Wut nach Katrina

Nach dem Hurrikan an der Golfküste.

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Abgesehen von der absurden Debatte um die Trittin-Äußerungen ist in den deutschen Weblogs relativ wenig zum Hurrikan Katrina zu lesen — vermutlich aus Fassungslosigkeit. Und zumindest bei mir wächst und wächst diese Fassungslosigkeit. In einem Radio-Interview dreht New Orleans‹ Bürgermeister Ray Nagin am Donnerstagabend nahezu durch, am Ende bricht der Lokalradio-Interviewer in Tränen aus (MP3, Transkript). Anderswo zeigt ein Video, wie den beiden Reportern Shepard Smith und Geraldo Rivera des US-Senders Fox News — nun wirklich alles andere als ein Oppositionskanal — der Kragen über die Lage in der Stadt platzt. Auch vom Moderator im Studio lassen sie sich nicht beruhigen.

Vor übertriebener Kritik warnte dagegen ausgerechnet Jan Egeland, der bei den Vereinten Nationen die Koordination von Katastrophenhilfe leitet. Egeland hatte sich beim Südasien-Tsunami unbeliebt gemacht, als er den Westen als knauserig bezeichnete und dies vor allem als Seitenhieb auf die USA verstanden wurde. Egeland sagte CNN jetzt, der fünfte und sechste Tag sei bei solchen Katastrophen stets kritisch — bald werde es besser. Hoffentlich hat er Recht.

Comments

  1. mxsmart sagt:

    Ich denke mir, Amerika hat sich in seinen eigenen Grenzen sehr sicher gefühlt und ist jetzt wahrlich überrannt. Der 11. September war menschlich wahrlich eine Tragödie, aber logistisch in den Auswirkungen keine Katastrophe. Eine ganze Großstadt die samt Infrastruktur untergeht, um es mal »nur« auf New Orleans zu beziehen, ist eine Dimension, die Amerika nie wahrhaben wollte. Man hat einen Heimatschutz aufgebaut, der dazu diente, »kleinere« Katastrophen, verursacht durch Terroristen, zu verhindern und im schlimmsten Fall deren Auswirkungen zu vermindern.

    Die Wut und Verzweiflung der Menschen ist proportional so ihren Blick auf die Welt. Der kleine Mann von der Straße sieht die unmittelbare Bedrohung, der Bürgermeister liegt auf seine Gemeinde und der Präsident schaut auf die Welt. Man könnte natürlich jetzt gehässig sagen: Was ist schon eine Stadt für einen Präsidenten? – Vielleicht nichts mehr als ein kleines Vogelnest für Otto-Normalverbraucher?

    Trotz alledem finde ich die Tragödie in Amerika wahrhaft schrecklich und hoffe, dass es am Ende doch besser ausgehen wird als alle derzeit befürchten!

  2. blogschocker sagt:

    Arme Menschen verdursten jetzt auch in Industrienationen. Gute Nacht!

    Hofentlich wird Nagin der nächste US-Präsident!

    blogschocker

  3. Markus sagt:

    Stimmt, es ist relativ wenig zu lesen. Ich habe mir gestern mal die Mühe gemacht, mehrere Artikel zu verlinken und werde das weiter tun wenn die Zeit da ist.

  4. Torsten sagt:

    Mal ein Gedanke: wird der Bürgermeister von New Orleans hier plötzlich populär, allein weil er Bush beschimpft? Hat er jenseits dieses Wutausbruchs gute Arbeit geleistet?

  5. svensson sagt:

    Torsten: Dass Bush wie so oft eine unglückliche Figur macht, interessiert zumindest mich nicht, und von Nagin weiß ich nicht mehr als das, was er in dem Interview sagt. Zudem ist es eine Momentaufnahme — inzwischen hat der Bürgermeister sich positiv über die Hilfsleistungen geäußert. Allerdings finde ich es bemerkenswert, wie Reporter und Offizielle vor Ort die Dinge sehen.

    Der Moderator im Studio sagt »Let’s put things into perspective«. Unbedingt, aber dabei nicht eine abstrakte Satellitenbild-Perspektive verfallen, in der man die Menschen gar nicht mehr sieht.

  6. adviser sagt:

    …langsam wirds eng!

  1. Memento Diem sagt:

    New Orleans: Immer noch keine Hilfe

    Es ist nicht logisch nachvollziehbar, was derzeit in New Orleans vor sich geht. Wir können soviel Material lesen, hören oder sehen, wie wir wollen – verstehen, wie sich die Menschen vor Ort fühlen, werden mit Sicherheit nicht. Sechs Tage nach der K…

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