Eine interessante Tagesschau-Ausgabe, vor allem, weil man mittlerweile einiges von dem doch verdrängt hat zugunsten eines einheitlichen Geschichtsbildes. So hat Kohl noch am 9. November 89 eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ausdrücklich abgelehnt, und zwar wegen Rücksichtnahme auf die Vertriebenen. Zur Anerkennung musste Deutschland offenbar in den Zweiplusvier-Gesprächen gedrängt werden. Freiwillig ging da nix.
Außerdem ist doch interessant, wie läppisch die Tagesschau auf die Grenzöffnung verwies. Es war eine Tagesschau wie jede andere auch. Man hat nicht einmal ein Kamerateam zur Mauer geschickt und nach vier Minuten war das Thema durch. Vielleicht nicht von ungefähr. Denn zwei Meldungen später heißt es, dass mehr als 11.000 DDR-Bürger binnen vierundzwanzig Stunden über die CSSR nach Bayern gekommen sind, eine schon länger andauernde Entwicklung. Es war für DDR-Bürger also keineswegs die erste Möglichkeit, in den Westen zu gelangen. Etwas locker gesagt, war die Mauer schon längst offen, nur nicht die vor der Nase.
Außerdem fällt heute gerne unter den Tisch, dass die Ausreisevisa, die »kurzfristig« ausgestellt werden sollten, keine Wiedereinreisemöglichkeit erlauben sollten. Das heißt, dass am Abend des 9. November keineswegs klar war, dass die Grenzen wirklich offen sind und auch nicht, wie lange das so bleiben würde.
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