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10. August 2003

Schlagwörter:

Blogs und Meetups for President

Die Bewerber um das Weiße Haus nutzen Blogs und Meetups.

Diese Tabelle zeigt, welche Bewerber um das Weiße Haus derzeit Weblogs und Meetups auf der offiziellen Website anbieten. Meetups sind über das Netz organisierte Treffen gleichgesinnter Menschen vor Ort. Meine Prognose: Beides wird bald zum Standardrepertoire einer politischen Kandidatur in den USA gehören.

R George W. Bush Präsident - -
D Howard Dean Ex-Gouverneur Vermont Blog Meetups
D John Edwards Senator North Carolina - -
D Dick Gephardt Abgeordneter Missouri - Meetups
D Bob Graham Senator Florida Blog -
D Joe Lieberman Senator Connecticut - -
D Carol Moseley Braun Ex-Senatorin Illinois - -
D Al Sharpton New York - -
D Dennis Kucinich Abgeordneter Ohio Blog Meetups
D John Kerry Senator Massachusetts Blog Meetups


Deutsche Spitzenpolitiker mit Weblogs gibt es noch nicht, aber bald. In der bisherigen Diskussion, z.B. bei Martin Röll, fiel bereits der Hinweis: Im US-amerikanischen politischen System müssen sich die Politiker stärker individuell positionieren, während in Deutschland Fraktionsdisziplin der Regelfall ist. Spannende US-Projekte, bei denen das Stimmverhalten von Abgeordneten verglichen wird, verlieren somit in Deutschland an Spannung.

Das bedeutet für Weblogs: Ein normaler Abgeordneter lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster. Er präsentiert im Regelfall nicht seine persönliche Position, solange er sie nicht mit seinen Fraktionskollegen abgestimmt hat. Allenfalls Länder-Ministerpräsidenten und Fraktions-Spitzenpolitiker haben mehr Narrenfreiheit, die dann häufig als »Zerstrittenheit« kritisiert wird.

Ähnliches gilt für Meetups. Wenn das Internet ermöglicht, dass sich alle Dean-Anhänger in einer texanischen Kleinstadt treffen, motiviert das für gemeinsames Handeln. Die Politiker in Deutschland haben dagegen schon eine flächendeckende Infrastruktur, nämlich die Landes-, Kreis- und Ortsverbände ihrer Parteien. Meetups sind also in Deutschland eher ein Weg, die nichttypischen Anhänger zu motivieren. Eine Ortsvereinssitzung in der Altenwohnanlage ist schließlich nicht jedermanns Sache.

Ich bin eher skeptisch, dass die Form des Politiker-Weblogs einen spürbaren Einfluss auf den Inhalt haben wird. Spannender werden bei der nächsten Bundestagswahl eher die politischen Weblogs, die den Wahlkampf verfolgen. Ein Auftritt vor kleinem Publikum ist heutzutage immer ein Auftritt vor der Medienöffentlichkeit; das weiß Hertha Däubler-Gmelin am besten. Blogger sind gut vernetzte Multiplikatoren — wir werden sehen, ob dieser Einfluss spürbar wird.

Update: »There are plenty of candidates with weblogs, they are pointless, dull and uninteresting, now. It will get interesting when voters with weblogs make their presence felt with the candidates, and then (get this) invent new candidates.« (Dave Winer)