zu verstoßen. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs mit Blick auf das Leistungsschutzrecht für Tonträgerhersteller (Urteil „Metall auf Metall“ vom 20.11.2008, Az. I ZR 112/06) soll hier gerade keine Anwendung finden. Einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte, wie Schlagzeilen, zum Beispiel „Bayern schlägt Schalke“, fallen nicht unter das Schutzgut des Leistungsschutzrechtes. Die freie, knappe aber zweckdienliche Beschreibung des verlinkten Inhalts ist gewährleistet. Suchmaschinen und Aggregatoren müssen eine Möglichkeit haben, zu bezeichnen, auf welches Suchergebnis sie verlinken. Insofern gilt der Rechtsgedanke der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu Vorschaubildern („Vorschaubilder I“, Urteil vom 29.04.2010, Az. I ZR 96/08; „Vorschaubilder II“, Urteil vom 19.10.2011, Az. 140/10).

Was es mit den Vorschaubildern auf sich hat, erläutert Jonas Kahl ausführlich bei Telemedicus: Wer Inhalte frei ins Netz stellt, muss mit üblichen Nutzungen rechnen — die Parallelen zu den Suchmaschinen-Snippets liegen auf der Hand.

Einige Netzpolitiker der Grünen wittern schon Morgenluft und fordern neue Expertenanhörungen. Wer einen Blick auf den Sitzungskalender des Bundestags wirft, sieht, was das bedeuten würde: Es bleiben noch acht Sitzungswochen, dann ist Sommerpause und danach wird der Bundestag neu gewählt. Das Szenario 2, das ich damals aufgeschrieben hatte, hat also noch Chancen: »Der Entwurf wird verschleppt, bis die Legislaturperiode endet, danach ist die Regelung schneller vergessen als jemand „sachliches Diskontinuitätsprinzip“ sagen kann.« Oder es wird — hauruck! — doch noch diese Woche ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage beschlossen, mit dem die Presseverlage weder etwas verdienen noch jemanden unter Druck setzen können. Beides wäre ein trauriges Ergebnis für diejenigen, die mit harten Bandagen für das Leistungsschutzrecht gekämpft haben.

Nachtrag: Till Kreutzer schreibt den Werdegang des Gesetzentwurfs noch einmal bündig für die FAZ auf.

Und noch ein Nachtrag: Der Bundestag hat dem Leistungsschutzrecht zugestimmt, und der Streit darüber, was kleinste Textteile und was zu lange Auszüge sind, geht schon los.

Metroknäuel

Wie der Linienplan für Moskau entsteht.

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Metro Moskau

Wie viel Liebe fließt in einen Linienplan der Metro Moskau? Sehr viel.

Art. Lebedev Studio hat kürzlich den neuen Plan vorgestellt und zeigt dabei auch, wie er entstanden ist. Die Gestalter ringen um jedes Anschlussknäuel, um den Gelb-Anteil im Rot der roten Linien und die optimale Platzierung der Umschrift in lateinischen Buchstaben. Wer die Entwicklung chronologisch verfolgen will, fängt natürlich beim Plan von 2010 an. Nebenbei haben die Designer auch schon mal einen Entwurf für das Jahr 2100 vorbereitet. (Via Smashing Magazine entdeckt.)

Zum Vergleich: 1980 hatte Moskau ein Kunstwerk als Metroplan.

(Für Menschen, die so etwas interessiert, gibt es hier im Archiv noch den Hamburger Taxi-Haltestellenplan. Außerdem empfehlenswert ist das Blog Transit Maps von Cameron Booth.)